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Schatzsucher schweben vom Trageser Aussichtsturm hinunter in den Wald

Schatzsucher schweben vom Trageser Aussichtsturm hinunter in den Wald

Kitzscher/Trages. Mit dem viel beschworenen Erzgebirgsblick vom Aussichtsturm auf der Halde Trages wurde es am Sonnabend leider nichts. Dafür war es bei Temperaturen um 30 Grad und aufkommender Schwüle am Horizont zu diesig.

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Höhenspezialist Holger Lucke (l.) simuliert mit dem künftigen Landrat Henry Graichen eine Rettungsaktion vom Aussichtsturm auf der Hochhalde Trages. Fotos: André Neumann

Quelle: André Neumann

. Spektakuläre Ausblicke gab es trotzdem, vor allem für all jene, die sich trauten, auf einer von der 33 Meter hohen Aussichtsplattform schräg nach unten in den Wald hinein gespannten Seilbahn hinabgleiten zu lassen.

Die hatten Holger Lucke von der Kahnsdorfer Firma Seilzugangstechnik und sein Mitarbeiter Martin Schönberg mit Freunden und Kollegen aus der Branche - darunter Michael Korcz von Alpinbox Leipzig und der freie Alpintechniker Wolfgang Schmid, den Lucke häufig engagiert, schon am Vorabend in mehrstündiger Arbeit aufgebaut und getestet.

Aus allen Richtungen kamen am nächsten Tag bis zu 200 Besucher zum Turm gewandert. Die ersten am Morgen waren drei Mountainbiker, die nach einer kurzen Rast weiterfuhren. Sie mochten sich noch über die ungewohnte Szenerie gewundert haben. Die nächsten wussten Bescheid. Steven Ponndorf, Technischer Direktor der Leipziger Messe, ist ein guter Bekannter von Holger Lucke und begeisterter Geocacher. In der gut vernetzten Szene der GPS-Schatzsucher war es für ihn ein Leichtes, Interesse für die Abseil-Aktion am Turm zu wecken. Zumal viele Geocacher auch Kletterer sind und große Lust auf eine Fahrt an der von Profis aufgebauten Seilbahn hatten. Auch ein Event wie dieses, erklärte Ponndorf, könne ein Cache, also ein Schatz sein. Da wird dann mal nichts gesucht, sondern man trifft sich zum gemeinsamen Erlebnis.

Andreas, Alex, Thomas und Conny aus Leipzig waren die ersten, die sich mit Gurt und Helm ausrüsten und ganz oben ans Seil klinken ließen. Alle vier sind Kletterer, "aber das ist nochmal eine neue Herausforderung", sagte Thomas (33). Und Alex (24) sprach aus Erfahrung: "Sobald man im Seil hängt, ist die Angst weg." Oben war tatsächlich für die meisten der erste Schritt der schwierigste, der über das Geländer der Turmkanzel (was hier ausdrücklich niemandem zur Nachahmung empfohlen sei, der nicht fachmännisch gesichert und unter Obhut von Profis ist!). Nachdem Conny (45) sich unten ausgebunden hatte, kam sie lächelnd durch den Wald nach oben zum Turm zurück und sagte einfach nur: "Das war sehr geil".

So ähnlich empfand das auch der scheidende Neukieritzscher Bürgermeister und angehende Landrat des Landkreises Leipzig Henry Graichen. Mit dem hatte Lucke etwas besonderes vor, nämlich eine Rettungsvorführung. Dazu sollte Graichen außen am Geländer an das nach unten ragende Ende eines Seiles gehangen werden, so wie das nach einem Sturz im Gelände tatsächlich aussehen kann. Lucke, der beruflich Höhenretter ausbildet, wollte den Politiker dann übernehmen und zum sicheren Boden abseilen. Graichen, ohne über den Klettergarten hinausgehende Klettererfahrung, scheute zunächst den Schritt in die Vertikale und meinte: "Da hab ich wohl etwas leichtfertig zugesagt". Lieber wollte auch er nur die Seilbahn probieren. Nach der gemächlichen Abfahrt durch die Wipfel der Bäume - "Herrlich, in der Höhe hab ich das noch nie erlebt" - waren die Ängste wie weggeblasen. Lachend und plaudernd gab Henry Graichen danach gern das Unfallopfer und ließ sich unter den Augen einiger Zuschauer nach unten führen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.07.2015
André Neumann

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