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Schau im Groitzscher Museum zeigt Geschichte des Hartpapierwerkes

Ausstellung Schau im Groitzscher Museum zeigt Geschichte des Hartpapierwerkes

Ob Fische, Gurken oder Marmelade: die Papptrommel-Verpackung hält noch immer dicht. Besucher haben die Möglichkeit, diese Exemplare in der Ausstellung zum Hartpapierwerk im Groitzscher Museum anzusehen. Zudem gibt es zahlreiche Informationen über die mehr als 100-jährige Geschichte der Fabrik.

Dietmar Schäfer zeigt in der Ausstellung zum Groitzscher Hartpapierwerk das alte Werksschild.

Quelle: Julia Tonne

Groitzsch. Noch heute halten die Hartpapiertrommeln dicht – egal, ob mit Marmelade oder sauren Heringen gefüllt: Es tropft nicht, es riecht nicht. Mehr als 100 Jahre lang war das Hartpapierwerk aus der Stadt Groitzsch nicht wegzudenken, heute zeigt eine Ausstellung im Museum die Entwicklung des Werks und eben Produkte wie die Eimer und Tonnen. „Hier wurden Verpackungen für Unmengen an Produkten hergestellt“, sagt Dietmar Schäfer, Vorsitzender des Naturfreunde- und Heimatvereins, der die Schau initiiert hat.

Die Idee zu der Ausstellung kam von Vereinsmitglied Sigrid Beck, die selbst einst im Werk gearbeitet hatte und etliche Fotos, Brigadetagebücher, Lieferscheine beisteuern konnte. 1883 war die Fabrik in der Südstraße von Gotthard Enke ursprünglich als Schuhfabrik gebaut worden. Einige Jahre später wurde daraus bereits eine Aktiengesellschaft. Doch mit der Weltwirtschaftskrise kam 1931 das Aus für das Unternehmen, 140 Arbeitskräfte mussten entlassen werden. 1936 übernahm die Firma Albert Schmidt aus Leipzig das Betriebsgelände und konzentrierte sich in den Folgejahren auf die Herstellung von Pappeimern und -trommeln. Die Kriegsjahre überstand das Werk weitestgehend unbeschadet, nach Ende des Krieges nahmen 50 Arbeiter die Produktion wieder auf und verarbeiteten die noch vorhandenen Rohstoffe.

Produktion von Papptrommeln als Verpackungsmaterial

Produktion von Papptrommeln als Verpackungsmaterial.

Quelle: Museum

„Das Werk spielte eine große Rolle für die Stadt in all den Jahrzehnten“, macht Schäfer deutlich. In die Ausstellung kämen vor allem viele Besucher, die einst ihre Brötchen im Betrieb verdienten. „Die Leute wollen sich selbst wiederfinden oder hoffen, Verwandte oder Freunde auf den Bildern und in den Büchern zu entdecken. Oft mit Erfolg.

Ein ganz besonderes Ausstellungsstück ist das frühere Werksschild. Das wollte der Heimatverein mit Schließung des Betriebs 1998 eigentlich übernehmen, allerdings stand Schäfer damals vor einer sozusagen nackten Wand, „das Schild war spurlos verschwunden“. Erst Jahre später tauchte es wieder auf, woher und von wem weiß der Vereinsvorsitzende mittlerweile, hüllt aber mit einem Lächeln den Mantel des Schweigens darüber.

Die Schau, die noch bis Mitte Juni zu sehen ist, zeigt auch etliche Zeitungsausschnitte, die sich mit der Sprengung des Schornsteins beschäftigen. Er fiel 1996 den Sprengstoffen zum Opfer und sorgte damals für reichlich Besucherandrang. Heute ist von dem Werk in der Südstraße nichts mehr zu sehen, hier entstanden Eigenheime und Wohnblöcke. In der Altenburger Straße hingegen blieb ein Teil des Werkskomplexes erhalten. Die frühere Produktionsstätte für Schreib- und Zeichenblöcke dient heute einem Unternehmen als Standort.

Die Pappeimer wurden mit Wachs ausgekleidet, damit keine Flüssigkeit nach außen drang

Die Pappeimer wurden mit Wachs ausgekleidet, damit keine Flüssigkeit nach außen drang.

Quelle: Museum

So manch Besucher wundert sich, so Schäfer, zuweilen über die Pappringe, die neben den Trommeln und Eimern ausgestellt sind. Das hat allerdings durchaus seine Bewandtnis, denn Pappreste blieben bei der Produktion der Eimer übrig. „Und die Mitarbeiter haben sie meist mitgenommen, noch einmal richtig in Wachs getaucht und dann als Kohleanzünder genutzt“, erzählt Schäfer. Zwar waren die Trommeln ohnehin schon mit Wachs ausgekleidet, um die Verpackung für Gurken, Marmelade und Fische dicht zu halten, doch für Kohleanzünder reichte die Schicht nicht. Mit Beginn der 90er Jahre wurde die Herstellung von imprägnierten Pappeimern für Fische eingestellt, da schlichtweg der Absatz dafür in der Fischindustrie nicht mehr vorhanden war. 1997 war dann für das gesamte Gelände Schluss, sämtliche Gebäude wurden abgerissen.

Das Museum ist samstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Besichtigungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Absprache möglich. Anlässlich des internationalen Museumstages am 22. Mai ist die Ausstellung ebenfalls ab 14 Uhr geöffnet.

 

Von Julia Tonne

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