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Borna Schaufeln, Kohle und Schlamm: LVZ-Leser fährt Bagger im Tagebau Schleenhain
Region Borna Schaufeln, Kohle und Schlamm: LVZ-Leser fährt Bagger im Tagebau Schleenhain
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19:20 24.08.2017
LVZ-Leser Hans Jucker (l.) aus Borsdorf geht auf eine dreistündige Tagebau-Tour. Inklusive ist, einen Schaufelradbagger selbst zu bewegen. „Beeindruckend“ und „faszinierend“ ist das für den Gewinner des LVZ-Leserglücks. Quelle: Christian Neffe
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Schleenhain

„LVZ-Leserglück“ nennt sich die Aktion, bei der jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag ein Leser der Leipziger Volkszeitung eines von 15 exklusiven Erlebnissen gewinnen kann. Vor einer Woche traf das Glück Hans Jucker aus Borsdorf, der am Donnerstag an einer dreistündigen Führung durch das Tagebaugebiet Vereinigtes Schleenhain teilnehmen durfte.

Am 24. August 2017 löste LVZ-Leser Hans Jucker (orange Helm) seinen Gewinn bei der Aktion „Leserglück“ ein und bekam eine exklusive Tour durch den Tagebau Vereinigtes Schleenhain. Die dreistündige Führung wurde gekrönt von einer Runde im Fahrerhaus eines Schaufelradbaggers: Jucker durfte einmal selbst Hand anlegen. Eckardt Köhler, Abteilungssteiger Großgeräte (graues Hemd, weißer Helm) führte durch das Abbaugebiet der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag).

Und es traf genau den Richtigen, denn der 66-Jährige hat seit jeher eine Vorliebe für schwere Maschinen und dies auch zum Beruf gemacht: In Dresden studierte er einst Fördertechnik, fortan war er „mit Leib, Herz und Seele Maschinenbauingenieur“, sagt er selbst. Bis 2016 war er dann im Leipziger Druckwesen tätig. Auf den Tag genau ein Jahr nach seiner Ruhestandsfeier nun die Krönung: ein Besuch bei der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag), Anfasse inklusive.

Abbaufeld Peres – der Schaufelradbagger

Erste Station: ein Schaufelradbagger im Abbaufeld Peres. Bereits auf der Fahrt dorthin wird klar, dass ein echter Fachmann in Sachen Technik das große Los gezogen hat. Jucker und der vorläufige Tourleiter Werner Knust halten ein Expertengespräch rund um die Förder- und Abbautechnik in Schleenhain ab. Neueste Entwicklung: Die Förderbänder werden regelmäßig mit Wärmebildkameras gescannt, um Unregelmäßigkeiten früh genug zu erkennen. Der Weg führt zunächst über geteerte Straßen und schließlich über die sandige Abbaufläche, an deren Ende der geradezu monströse Bagger sein Werk verrichtet.

Im Führerhaus der Maschine wird Jucker von Eckhart Köhler, Abteilungsleiter Großgeräte, empfangen. „Glück auf!“ – so begrüßt man sich also auch über Tage. Dann folgt der erste Höhepunkt der Tour. Jucker darf im Führersitz Platz nehmen und den Kohleabbau simulieren. „Ich habe erst gestern mit Spaten gearbeitet – also schon Erfahrung“, feixt der 66-Jährige. Baggerfahrer Uwe Eichhorn erklärt ihm dennoch die Bedienung, bevor der Borsdorfer das Schaufelrad in Bewegung setzt. Es ruckelt und zuckelt, langsam, aber beständig gräbt das Rad das Erdreich ab, hebt es auf die Förderbänder. Aus den freigelegten Erdschichten rinnt dunkles Grundwasser. Die Luft füllt sich mit Staub und Sandkörnern. Derweil werden die Expertengespräche fortgesetzt. In regelmäßigen Abständen gibt Jucker ein „Wow“, „Beeindruckend“ und „Faszinierend“ von sich. Es hat den Richtigen getroffen.

Abbaufeld Schleenhain – der Bandabsetzer

Nach einer Kletterpartie über den Schaufelradbagger wird die Tour im Auto fortgesetzt. Zweite Station: das Abbaufeld Schleenhain. Dort bedient Frank Thomas einen sogenannten Bandabsetzer, der die leergegrabenen Abbauflächen mit überflüssiger Erde füllt – Landschaftsgestaltung mit Hilfe von modernster Satellitentechnik. Dieser Prozess dauert zwar noch einige Jahre. Dann aber soll die Fläche, die derzeit einer grauen, öden Mondlandschaft gleicht, rekultiviert werden.

Hauptwasserhaltung – Kraniche und Gänse

Dass das eine realistische Vorstellung ist, zeigt sich auf dem Weg zur nächsten Station. Eine Gruppe Kraniche zieht am Himmel vorbei. „Unsere Kraniche“, betont Köhler und deutet in die Ferne. „Bei unserer Hauptwasserhaltung, wo wir überflüssiges Wasser sammeln, nisten mehrere Kranich-Familien und gut 100 Graugänse.“ Der Beweis lässt nicht lange auf sich warten. Die Fahrt führt an zahlreichen Förderbändern entlang, die sich wie Adern durch den Tagebau ziehen. Vor der Wende, berichtet Köhler, wurde diese Aufgabe von Zügen übernommen. Schließlich ist besagter Wasserspeicher zu erkennen, auf dem die Gänse gerade Mittagsruhe halten. Stets sind die Türme des Kraftwerks Lippendorf am Horizont zu sehen. Endstation sind dann zwei riesige Kohleberge. Von hier aus wird das braune Gold nach Lippendorf transportiert. Die Asche, die bei der Verbrennung entsteht, wird als Dünger für eine nahegelegene Fläche verwendet, die von der Ökostation Borna betreut wird. „Ein kompletter Öko-Kreislauf“, so Köhler.

Anfangs war Hans Jucker noch davon überrascht, dass die Tour drei Stunden dauern würde – am Ende waren sie schneller vorbei, als gedacht. „Ich bin total begeistert“, resümiert der LVZ-Leser. „Erst vergangene Woche habe ich eine Führung durch Lippendorf gemacht, jetzt kenne ich den kompletten Energiekreislauf.“ Und mal einen derart großen Schaufelradbagger zu steuern? „Das war ein noch größeres Erlebnis als der Piloten-Trainingssimulator, in dem ich mal eine Runde drehen durfte.“

Von Christian Neffe

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