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Borna Schauspieler Dieter Bellmann reiste in aller Freundschaft durch Sachsen
Region Borna Schauspieler Dieter Bellmann reiste in aller Freundschaft durch Sachsen
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00:20 26.11.2017
Dieter Bellmann inmitten von (wirklichen) Ärzten und Schwestern der Sachsenklinik in Bad Lausick. Quelle: Gerhard Weber
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Grimma/Borna

Als ich sein Riesenbild in der Zeitung sah, dazu die Überschrift ,TV-Chefarzt Dieter Bellmann ist tot’ war das wie ein Stich ins Herz.“ Gerhard Weber (77), mehrfach preisgekrönter Fotograf aus Grimma, zeigte sich am Donnerstag bestürzt. Zwar gehörte er wie Millionen Fernsehzuschauer seit langem zu den heimlichen Verehrern des bekannten Leipziger Schauspielers, doch persönlich lernte er ihn erst im vorigen Jahr kennen: Für das kürzlich im Lehmstedt Verlag erschienene Buch ,Dieter Bellmann – Unterwegs in Sachsen’ machte Weber die Fotos.

Für das kürzlich erschienene Buch „Dieter Bellmann – Unterwegs in Sachsen“ hat der Grimmaer Fotograf Gerhard Weber die Fotos gemacht. Ob der Hainer See bei Borna, Adam-Ries-Haus in Annaberg-Buchholz oder Ringelnatzpfad in Wurzen – Bellmann besuchte all seine Geheimtipps nicht zum ersten Mal.

Beide verstanden sich auf Anhieb. Kein Wunder. Kunstsinnig sind sie. Und kreativ. Außerdem ein Jahrgang. Gleich zu Beginn, in Bad Lausick, hatten sie ein Heimspiel. Weber, der als langjähriger Fotoreporter der LVZ in Grimma und Wurzen besonders die Orte im Muldental wie seine Westentasche kennt. Und Bellmann, der TV-Chefarzt der ARD-Serie „In aller Freundschaft“, dessen Sachsenklinik in der Kurstadt in echt zu bewundern ist. „Natürlich waren die anwesenden Ärzte und Schwestern aus dem Häuschen. Endlich konnten sie ihrem Professor Simonis die Hand schütteln, es schien, als wollten sie ihn am liebsten da behalten.“

Die etwas andere Sehenswürdigkeit

Ob Adam-Ries-Haus in Annaberg-Buchholz, Deutsches Stuhlbau-Museum in Rabenau oder Ringelnatzpfad in Wurzen – Bellmann besuchte all seine Geheimtipps nicht zum ersten Mal: Mehr als zehn Jahre lang war der gebürtige Sachse als „Mittagskurier“ für das MDR-Fernsehen auf Tour. Woche für Woche auf der Suche nach der etwas anderen Sehenswürdigkeit. Als im April 2015 die letzte Folge gelaufen war, fragte Bellmann seine langjährige Drehbuchautorin Liane Steinbrecher, ob sie nicht Lust zu einem gemeinsamen Buch hätte – na und ob!

„Überall wohin wir kamen, empfingen uns die Leute mit offenen Armen“, schwärmt Fotograf Weber noch immer. Unvergesslich das Festessen beim Sebnitzer Pfarrer-Ehepaar Ruth und Alfred Mütze: „Aus der Blockstube ihres Umgebindehauses haben die beiden eine Kaukasusstube gemacht. Es gab grusinischen Tee aus dem Samowar, dazu einen Hauptgang und Nachtisch. Wir saßen wie eine große Familie an einer langen Tafel. Toll!“

Bellmann sei ein „Mensch durch und durch“ gewesen, „ohne jegliche Starallüren“, sagt Weber. In der Oldtimerausstellung am Sebnitzer Bahnhof schwang sich Bellmann doch tatsächlich auf eine Jawa, streckte den Daumen hoch und strahlte wie ein Kind über beide Ohren: „Als Fotograf hatte ich leichtes Spiel, ja, ich musste den Hans Dampf in allen Gassen manchmal sogar bremsen“, gesteht Weber.

Bellmann war ein großer Genießer

Kaffeemuseum und Türkentrunk in Leipzig, Wein in Diesbar-Seußlitz und Suppen in Neudorf – Bellmann outete sich auf den gemeinsamen Ausflügen als großer Genießer: „Ich hatte gedacht, ich kenne Sachsen schon. Von wegen. Dieter Bellmann führte uns an wirklich urkomische Orte. Etwa ins Sehmatal, wo die besten Suppen gekocht werden und rührige Hausfrauen sogar ein Suppenmuseum gründeten.“

Riesenstiefel und Pferdebahn in Döbeln, Malerweg und Caspar David Friedrich in der Sächsischen Schweiz, Filmproduzenten und Regisseure in Görliwood: „In Görlitz drehte nicht nur Hollywood, auch die Defa. An den Thälmannfilm aus den Fünfzigerjahren erinnert an einer Backsteinmauer am Rande der Altstadt noch immer ein riesiger, mit weißer Farbe gepinselter Schriftzug ,Wählt Thälmann’ – auch darauf weist Bellmann in seinem Sachsenbuch hin.“ Weber war noch nie zuvor in Görlitz. Inzwischen feierte er dort eine eigene Sonderschau. Titel: „Der andere Blick des Fotografen.“

Ob im Boot im Leipziger Neuseenland, im Zigarrenmuseum Schöneck oder im Colditzer Ortsteil Zschadraß, wo sich Bellmann im Dentalhistorischen Museum all den furchterregenden Instrumenten ausgeliefert sah – überall begrüßten ihn die Leute: „Hallo, Professor Simoni, heute mal keine OP?!“ Weber, in einigen Dörfern der Region Leipzig selbst ein Star, spricht von einem regelrechten Bellmann-Kult: „Seine vielen Fans haben ihn geliebt.“

Ständig in positiver Unruhe

Bis zuletzt hatte Bellmann einen vollen Terminkalender: „Lesungen, Vorträge, dazu seine Auftritte im Fernsehen – er war total agil, gut drauf und ständig in positiver Unruhe“, sagt der Fotograf, der sich mit seiner Frau Brigitte an verschiedenen Orten für einige Tage einmietete, um mit der Kamera auch noch weitergehenden Tipps des Schauspielers nachzuspüren: „Da war Herr Bellmann längst schon wieder andernorts unterwegs.“

Es sei für ihn eine große Ehre gewesen, diesen sympathischen Mann durch Sachsen begleitet zu haben, resümiert Weber, für den Bellmanns Tod völlig unvorbereitet kam. „Herr Bellmann war ein absoluter Profi, wie auf Kommando mal fröhlich, mal traurig. Wie kein Zweiter konnte er sein Gesicht modellieren. Er spielte mit jedem Fältchen und kannte seine Schokoladenseite.“ In aller Freundschaft habe er, Weber, nur eines versäumt: „Ein Foto von uns beiden schießen zu lassen.“ Seine Frau Brigitte winkt ab: „Iwo, ich wäre dafür viel zu schüchtern.“

Von Haig Latchinian

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