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Scheibchenweise Moral kredenzt

Scheibchenweise Moral kredenzt

Von München über Leipzig nach Deutzen in den Kulturpark: Sven Kemmler, begnadeter Autor, Regisseur der Münchner Lach- und Schießgesellschaft und Kabarettist, kredenzte am Sonnabend im voll besetzten Veranstaltungssaal sein Programm "Moral Carpaccio".

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Gudrun Jugel vom Pro-Regio-Vorstand begrüßt den Münchner Kabarettisten Sven Kemmler zum Lachmuskeltraining im vollbesetzten Veranstaltungssaal des Kulturparks Deutzen.

Quelle: Gislinde Redepenning

Deutzen. "Unter dem Motto Lachfaltenmuskeltraining laden wir bekannte und unbekannte Darsteller ein. Zuletzt hatten wir Laien zu Gast, heute ist ein Profi in unser wunderschönes Deutzen gekommen", empfing Gudrun Jugel vom Pro-Regio-Vorstand den ganz besonderen Gast. "Wir haben uns im Laufe der Jahre mit unseren Veranstaltungen Kontakte erarbeitet, und weil Sven Kemmler auf der Buchmesse weilte, ist es uns gelungen, ihn zu verpflichten."

Der begrüßte sein erwartungsfrohes und gespanntes Publikum leicht verschnupft: "Warum soll ich denn zu Hause bleiben, wenn ich die Möglichkeit habe, in Deutzen so viele Leute anzustecken?" Ansteckend auf jeden Fall sein Humor, mit dem er sein politisches Kabarett würzte und servierte. Seinen bayerischen Dialekt hatte der gebürtige Münchner zu Hause gelassen, den zauberte er nur in wenigen Szenen aus dem Hut, in denen er als Imitator und Parodist glänzte. "Als Bayer geht es mir wie Ihnen in Sachsen", bekannte er. "Wir sprechen einen Dialekt, von dem man nicht möchte, dass er nachgemacht wird."

In der Kabarett-Szene hat er sich mit Aphorismen, Wortwitz und Politsatire nach oben gespielt, den Titel Moral Carpaccio mit Bedacht gewählt. "Meine Freunde haben mich gescholten, er sei zu sperrig und kryptisch", gab er zu. Doch kommt seine Satire in feinen Scheiben serviert bei seinen Zuhörern bestens an und liegt trotz der Ernsthaftigkeit der Themen nicht schwer im Magen. "Außerdem interessierten mich schon immer Dinge, die vom Aussterben bedroht sind. Als Kind waren es Dinosaurier, heute ist es die Moral."

Die finde im Leben und in der Politik eben nur scheibchenweise statt, ob Gelder in Lichtenstein verschwänden oder Doktorarbeiten abgekupfert werde, die Wahrheit komme nur Stück für Stück ans Licht, bis zum krönenden Abschlusssatz: "Ja, ich nehme die Abfindung an!"

Die größte moralische Instanz in Deutschland, das belegten Forsa- und Emnid-Umfragen, wobei er die Frage aufwarf, ob überhaupt jemand Herrn Forsa, vermutlich Heinz mit Vornamen, oder Gerda Emnid kenne, sei Helmut Schmidt mit großem Abstand vor dem Papst. Dabei sei der Ex-Papst sein Vorbild: "Ein letzter triumphaler Auftritt, dann von einem weißen Hubschrauber abgeholt werden und ab ins Nonnen-Kloster."

Ob Pumuckl oder Kant, Merkel oder Rilke, die Tragödie von Romeo und Julia als moderne Facebook-Story oder das an eine seiner neueren Vorlieben, an Slam Poetry angelehnte Trinker-Gedicht vom Vorglühen, sein Konzept ging auf: "Das Publikum soll Spaß haben, aber auch gefordert sein. Es muss mitdenken, aber das lohnt sich." Und es kann, neben einem ausgiebigen Schmunzeln um die Mundwinkel, auch den einen oder anderen Denkanstoß mit nach Hause nehmen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.03.2013

Gislinde Redepenning

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