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Borna Schiefertafel und Tintenfass: Groitzscher erinnern sich an ihre Schulzeit vor 60 Jahren
Region Borna Schiefertafel und Tintenfass: Groitzscher erinnern sich an ihre Schulzeit vor 60 Jahren
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08:00 22.05.2016
Die Schulabgänger des Jahrgangs 1956 haben jetzt in Groitzsch ihr großes Wiedersehen gefeiert.
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Groitzsch

Als Kinder spielten sie am liebsten auf dem Groitzscher Marktplatz Verstecke, Völkerball oder „Fischer wie hoch steht das Wasser“. In der Schule waren sie Spezialisten für Spickzettelverstecke („Irgendwo im Pullover“) und einmal haben sie sogar das Klassenbuch in der Schwennigke versenkt. Seitdem sind sechs Jahrzehnte ins Land gegangen und die Mädchen und Jungen von einst feierten in dieser Woche im „Wirtshaus zur Schmiede“ ihre Diamantene Konfirmation und Schulentlassung in Groitzsch.

„Wir waren damals drei Klassen in unserem Jahrgang, und nach der Achten war Schluss“, erinnert sich Frank Espenhain (74). Die neunte und zehnte Klasse besuchte er in Pegau, andere Schulfreunde nahmen eine Lehre auf oder wechselten nach Groitzsch oder Meuselwitz aufs Gymnasium. „Wir hatten tolle Lehrer, und ich denke gerne daran zurück“, sagt Manfred Eichhorn, der extra aus Zwickau in seine alte Heimat gekommen war, um die Freunde wiederzusehen. Auch Siegfried Reif fühlt sich ein bisschen als Ausgewanderter. „Mich hat es von Groitzsch nach Pegau verschlagen“, lacht der gelernte Dreher. Eine kleine Besonderheit stellen Uwe und Iris Hermann dar: Ihre Jugendliebe hat bis heute gehalten, sie sind glücklich verheiratet.

Klaus Göhler ist der Organisator und Strippenzieher hinter dem diamantenen Jahrgangstreffen. Als einer von wenigen ehemaligen Groitzschern ist der gelernte Elektrotechniker seiner Heimatstadt treu geblieben. „Viele sind in den letzten Jahren umgezogen, deshalb kamen auch einige Einladungskarten wieder zurück.“ Der „harte Kern“ schwelgte dafür einen Abend lang in Erinnerungen, ließ Fotos rumgehen, berichtete aus seinem heutigen Leben und frischte die eine oder andere Episode aus dem Schulalltag auf. „Wir sind eine Generation, die auch ohne Smartphone und Tablett groß geworden ist“, so Göhler. Mit kleinen Episoden erinnerten sie sich an ihre Lehrer Jochen Weichert (Russisch), Heinz Friedmann (Physik) oder den Schulleiter Kurt Quapp.

Erzählt wurde vom Ährenlesen, Kartoffeln und Rüben stoppeln, dem Fitschen in der Faschingszeit, von der schuleigenen Friedensfahrt und dem Lernen mit Schiefertafel, Griffel, Tintenfass und Lederranzen auf einer kleinen Holzbank. Als Pausenversorgung gab es damals in der Schule ein kleines schwarzes Brötchen mit Milch. „Was haben wir uns darauf gefreut“, meint Klaus Göhler. „Wir hatten doch nicht viel, alles war rationalisiert und reichte vorne und hinten nicht. Wir waren zu Hause drei Kinder und meine Mutter hat manchmal geweint, weil sie nicht wusste, was sie uns zu essen geben sollte. Ich denke nur an Brennnesselsuppe.“ Seine Zuckertüte zur Einschulung 1948 war noch zu zwei Dritteln mit Zeitungspapier ausgestopft, der Rest war mit selbstgemachten Bonbons gefüllt. Um die bittere Armut etwas einzudämmen, verpachtete die Stadt damals Kleinparzellen, damit sich die Familien selbst Obst und Gemüse anbauen konnten. „Jeder, der die Möglichkeit hatte, fütterte noch Kaninchen zur Selbstversorgung“, so der 74-Jährige weiter. Wenn heute von Kinderarmut die Rede sei, wüssten viele gar nicht, was das wirklich bedeutet.

An ihre Schulzeit denkt die Kriegsgeneration vom Jahrgang 1941/42 gerne zurück. Das Jahrgangstreffen soll deshalb nicht das letzte gewesen sein, waren sich die Schulfreunde einig. „Und wenn wir das nächste Mal alle mit Rollator kommen“, meinte Frank Espenhain mit Augenzwinkern.

Von Kathrin Haase

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