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Schlachtfeld Straße: Verkehrsopfer mit Fell und Federn – im Vorjahr 6700 tote Tiere

Daten der Nabu-Fachgruppe Falkenhain Schlachtfeld Straße: Verkehrsopfer mit Fell und Federn – im Vorjahr 6700 tote Tiere

Zur tödlichen Falle werden Straßen jedes Jahr für Tausende von Tieren. Die Fachgruppe für Ornithologie und Herpetologie Falkenhain trägt Daten über die Totfunde regelmäßig zusammen und legt jetzt eine traurige Bilanz vor.

Auch Waschbären kommen zunehmend unter die Räder. Eine stetig steigende Zahl von Totfunden spricht auch für die fortschreitende Verbreitung dieser Tierart, die 2001 erstmals in der Statistik der Verkehrsopfer auftauchte.

Quelle: Sven Möhring

Landkreis Leipzig. Oft haben sie keine Chance: Tiere, die stark befahrene Straßen überqueren, kommen in hoher Zahl unter die Räder. Die Fachgruppe für Ornithologie und Herpetologie Falkenhain erfasst diese Verkehrsopfer regelmäßig. „Seit 1994 sammeln wir Daten zu Wirbeltieren, die von Kraftfahrzeugen getötet werden“, berichtet Vorsitzender Sven Möhring. Bei dem Diplombiologen aus Otterwisch laufen die Informationen zusammen. 52 Naturfreunde melden aktuell ihre Beobachtungen. Trauriges Ergebnis: Im Vorjahr kamen 6677 Tiere auf den Straßen der Region ums Leben, darunter 4525 Amphibien, 50 Reptilien, 723 Vögel und 1379 Säugetiere.

Das Erfassen der Totfunde sei alles andere als eine brotlose Kunst. Mit Hilfe der Zahlen können besonders gefährliche Stellen kenntlich gemacht und vielleicht sogar Abhilfe geschaffen werden. „Eingeflossen sind unsere Daten zum Beispiel bei der Planung von Straßen“, so Möhring. Bei der Sanierung der Staatsstraße 11 südlich von Thallwitz beließen es die Planer nicht dabei, nur auf grauen Beton und einen möglichst optimalen Querschnitt zu setzen. „Aufgrund unserer Ergebnisse wurden eine 400 Meter lange Amphibienleiteinrichtung installiert und auch ein Kleintiertunnel.“ In diesem können die winzigen Passanten die Straße unter- statt überqueren. „Auch zwischen den Orten Schmölen und Bennewitz wurde ein stationärer Amphibienschutz mit mehreren Durchlässen errichtet.“

Beträchtliches Konfliktpotenzial

Geboren wurde die Idee der Tier-Statistik, als nach der Wende auch in den neuen Bundesländern der Verkehr auf den Straßen drastisch zunahm – und damit auch die Zahl der Verkehrsopfer mit Fell und Gefieder. „Da unsere Fachgruppe bereits seit 1962 floristische und faunistische Daten erhebt, geschah dieser Schritt eigentlich zwangsläufig“, erläutert Sven Möhring. „Anfangs beschränkte sich das Untersuchungsgebiet auf den damaligen Kreis Wurzen. Mit der politischen Neustrukturierung, aber auch Wohnortwechseln von Fachgruppen-Mitgliedern erweiterte sich das Gebiet später auf den ehemaligen Muldentalkreis. Inzwischen gehen Daten aus dem gesamten Landkreis Leipzig in die Kartierung ein.“ Die konfliktträchtigen Stellen haben dabei ein beträchtliches Ausmaß: Immerhin durchziehen 110 Kilometer Autobahn, 260 Kilometer Bundesstraße, 37 Kilometer Staats- und 560 Kilometer Kreis- und Gemeindestraßen die Region.

Geschützte Arten wie der Elbebiber bleiben nicht verschont

Geschützte Arten wie der Elbebiber bleiben nicht verschont. Hier ein überfahrenes Exemplar auf der B 107 in Höhe der Lübschützer Teiche bei Machern.

Quelle: Sven Möhring

Laut Möhring bedauerlich hoch ist immer wieder die Zahl der überfahrenen Amphibien. Gerade im Frühjahr werden Straßen für Erdkröte und Co. zur tödlichen Falle. „Die Zahl der registrierten Amphibien hat sich in den vergangenen Jahren um bis zu 400 Prozent erhöht“, erklärt er. Dies liege aber auch daran, dass sich die Naturfreunde dieser Tiergruppe inzwischen intensiver zuwenden und einfach mehr Daten zur Verfügung stehen. Die nackten Zahlen seien erschreckend. Immerhin kamen im Vorjahr auf den Straßen zwischen Thallwitz und Kohren 2430 Erdkröten unter die Räder. Sie führen die traurige Liste mit großem Abstand an. Auf dem Asphalt ließen aber auch 38 Ringelnattern, 285 Haus- und Feldsperlinge sowie 380 Igel ihr Leben. Größere Verluste gab es ebenso bei Amsel (149 getötete Tiere), Steinmarder (96), Mäusebussard (58) und Rotfuchs (112). Außerdem waren 108 Katzen und 35 Eichhörnchen nicht schnell genug.

Einen außergewöhnlichen Anstieg verzeichneten die Naturschützer beim Feldhasen. „Hier hat sich möglicherweise der trocken-warme Sommer positiv auf die leider viel zu niedrigen Bestände im Landkreis ausgewirkt. Dies spiegelt sich dann allerdings in den auf Straßen getöteten Tieren wider.“ Nachdem 2001 erstmals ein Waschbär als Verkehrsopfer registriert wurde, sind die Funde mittlerweile kein Einzelfall mehr. „Seit 2008 verzeichnen wir hier eine stetige Zunahme.“ Im Vorjahr waren es immerhin schon 75 getötete Waschbären, was für eine fortschreitende Ausbreitung der Art im Landkreis spreche.

Futtersuche birgt hohes Risiko

Einige Arten begeben sich immer wieder selbst in Gefahr, weil sie hoffen, auf und an Straßen auf Nahrung zu stoßen. „Unsere ausgeräumte Kulturlandschaft bietet Greifvögeln und Eulen kaum noch ausreichend Nahrung“, erklärt Sven Möhring. Deshalb suchen sie ihre Beute, wie zum Beispiel Mäuse, an Straßenrändern, die wiederum für diese Beutetiere oft der letzte Rückzugsort sind. „Beim Abfliegen von ihren Sitzwarten oder bei der Jagd am Straßenrand werden die Vögel dann regelmäßig von Autos erfasst. Auch bereits auf Straßen liegendes Fallwild zieht Arten wie Mäusebussard und Rotmilan magisch an.“

Die blauen Punkte  geben die Fundstellen der  überfahrenen Tiere an, die 2015 zusammengetragen wurden

Die blauen Punkte geben die Fundstellen der überfahrenen Tiere an, die 2015 zusammengetragen wurden.

Quelle: Nabu-Fachguppe

Möglichkeiten, das Schlachtfeld Straße einzudämmen, gibt es viele. Neben mehr Rücksicht der Autofahrer spricht der Chef der Nabu-Fachgruppe das Thema Wildwarnreflektoren an. „Inwieweit diese eine Hilfe sein können, ist bislang bei Wildbiologen ein umstrittenes Thema. Der endgültige Nachweis steht hier noch aus. Möglicherweise ist aber das Anbringen der blau reflektierenden Zusatzeinrichtungen an den Leitpfosten für viele Autofahrer ein Grund, aufmerksamer beziehungsweise defensiver zu fahren, was bereits ein wichtiger Schritt in Richtung Unfallvermeidung wäre.“

Von Simone Prenzel

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