Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Schlechte Aussichten für die Landkreis-Orchester – Entscheidung fällt 2016
Region Borna Schlechte Aussichten für die Landkreis-Orchester – Entscheidung fällt 2016
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Die Zukunft der beiden Orchester im Landkreis Leipzig bereitet Sorgen. Quelle: Andreas Döring
Anzeige
Borna/Grimma

Zwar liegt das Gutachten noch nicht in seiner Endfassung vor, wie Landrat Henry Graichen (CDU) betont. Bei einer Präsentation des Papiers waren aber mehrere Szenarien beleuchtet worden, die nur sehr bedingt Anlass zu positiven Hoffnungen geben.

So gibt es seit Jahren Diskussionen zwischen den beiden Landkreisen, die zum Kulturraum Leipziger Raum gehören, durch den beide Orchester maßgeblich finanziert werden. Sie erhalten mit jeweils 1,7 Millionen Euro im Jahr den Löwenanteil der Kulturraummittel. Das allerdings ist entschieden zu wenig für eine auskömmliche Finanzierung der Ensembles, die durchaus als Traditionsorchester gelten können. So konnte das heutige LSO vor zwei Jahren sein 50-jähriges Bestehen feiern. Die heutige Bläserphilharmonie hatte bereits zu DDR-zweiten einen guten Namen als Rundfunkblasorchester Leipzig. Seit den 1990er-Jahren allerdings sind die Mittel für beide Orchester eingefroren, was nichts anderes heißt, als dass die Musiker seit Jahren unter dem niedrigsten Tarif bezahlt werden.

"In dem Gutachten ist untersucht worden, welche Wirkung die Orchester im Kulturraum haben", erläutert Graichen. Es sei dabei auch darum gegangen, Möglichkeiten auszuloten, wie die Musiker selbst mehr zu ihrer Finanzierung betragen könnten. Die Gutachter hätten auch die Zahl der Konzerte und den Besuch an den einzelnen Spielstätten, "auch über mehrere Jahre hinweg", so Graichen, unter die Lupe genommen. Eine Empfehlung komme von ihnen aber nicht.

Dafür listen die Gutachter nach Angaben von Graichen insgesamt sechs mögliche Szenarien auf. Davon seien drei realistisch. Zum einen könne es weitergehen wie bisher. Das würde den Erhalt beider Orchester zu den aktuellen schlechten Bedingungen bedeuten, "und damit schieben wir die Unzufriedenheit nur hinaus", so Graichen. Mögliche Variante zwei: Beide Orchester erhalten eine auskömmliche Finanzierung, was freilich als viel zu schön gilt, um tatsächlich wahr zu werden. Schließlich hatten die Verantwortlichen im Landkreis Nordsachsen immer wieder deutlich gemacht, dass er keineswegs mehr Geld für LSO und Bläserphilharmonie zur Verfügung stellen wird. Auch die 273.000 Euro, um die der Betrag der Staatsregierung für den Kulturraum künftig erhöht wird, sollten keineswegs einseitig den Orchestern zugutekommen. Die beiden Landkreise sind gleichberechtigte Partner im Kulturraum, so dass sich einer nicht gegen den Willen des anderen durchsetzen kann. Bliebe dem Gutachten zufolge nur noch der Worst Case, der ungünstigste Fall, der die Abwicklung eines Orchesters zur Folge hätte. Eine Entscheidung darüber soll im ersten Quartal des nächsten Jahres fallen.

Von Nikos Natsidis

Anzeige