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Schlechte Verbindungen auf dem Land

Schlechte Verbindungen auf dem Land

Dass eine 19-Jährige aus Elbisbach am Pfingstwochenende auf dem Heimweg von der Disco einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel - diese schlimme Nachricht beschäftigte gestern viele Menschen in der Region.

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Großes Polizeiaufgebot gestern im Frohburger Ortsteil Hopfgarten: Am Rande des Dorfes stellte die Kriminalpolizei Spuren im Haus des Tatverdächtigen sicher.

Quelle: Thomas Kube

Borna. Dabei rückt eine Frage, die viele Eltern Heranwachsender immer wieder ein mulmiges Gefühl beschert, ins Blickfeld: Wie lassen sich Wege sicherer machen, ob zum Fußballverein oder zur Musikschule, ob ins Kino oder zum Eisessen - oder eben nachts zu Veranstaltungen und zurück. Gerade auf dem Land ist mit dem letzten Schulbus am Nachmittag vielerorts die letzte öffentliche Verkehrsverbindung gekappt.

Dass sich schleunigst etwas ändern muss, fordert der Kinder- und Jugendring des Landkreises Leipzig. Er weiß sich darin eins mit Elternvertretern. "Das ist durchaus ein Thema, über das man diskutieren sollte", sagt auch Landrat Gerhard Gey (CDU). Die Sicherheit für junge Leute erhöhen, das bewege viele, und es sei richtig, darüber nachzudenken - unabhängig von dem Verbrechen an der jungen Frau aus Elbisbach: "Dazu müssen wir die Ermittlungen abwarten, um gegebenenfalls Rückschlüsse ableiten zu können."

"Es gibt ein großes Defizit an Mobilität, gerade auf den Dörfern. Das ist ein Top-Thema für uns. Denn sobald die Schulbusse nachmittags weg sind, ist es fast unmöglich, Jugendliche aus verschiedenen Orten zusammenzubringen", sagt Andreas Rauhut, Mitarbeiter des Kinder- und Jugendrings im Landkreis und einer der Koordinatoren des Flexiblen Jugendmanagements. Gerade für die, die in kleinen Orten lebten, sei es äußerst schwierig, soziale Kontakte zu Freunden aufrechtzuerhalten, wenn sie noch nicht über einen Führerschein und ein Fahrzeug verfügten. Diese Vereinzelung sorge dafür, dass Austausch immer stärker via Internet erfolge denn von Angesicht zu Angesicht. Und fehlende Verkehrsverbindungen sorgten dafür, dass Heranwachsende oft nicht in dem Maß, wie sie es wünschten, an Freizeitaktivitäten und Veranstaltungen teilnehmen. Rauhut meint in erster Linie Angebote in den Nachmittags- und Abendstunden, weniger Transporte zu Diskotheken und von dort am frühen Morgen heim. Problematisch allerdings sei beides.

"Die Notwendigkeit, die Mobilität zu verbessern, besteht in jedem Fall", sagt Rauhut und möchte Kommunen, Landkreis, Jugendvereine und potenzielle Unterstützer an einen Tisch bringen. Er denkt an ein Anruf- und Transportsystem, das bei Bedarf zum Beispiel mit Kleinbussen abgewickelt werden könnte. In Sachsen-Anhalt etwa gibt es das Fifty-fifty-Taxi, das jungen Leuten professionelle Fahrten zum halben Preis ermöglicht, gestützt durch Sponsoren wie Krankenkassen, Banken, Land. Auch in verschiedenen Landkreisen sind alternative Transportsysteme für junge Leute im Test oder haben sich bereits etabliert.

"Mobilität ist ein großes Thema", bestätigt Andreas Geisler, Vorsitzender des Stadtelternrates Leipzig, der auch die Landkreise Leipzig und Nordsachsen betreut. Dieses gravierende Problem werde zurzeit überlagert durch die Bestandssicherung von Schulen und Lehrermangel. "Aber wir haben es auf dem Schirm und wollen uns dem nach der Landtagswahl gemeinsam mit dem Landeselternrat widmen", so Geisler. Geplant seien Anfragen an die Staatsregierung, vielleicht aber auch ein Bürgerbegehren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.06.2014
Ekkehard Schulreich

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