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Schlosspark Rötha: Verein schiebt Sanierung des Teiches und mehrere Jubiläen an

Zweiter Bauabschnitt Schlosspark Rötha: Verein schiebt Sanierung des Teiches und mehrere Jubiläen an

Sie sind nicht aufzuhalten. Die Mitglieder des Fördervereins Rötha – Gestern. Heute. Morgen. beißen sich an ihrem Ziel – die Wiederbelebung und Rettung des Areals aus dem 19. Jahrhundert – fest, wie die Nutrias an den uralten Wurzeln der Bäume am Schlossteich. Der soll jetzt saniert werden. Wofür die Retter die tatkräftige Unterstützung vieler Freiwilliger gebrauchen können. Am 21. und 22. Oktober – zum zweiten Parkseminar.

Nächster Abschnitt im Schlosspark Rötha: Der Schlossteich des fast 350 Jahre alten Areals soll saniert werden. Bis zum Jubiläum 2020 soll alles fertig sein.

Quelle: Andreas Döring

Rötha. Zwei Rehe springen durch den Schlosspark. Und die Mitglieder des Fördervereins Rötha – Gestern. Heute. Morgen. sind begeistert. Der Park beginnt wieder zu leben. Was er seit fast genau 350 Jahren zwar unentwegt tut. Aber es war Jahrzehnte lang ein wildes Leben. In denen der Glanz des historischen Ortes von Wildwuchs überdauert wurde und die bedeutende Kulturstätte in einen endgültigen Schlaf zu fallen drohte. Der Verein wollte das nicht zulassen. Hat Arbeitseinsätze organisiert, unerbittlich Geldhähne ausfindig gemacht und aufgedreht, er rückte zerstörerischen Baumtrieben zu Leibe, pflanzte die Lindenallee oder errichtete Brücken nach originalem Vorbild wieder her. Der Antrieb der Mitglieder ist atemberaubend. Die Männer und Frauen um Walter Christian Steinbach setzen sich Ziele, die sie unbedingt erreichen wollen.

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Der Förderverein Rötha – Gestern. Heute. Morgen. setzt sich seit Jahren aktiv für die Restaurierung des Schlossareals in der Stadt ein. Jetzt beginnt mit der Sanierung des Teiches im Schlosspark aus dem 19. Jahrhundert der zweite Bauabschnitt. Bis 2020 soll der Park soweit hergerichtet sein, dass das 350-jährige Jubiläum dann würdig gefeiert werden kann.

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Ziele, die eng mit dem Erbe der Familie von Friesen verbunden stehen. Karl Freiherr von Friesen hatte die Kulturlandschaftsinsel vor 348 Jahren erschaffen. Mit dem Bau des Röthaer Schlosses 1668. Zwei Jahre später entstand die erste Gartenanlage. Die sich durch die Handschriften mehrerer Generationen der von Friesens zu einem botanischen Idyll mit kulturhistorischer Bedeutung entwickelte. Dort, wo 1813 die Alliierten zur Völkerschlacht campierten.

In zwei Jahren stehen das 350-jährige Bestehen des Schlosses und 500 Jahre Röthaer St. Marienkirche ins Haus. 2020 soll also das nächste Jubiläum (350 Jahre Schlosspark) gefeiert werden. „Bis dahin wollen wir noch einen großen Schritt weiter gekommen sein“, macht Steinbach eine klare Kampfansage. Nicht nur in Richtung der Stadt Rötha, mit der der Verein die Restaurierung des Biotops „in guter Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung“ umsetzen will. Auch in Richtung Dresden. Steinbach: „Die kulturhistorische Bedeutung des Schlossparkes Rötha muss jetzt endlich in der Staatsregierung begriffen werden.“ Dass Kaiser Franz von Österreich, der russische Zar Alexander und König Friedrich Wilhelm hier in Rötha vor genau 203 Jahren Kriegsrat gegen Napoleon hielten – der Schlosspark erzählt mehr, als eine gewöhnliche grüne Oase in einer sächsischen Kleinstadt. Die Restaurierung des wertvollen Parkes im Sinn des englischen Gartens aus der Mitte des 19. Jahrhunderts soll bis 2020 soweit erfolgen, dass die Stadt Rötha dieses Jubiläum würdig begehen kann. Die frühbarocke Ausstellung des Gartens soll in einer Ausstellung sichtbar gemacht werden.

Parkseminar

Zum zweiten Röthaer Parkseminar 2016 lädt der Förderverein Rötha – Gestern. Heute. Morgen. am Freitag (ab 14 Uhr) und Sonnabend (ab 9 Uhr) in den Schlosspark ein. Treff der freiwilligen Helfer, die im Park mit anpacken wollen, ist jeweils der Bauhof am Johann-Sebastian-Bach-Platz 1.

Jeder kann je nach Zeit und Kraft mithelfen, Wildwuchs zu entfernen, Wege zu säubern, Wiesen zu mähen oder Laub zu harken. Wer kann, sollte einen Spaten, Harke oder Rechen mitbringen.

Freitag gibt es im Gemeindesaal der Kirchgemeinde (ab 18 Uhr) einen geselligen Abschluss mit einem Vortrag zu historischen und aktuellen Geschehnissen im Schlosspark. Am Sonnabend gegen 16 Uhr laden die Vereinsmitglieder zu einem abschließenden Parkrundgang ein.

Die Parkseminare werden unterstützt vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz, dem Landesamt für Denkmalpflege und der Stadt Rötha.

Eine Teilnahmeanmeldung kann telefonisch bei Walter Christian Steinbach unter Tel. 034206/72144 oder per Mail an info@cur-kulturbuero.de erfolgen.

Der Förderverein leistet viel. Ohne Hilfe schafft auch er das Mammutvorhaben nicht. Jetzt soll der nächste große Schritt gegangen werden. Was passieren wird, weiß keiner besser als Hans-Joachim Keil. Der jedes Pflänzchen im Park beim Namen kennt. Die geschichtlichen und denkmalpflegerischen Zusammenhänge des Areals schon zig Besuchern und Experten vorgetragen hat. Man unkt, dass Keil sogar den Nutrias im Schlossteich erzählt, in welch adligen Boden sie ihre Bauten treiben. Keil soll dabei (nur gegenüber den Ratten) keinen sonderlich freundlichen Ton anschlagen.

Die Biberratte wird sich was einfallen lassen müssen. Keil: „Der Schlossteich wird saniert. In zwei Abschnitten. Nach Ablassen des Wassers wird der Boden entschlammt. Dann geht es an die Sanierung der Uferbefestigungen.“ Das soll in bewährter Bauweise mit Faschinen und Wasserbausteinen realisiert werden. Wenn sich ein Sponsor findet, könnte danach auch eine Fontäne in der Mitte des 8000 Quadratmeter großen Teiches ein Hingucker sein. Gleich neben dem Miniatur-Nachbau des Röthaer Schlosses.

Das Original wurde 1969 gesprengt. Ein trauriges, nächstes Jubiläum (50 Jahre) in diesem Jahrzehnt. Uwe Herrmann hat das Areal gekauft, auf dem das Röthaer Schloss einst stand. Es soll wieder bebaut werden. „Wie und womit genau – das wissen wir noch nicht. Klar ist, dass dieser städtebauliche Missstand in Disharmonie mit einem dann wiederhergestellten Schlosspark nicht dauerhaft hinnehmbar ist. Wir sind in der Findungsphase. Irgendwas wird passieren... – müssen“, so Herrmann.

Gesponsert hat der Förderverein der Stadt einen Teil ihres Eigenanteils für die durch das Leader-Programm geförderten (27 500 Euro) Sanierungsarbeiten am Schlossteich, die jetzt beginnen. Bürgermeister Stephan Eichhorn (parteilos) nimmt die finanzielle Geste dankend entgegen. Er weiß, dass der Schlosspark Rötha ein Projekt ist, bei dem es nur Hand in Hand zu einem guten Ende führen kann: „Wir erledigen viele Leistungen durch den städtischen Bauhof. Da ist es ein Segen für die Stadt, wenn wir auf diese Weise etwas zurückbekommen.“

Historie

Der Schlosspark Rötha steht unter Denkmal- und Naturschutz. Seine Grundstruktur der vergangenen dreieinhalb Jahrhunderte hat er nie verloren. Viele Parkgehölze stammen aus dem 19. Jahrhundert – Sumpfzypresse, Tulpenbaum oder uralte Eichen sind von kulturhistorischem und naturschutzfachlichem Interesse.

Schloss, Gut und Garten waren einst vollständig vom Wasser umschlossen. Die Kleine Pleiße grenzte den Garten von der Umgebung ab. Die Park-Bereiche westlich des Ufers gehören zum Landschaftsschutzgebiet Pleißestausee Rötha. Der gesamte Park zählt zum Überschwemmungsgebiet der Pleiße und der Kleinen Pleiße.

Die erste größere Gartenanlage entstand um 1670 unter Regie von Karl Freiherr von Friesen. In den 1720er-Jahren ließ Christian August Freiherr zu Friesen einen ausgedehnten Lustgarten mit Skulpturen und Wasserbecken anlegen. Ein Baum- und Küchengarten schlossen sich dem Lustgarten an.

1750 kam es erneut zu einer Umgestaltung und Erweiterung des Gartens. Es wurde ein längliches Wasserbecken angelegt. 1839 ließ Friedrich Freiherr von Friesen den Schlosspark landschaftlich umgestalten. Aus dem 1750 angelegten Wasserbecken wurde der heute noch vorhandene Schlossteich.

Friedrich Otto Heinrich Freiherr von Friesen etablierte den Gartenbau. Er entwickelte in den 1870er-Jahren Rötha zu einem Zentrum des Obstanbaus und der Fruchtverwertung. 1882 erreichte die Röthaer Obstherstellung ihren Höhepunkt und verschaffte sich eine Rolle auf dem Weltmarkt. Der Kaiser-Wilhelm-Apfel und die Gute-Luise-Birne wachsen noch heute auf der Streuobstwiese.

Nach der Enteignung der Familie von Friesen 1945 ging Röthas Bedeutung als gärtnerisches Zentrum im Süden von Leipzig stark zurück. Mit dem Abriss des Schlosses 1969 sowie baulichen Veränderungen des Gutshofes verlor der Schlosspark seine räumlichen Bezüge. Der Tagebau verursachte gravierende Schäden in der Auenlandschaft und am Gehölzbestand.

aus „Der Schlosspark Rötha – Zeugnis einer jahrhundertelangen Gartenkultur“ von Kathrin Franz

Hand in Hand soll es auch wieder beim 2. Parkseminar zugehen. Am Freitag und Sonnabend erwartet der Förderverein Rötha – Gestern. Heute. Morgen. wieder viele freiwillige Helfer – am liebsten weit über die eignen Reihen hinaus. „Es sind meist dieselben, die zupacken. Aber mit jedem Stück, das wir im Park wieder herrichten und damit auch der Öffentlichkeit zurückgeben, hoffen wir auf noch stärkere Resonanz und Akzeptanz unserer Arbeit“, wirbt Walter Christian Steinbach um Teilnahme. Mit Hacke und Spaten sollen die Seminarteilnehmer erst in den noch verwachsenen Bereichen des Parkes für Ordnung sorgen, um dann Wissenswertes über Geschafftes und Bevorstehendes zu erfahren.

Mit dabei wird wohl auch Rolf Körner sein. Der älteste unter den Enthusiasten. Seine 92 Jahre sieht man dem Senior nicht an. „Aber wir dürfen keine Zeit verlieren bei unseren Plänen. Ich will in dem hergerichteten Park schließlich noch ein paar Jahre spazieren gehen.“

Von Thomas Lieb

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