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Borna Schock nach Randale in Kilianskirche von Bad Lausick
Region Borna Schock nach Randale in Kilianskirche von Bad Lausick
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13:42 27.04.2018
Die Kirche St. Kilians in Bad Lausick. Quelle: Jens Paul Taubert
Bad Lausick

Der spätgotische Schnitzaltar ist beschädigt, die Kanzel ebenso, der Kronleuchter lag am Montag zerschellt auf dem Boden: Ein Unbekannter drang in der Nacht zuvor in die Bad Lausicker Kilianskirche ein. Er zerstörte in vier Metern Höhe ein Bleiglasfenster an der Nordseite von Sachsens ältester Stadtkirche, um in Innere zu gelangen.

Kirchgemeinde ist schockiert

Dort randalierte er, begab sich mit einer brennenden Altarkerze bis hoch auf den hölzernen Dachboden. Die Kerze erlosch, ehe ein Feuer entstehen konnte. Nicht nur die Menschen der Kirchgemeinde sind schockiert. Die Kriminalpolizei ermittelt. Sie prüft, ob es Verbindungen gibt zu zwei Angriffen auf Chemnitzer Kirchen in den vergangenen Tagen. Dort war am Montagabend ein 24-jähriger Tatverdächtiger gefasst worden. Der Asylbewerber aus Pakistan wurde in eine Klinik eingewiesen.

Die Silbermann-Trampeli-Orgel in der Lausicker Kilianskirche gilt als besonders wertvoll. Quelle: Jens Paul Taubert

„Am Sonntag hatten wir eine schöne Jubelkonfirmation gefeiert – und dann geschieht das. Schlimm sind die Zerstörungen, schlimmer noch ist die Entweihung“, sagt Pfarrer Thomas Erler. Der Täter habe die Kerzen auf dem Altar angezündet, sei mit der offenen Flamme bis hoch in den Turm gestiegen; der Baupfleger habe diese Kerze erst am Dienstag gefunden. „Sie muss dort noch einige Zeit gebrannt haben. Dann aber erlosch sie zum Glück. Nicht auszudenken, was hätte geschehen können bei all dem trockenen Holz dort oben.“ Erler spricht von einer erheblichen Verunsicherung: „Wenn in so einer beschaulichen Stadt nicht mal die Kirche sicher ist, da fragt man sich: Bin ich denn in meinem Zuhause noch sicher?“

Tatzeitraum liegt in der Nacht zum Montag

„Die Kriminaltechniker haben den Tatort untersucht. Sie haben Spuren gesichert, die zurzeit ausgewertet werden. Und es gibt den konkreten Hinweis einer Zeugin“, sagt Polizeihauptkommissar Michael Fengler von der Pressestelle der Polizeidirektion Leipzig der LVZ. Er grenzt den Tatzeitraum auf die Zeit zwischen Sonntag, 22.30 Uhr, und Montag, 0.30 Uhr, ein.

Besagte Zeugin habe auf einer Bank in der Nähe der Kirche einen Mann, schlanke Gestalt, 1,70 bis 1,80 Meter groß, beobachtet. „Er trug ein dunkles Sweatshirt, eine Mütze, eine dunkle Maske oder dunkle Hautfarbe. Möglicherweise war er ausländischer Herkunft“, so Fengler. Der Kriminaldienst des Polizeireviers Grimma habe die Ermittlungen übernommen. Zeugen werden gebeten, sich an das Revier zu wenden (Telefonnummer 03437/708925100).

Parallelen zu Fall in Chemnitz

Das Geschehen in Bad Lausick weist augenfällige Parallelen zu Chemnitz auf. In der dortigen Markuskirche hatte ein 24 Jahre alter Eindringling, den die Polizei stellen konnte, am Sonnabend im Altarraum und im Keller Sachbeschädigungen verübt, vermeldet die Freie Presse. Trotz des Schadens im fünfstelligen Eurobereich sei der Mann am selben Tag noch aus dem Gewahrsam entlassen worden. Am Montagnachmittag dann randalierte er in der Petrikirche am Theaterplatz, warf Bleiglasfenster ein. Er wurde noch in der Kirche festgenommen. Der Ermittlungsrichter wies ihn in eine psychiatrische Klinik ein.

„Wir haben keine Erkenntnisse darüber, dass dieser Mann für die Straftat in Bad Lausick verantwortlich sein könnte“, sagte Andrzej Rydzick von der Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz der LVZ. Der Tatverdächtige befinde sich weiter in besagter Klinik. Die Leipziger Polizei griff den Hinweis aus Chemnitz auf. Michael Fengler: „Wir prüfen natürlich, ob es da eine Verbindung geben könnte.“

Schwere Beschädigungen am Altar aus dem Jahr 1490

„Ich bin sehr verärgert darüber, dass Menschen vor den Gefühlen anderer keinen Respekt haben. Das ist schwer zu verdauen“, sagt Manfred Schön, Vorsitzender des Fördervereins St. Kilianskirche, der sich seit Jahren intensiv um die Sanierung der mehr als 900 Jahre alten Kirche samt ihrer kulturhistorischen Schätze bemüht. Der Täter habe aus dem Altar aus der Zeit um 1490 ein Schwert herausgebrochen und mehrere der geschnitzten Figuren dabei beschädigt. Von der Kanzel habe er gedrechselte Teile abgerissen. Der Baupfleger der Landeskirche habe bereits die Schäden in Augenschein genommen. Sie zu beheben, werde einige Anstrengungen und Geld kosten: „Wir sind dankbar, dass es nicht zum Brand gekommen ist. Doch wenn jetzt Kirchen an verschiedenen Orten betroffen sind, macht das schon nachdenklich.“

Von Ekkehard Schulreich

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