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Schramm: „Für reinen innerstädtischen Handel reicht Kaufkraft in Kitzscher nicht“

Interview Schramm: „Für reinen innerstädtischen Handel reicht Kaufkraft in Kitzscher nicht“

Abriss, Erschließung und Bau sowie die Integration von Flüchtlingen - im Interview mit der LVZ spricht Kitzschers Bürgermeister Maik Schramm (50, Freie Wähler) über wichtige Vorhaben in der Stadt in diesem Jahr.

Kitzschers Bürgermeister Maik Schramm an seinem Schreibtisch im Rathaus.

Quelle: André Neumann

Kitzscher. Abriss, Erschließung, Bau und Integration von Flüchtlingen – im Interview mit der LVZ spricht Kitzschers Bürgermeister Maik Schramm (Freie Wähler) über wichtige Vorhaben in der Stadt in diesem Jahr.

Der Neujahrsempfang wurde für dieses Jahr gestrichen und eigentlich wollten sie jetzt mitten in einer Baustelle arbeiten?

Ja, der energetische und behindertenfreundliche Umbau des Rathauses sollte schon im Dezember beginnen. Doch die Baugenehmigung kam später als erwartet. Nächste Woche treffen wir uns mit den Architekten, dann schreiben wir aus.

Wie lange wird der Umbau dauern?

Etwa ein Jahr.

Welche weiteren Aufgaben stehen in diesem Jahr vor Kitzscher?

Wir wollen den zweiten Bauabschnitt des Eigenheimstandortes am Eichholz erschließen, um jungen Leuten die Möglichkeit zu geben, von der Stadt aufs Land zu ziehen. Wenn der Stadtrat das Vorhaben am 26. Januar absegnet, werden wir 18 Bauplätze erschließen.

Ganz in der Nähe soll ein Wohnblock abgerissen werden?

Ja, der leer stehende Wohnblock Straße der Bergarbeiter 1 bis 6 wird verschwinden. Der Abriss durch den Eigentümer ist jetzt für Februar vorgesehen. Daran haben wir als Verwaltung lange gearbeitet.

Wie steht es um die Schulen der Stadt?

Wir hatten ja im vorigen Herbst eine Arbeitsgruppe Schulen gegründet, an der Stadtratsmitglieder, die Schulleitungen und die Verwaltung beteiligt sind. Aus der heraus ist ein Architekturbüro mit der Prüfung aller Optionen für die künftige Schullandschaft beauftragt worden. Untersucht werden Neubau, Teil- oder Vollsanierung an getrennten Standorten oder an einem gemeinsamen Standort für Grund- und Oberschule.

Ihre Oberschule existiert noch immer in einer Art Übergangsstatus?

Wir hatten schon eine formale Zusage für einen dauerhaften Bestand vom Kultusministerium. Dennoch war es erfreulich, dass wir jetzt der LVZ entnehmen konnten, dass die Regierung sich auf Eckpunkte für das neue Schulgesetz geeinigt hat. Eine Klasse mit 25 Schülern pro Jahrgang, wie es für ländliche Oberschulen zur Bedingung gemacht wird, schaffen wir locker.

Gibt es weitere wichtige Vorhaben für dieses Jahr?

Die Verlegung von Abwasserleitungen und der grundhafte Straßenbau in Thierbach stehen weiterhin auf der Agenda. Hier konnten wir ein Jahr lang nichts machen, weil die Förderprogramme gewechselt haben. Jetzt hoffen wir auf Fördermittel aus dem neuen Programm. Nicht in unserer Hand liegt der Bau des Kreisverkehrs an der Kreuzung B 176/Ortsverbindung nach Borna. Es gibt von der sächsischen Straßenbauverwaltung die Zusage, dass der Bau in diesem Frühjahr beginnt. Den Plan für eine Umfahrung der Baustelle haben wir schon.

Der Marktplatz und die leeren Ladenlokale beschäftigen die Stadt schon lange. Gibt es hier Ideen, die Situation zu ändern?

Die Ladengeschäfte gehören nicht uns, die sind in Privathand. Wer realistisch über innerstädtischen Handel in Kitzscher nachdenkt, weiß, dass die Kaufkraft hier für reinen Handel nicht da ist. Funktionieren könnte vielleicht eine Kombination aus Handel und Dienstleistung. Wir haben im Rahmen des Stadtumbaus auch eine Umgestaltung des Marktplatzes vor. Das ist aber auch finanziell ganz hinten angeordnet, andere Dinge sind wichtiger.

Wie sieht es in Kitzscher mit der Integration von Asylbewerbern aus?

Wir haben derzeit 52 Flüchtlinge, die in Wohnungen leben. Das ist etwas weniger als unsere aktuelle Quote. Weitere 40 sind angekündigt. Wir bemühen uns um ein normales Miteinander. Es gibt viele ehrenamtliche Helfer, Deutschunterricht wird gegeben und wir haben im Rathaus ein Büro eingerichtet, welches der Verein Wegweiser einmal wöchentlich für Beratungen für Flüchtlinge nutzt. Wir haben auch Sammlungen für Asylbewerber organisiert.

Das klingt, als ob es keine Konflikte gäbe?

Es gibt Vorfälle, die ausgewertet werden müssen. Kürzlich soll ein Schüler von einem Flüchtling geschlagen und beraubt worden sein. Das wird ausgewertet, auch in der Schule. Es hat auch Aktivitäten von Asylbewerbern gegeben, die nicht aus Kitzscher kommen. Meine Meinung ist, wir sollten Vorfälle beim Namen nennen und diejenigen sollten auch die Konsequenzen spüren. Beim Thema Asyl habe ich aber auch eine klare Forderung an die Bundespolitik.

Die da wäre?

Es wäre schön, wenn die Bundesregierung das Geld, was sie für Flüchtlinge zur Verfügung stellt, wenigstens zum Teil auch den Kommunen geben würde. Denn kommunale Aufgaben dürfen nicht in den Hintergrund rücken, und davon gibt es einige: Wir haben eine Schule zu sanieren und nutzen mit Ausnahmegenehmigungen eine 40 Jahre alte Turnhalle.

Müssen die Städte und Gemeinden Geld für die Betreuung von Asylbewerbern aufbringen?

Nein, das muss nur der Landkreis. Aber wir werden genau auf die Begründung schauen, falls der Kreis demnächst die Kreisumlage erhöhen sollte.

Von André Neumann

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