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Schritt für Schritt für Familien da sein

Schritt für Schritt für Familien da sein

"Schritt für Schritt" heißt ein neues Programm, mit dem der Landkreis Leipzig den vorbeugenden Kinderschutz ausbaut. Der Name beschreibt das Anliegen: junge Eltern und ihre Sprösslinge in problematischer Lebenssituation in den ersten Monaten zu begleiten.

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Das sind die Familienhebammen und Sozialpädagoginnen: Ines Ring, Grit Wiemer, Silke Frey und Christin Ameling (von links).

Quelle: André Kempner

Borna. Ein Part, für den der Internationale Bund zwei Sozialpädagogen und zwei Familien-Hebammen einsetzt. 35 bis 40 Familien hofft der Landkreis pro Jahr auf diese Weise unterstützen zu können.

"Wichtig ist der frühe Zugang, nicht erst, wenn ein Kind vier, fünf Jahre alt ist", sagt Grit Wiemer. Die Sozialpädagogin hat Erfahrungen auf dem weiten Feld der Familienhilfe. Sie arbeitete zuletzt für den Träger Internationaler Bund mit Familien im Nordwestzipfel des Leipziger Landes. Jetzt ist sie darüber hinaus eine von vier Fachfrauen, die im neuen Frühpräventionsprogramm "Schritt für Schritt" arbeiten. Grit Wiemer und Ines Ring, die bisher Familien im Muldental zur Seite stand, kooperieren künftig eng mit den zwei Familien-Hebammen Silke Frey und Christin Ameling. Hebammen, die sich zusätzlich sozialpädagogisch qualifiziert haben. Sie kommen - je nach der konkreten Situation in der Familie - einzeln oder im Tandem Sozialpädagogin/Familienhebamme zum Einsatz.

"Wir rechnen mit 35 bis 40 Familien und Alleinerziehende, die wir auf diese Weise im Jahr unterstützen können - freiwillig, wohlbemerkt, ohne Zwang", sagt Anke Thomas, die das Netzwerk für Kinderschutz koordiniert. Dank des Bundesmodell-Projekts Pro Kind gebe es seit 2007 im Muldental und 2009 im Leipziger Land gute Erfahrungen. "Die Ergebnisse haben gezeigt, dass der Einsatz von Familien-Hebammen diesen Effekt noch verstärken kann." Deshalb nun das neue Programm, das der Bund gleichfalls komplett finanziert - bis Ende 2015 vorab -, das aber ein breiteres Spektrum abdecken soll. Und sich an Gemeinschaften mit Kindern bis zu drei Jahren richtet.

"Da gibt es Probleme, den Alltag mit Baby zu bewältigen. Da gibt es psychische Auffälligkeiten und Erkrankungen. Da liegt im sozialen Umfeld manches im Argen", nennt Anke Thomas Kriterien, bei denen "Schritt für Schritt" greifen soll. Kinderärzte und Kommunales Jobcenter, Schwangerschaftskonfliktberatung und Kommunen, in Summe die Netzwerk-Kinderschutz-Partner stellen den Kontakt zu den Fachkräften her, wenn sie ihn für hilfreich erachten und die Betreffenden Bereitschaft signalisieren, eine solche Hilfe auch anzunehmen. "Wir entscheiden dann im Team, welche Variante für die Familie die geeignetste ist", sagt Thomas. Die Unterstützung solle möglichst früh beginnen, um erfolgreich zu sein, bei Bedarf schon ab der 20. Schwangerschaftswoche.

"Wir sehen in dem neuen Programm eine zielführende Hilfeform, die einer Familienhilfe durch den Allgemeinen Sozialdienst vorbeugen kann", sagt Jugendamtsleiter Thomas Pfeifer. Er gehe deshalb davon aus, dass der Bund auch nach 2015 dafür finanziell Sorge trage, dieses Angebot fortzusetzen. Schließlich widme es sich einem Kernpunkt des Bundes-Kinderschutzgesetzes. "Solche Angebote werden gut angenommen. Es gibt nur wenige, die die Zusammenarbeit abbrechen", weiß Grit Wiemer aus ihrer beruflichen Erfahrung. Oft seien es simple Dinge, bei denen es Anstöße brauche: Was spiele ich mit meinem Baby? Wie kann ich mein Kind fördern? Wo finde ich Austausch? Wie melde ich einen Krippenplatz an? "Wir nehmen den Eltern weder Arbeit noch Entscheidungen ab, aber wir stehen ihnen zur Seite", sagt Wiemer. Das Ziel verliere man nicht aus den Augen. Selbstständigkeit heiße das. "Schritt für Schritt" gehe es um Hilfe - zur Selbsthilfe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.06.2013

Ekkehard Schulreich

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