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Borna Schulsozialarbeit wird leicht gekappt
Region Borna Schulsozialarbeit wird leicht gekappt
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15:36 19.05.2015

Damit lief ihr Vorstoß hauchdünn ins Leere. Dennoch wurde im Anschluss die 2014 greifende Jugendhilfeplanung mit großer Mehrheit verabschiedet.

Die Diskussion im Kreistag biss sich vor allem an der Schulsozialarbeit fest. Linken-Fraktionschefin Heike Werner legte Argumente auf den Tisch, sie auf dem jetzigen Niveau zu halten. Die Schulsozialarbeit sei eine Verknüpfung von Jugendhilfe und Schule und erreiche, im Gegensatz zu Jugendtreffs und Beratungsstellen, alle Kinder und Jugendlichen. Auch Eltern und Lehrer. Ein weiterer Vorteil sei, dass sie zeitnah Interventionen ermögliche. Werner brachte das Beispiel eines Sozialpädagogen an einer Grundschule, der im ersten Halbjahr weit über 200 Beratungsgespräche und diverse Besprechungen geführt habe. Einige der Gründe: Gewalt an der Schule, Zoff mit Mitschülern, Suchtprävention, Probleme von Eltern im Umgang mit ihren Kindern. "Mit Teilzeitstellen ist das nicht zu leisten", kritisierte Werner den geplanten Abbau.

Derzeit zählt der Landkreis 33,5 Vollzeitstellen, die im kommenden Jahr auf 28,5 gekürzt werden. Der Kreis entlastet sich so um rund 100 000 Euro. Die Schulträger, also die Kommunen, sind aufgefordert, die Halb- oder Dreiviertelstellen aus eigener Kraft aufzustocken - so sie dazu in der Lage sind. Neu ist, dass der Einsatz der Sozialpädagogen an die Schülerzahl angepasst wird. Vollzeitstellen gibt es künftig nur noch an Oberschulen über 400 Schüler und an Gymnasien über 800 Schüler. An den vier Grundschulen, an denen 2012 erstmals Schulsozialarbeiter einzogen - begrenzt finanziert über das Teilhabe-Paket des Bundes -, will der Kreis aus eigener Kraft zumindest vier halbe Stellen sichern.

Dem Finanzierungsvorschlag der Linken, die fehlenden 100 000 Euro aus der wachsenden Zuweisung für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung abzuzweigen, widersprach die Kreisverwaltung. Der Landkreis habe 2014 bei der Jugendhilfe einen Aufwuchs von 1,3 Millionen Euro, so Finanzdezernent Dirk Rasch. Hierfür seien die Mittel bereits eingeordnet.

Ein andere Geldquelle brachte die Unabhängige Wählervereinigung (UWV) ins Spiel. "Die 65 000 Euro für das Landkreis-Journal könnte man für die Schulsozialarbeit einsetzen", sagte Fraktionschefin Ute Kniesche. Die Schulsozialarbeit habe ihren Erfolg bewiesen, das Journal nicht. Für den Linken-Antrag sprach auch der Fraktionschef von SPD und Grünen, Karsten Schütze. Wenn sich andere aus der Verantwortung zögen, kritisierte er mit Blick auf Bund und Land, müssten der Landkreis, vor allem aber die Kommunen das Manko kompensieren. "Wir orientieren uns erneut an den Kosten und nicht am Bedarf", sagte Schütze zur neuen Jugendhilfeplanung. Bei der Jugendhilfe sei eine langfristige Planung gefragt, um die Kosten in der Zukunft - für Jugendgerichtshilfe, Erziehungshilfen, Heimunterbringung oder Schulabbrecher - zu senken.

Wie Schütze sprach auch Frank Lange (CDU) von einem Kompromiss, der auf dem Tisch liegt. "Die Fachkräfte werden sagen, der Bedarf sei höher, die Finanzrichter, die Ausgaben seien zu hoch." Die bei der Schulsozialarbeit vorgeschlagene Variante sei sicher nicht das Maximale, "aber das, was für uns als Kreis finanzierbar ist". Ihm sei wichtig, dass dem Kreis ein Kahlschlag wie in Leipzig erspart bleibe. Auch CDU-Fraktionschef Fritz-Dieter Mittenzwei verteidigte die Beschlussvorlage. 2011 sei die Schulsozialarbeit mit der Gießkanne über alle Schulen verteilt worden, jetzt liege ein Kompromiss vor, der auf die Größe der Schulen und die Schülerzahlen abhebt.

"Wir diskutieren auf einem hohen Niveau", merkte Landrat Gerhard Gey (CDU) an. "Wir sind in Sachsen der Landkreis mit der besten Ausstattung."

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (UWV) sieht das differenzierter. "Wissen Sie, was an den Schulen los ist", sagte er gegenüber der LVZ. "Ohne Schulsozialarbeit geht gar nichts mehr." Grimma jedenfalls werde die Qualität so hoch halten wie bisher. "Die Entscheidung des Kreistages kostet die Stadt 20 000 Euro." Berger stößt die Kreispolitik sauer auf: Man feiere sich einerseits mit einem Landkreis-Journal, in dem stehe, wie kinderfreundlich der Kreis sei, und fahre andererseits die Schulsozialarbeit zurück.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.10.2013

Prenzel, Frank

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