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„Schusterjunge als Denkmal“

„Schusterjunge als Denkmal“

Roland Meyer hat ein neues Projekt: Er möchte die Geschichte der Groitzscher Schuhfabrik erforschen. Im Gespräch mit der LVZ erzählt der 66-jährige Ortschronist von seinem Vorhaben.

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Ortschronist Roland Meyer

Quelle: LVZ Archiv

Groitzsch. Frage: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?Roland Meyer: Ich habe das schon lange vor. Bereits 2011 jährte sich zum 75. Mal die Ersterwähnung der Bella Luxus Schuhfabrik in Groitzsch. Bei der Grundsteinlegung des neuen Pflegeheims auf dem Bella-Gelände Ende des vergangenen Jahres kam ich dann mit dessen Bauherrn, Herrn Krumbholz, und auch mit dem Investor für das benachbarte betreute Wohnen, Herrn Zinn, ins Gespräch. Wir haben geschwatzt und meinten alle, dass es doch schön wäre, wenn die Leute, die hier einziehen, zur Begrüßung eine Broschüre bekommen, in der sie nachlesen können, was früher hier mal war.Gibt es viel Material?Eine Menge! Ich sichte erst mal alles, was da ist. Zunächst wurde über das Gelände ja schon Ortsgeschichte aufgeschrieben. Dann gibt es Bauakten und viele Fotos, vor allem aus den 50er und 60er Jahren. Zudem haben wir die alten Betriebszeitungen, von 1956 bis 1986 existiert bestimmt noch die Hälfte davon. Es gibt also sehr viel Material. Und es ist sehr viel Arbeit. Wäre schön, wenn sich da noch Mitstreiter fänden.Haben Sie persönliche Beziehungen zur Bella?Ja, meine Mutter arbeitete Zeit ihres Lebens als Stepperin dort. Auch mein Opa war Schuster, aber nicht bei der Bella. Das Schusterhandwerk und die Fabrik in Groitzsch haben mich also lange begleitet. Und nicht nur mich. Es gibt in Groitzsch noch viele Bellaraner! Dieser Betrieb hat die Stadt geprägt, nicht umsonst wird sie heute noch Schusterstadt genannt.Was halten Sie von der Idee, das neue Areal Schusterviertel zu nennen?Das finde ich nicht verkehrt, auch Straßen sollten in diesem Sinne benannt werden. Und ein Schusterjunge als Denkmal wäre schön! Ein ehemaliger Bürgermeister hatte schon mal die Idee mit einem Schusterdenkmal. An dieser Stelle würde es passen. Weißenfels hat bereits solch ein Denkmal. Dort gab es zu DDR-Zeiten ja auch eine große Schuhfabrik, die damals Groitzsch den Rang abgelaufen hat. Mal sehen, ob der Architekt noch etwas Geld übrig hat - dann klappt es vielleicht mit unserem Schusterjungen.Wie planen Sie die Darstellung der Bella-Geschichte?Ach, so weit bin ich noch nicht. Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz feiert in diesem Jahr sein 100. Jubiläum. Dazu schreibe ich gerade etwas zur Naturfreundebewegung und der Jugendherberge, die es von 1926 bis 1933 in Altengroitzsch gab. Danach ist die Bella wieder dran. Ein genaues Konzept liegt bisher nicht vor. Es ist auch noch nicht sicher, ob es mit der Broschüre klappt - aber erforscht wird dieses Stück Stadtgeschichte auf jeden Fall.Wann und wie sind Sie zur Heimatgeschichte gekommen?Schon von Kindesbeinen an hat mich das interessiert. Wenn andere mit 15 oder 16 Wild-West-Romane lasen, habe ich alles, was ich zu Heimatgeschichte in die Hände kriegen konnte, verschlungen. Auch als ich an der Ingenieur-Hochschule studiert habe, war dieses Hobby für mich ein schöner Ausgleich neben dem Chemieunterricht. Später als Mitarbeiter des Rathauses entdeckte ich die kaum erforschten Ortsteile. Die Fachwerkhäuser, die Dorfkirchen - was es da alles zu entdecken gab! Je mehr man sich mit einer Sache beschäftigt, desto mehr findet man. Beim Geschichteschreiben gibt es ja nie ein Ende, es geht immer weiter, es gibt immer wieder etwas Neues. Das ist faszinierend.

Claudia Carell-Domröse

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