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Schwankungen im Netz: Energiewende bringt Lippendorf mächtig Gegenwind

Schwankungen im Netz: Energiewende bringt Lippendorf mächtig Gegenwind

Bis über den Störmthaler See reichen die dichten Wolken, die aus den Kühltürmen des Kraftwerkes in Lippendorf entweichen. Wenn zwei weiße Fahnen aus Wasserdampf vor dem blauen Himmel schweben, lacht das Herz von Christian Rosin.

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Blick in die Hauptwarte des Kraftwerkes Lippendorf, am Schaltpult Operator Olaf Höppner.

Quelle: Andreas Doering

Neukieritzsch/Lippendorf. Beide Blöcke sind in Betrieb und produzieren Strom sowie Fernwärme. "Dann verdienen wir Geld", sagt der Kraftwerkschef und seine blau-grünen Augen verengen sich zu Schlitzen. Denn die Energieproduktion sei auch mit einem Grundlastkraftwerk kein Selbstläufer mehr.

 

 

"Im Januar standen wir vier Tage still", so der 43-Jährige. Winterstürme hätten Windkraftanlagen in Bewegung gesetzt und die von Braunkohle getriebenen Turbinen in Lippendorf ins Abseits gedrängt. Auch Anfang dieser Woche fuhr das Kraftwerk zwei Tage nur mit halber Kraft. Montag und Dienstag war nur ein Block am Netz, der zweite wurde erst Dienstag im Laufe des Tages wieder angefahren. 2014 seien nur 80 Prozent der Leistung abgerufen worden, vor Jahren wären es noch 90 Prozent gewesen. "Seit Jahren schrumpfen die Gewinne", so Rosin.

 

 

Die Energiewende stellt die Kraftwerker von Lippendorf vor neue Herausforderungen. "Wir müssen versuchen, mit den stark schwankenden Lastanforderungen klar zu kommen", stellt der für Vattenfall tätige Direktor fest. Nach der von der Politik verordneten Vorfahrt für grüne Energie müsse das für den Dauerbetrieb konzipierte Kraftwerk in einen flexiblen Modus umschalten. "Wenn in den fünf neuen Bundesländern zehn Gigawatt Windlast ins Netz drücken, dann müssen wir runterfahren", erklärt Rosin. Das sei für die Lebensdauer von Material sowie Technik ein Problem und lasse die Instandhaltungskosten, die jährlich bei etwa 30 Millionen liegen, in die Höhe schnellen.

 

 

Einfach so auszusteigen, ist jedoch für Lippendorf nicht immer eine praktikable Option. Denn die Anlagen produzieren 60 Prozent der Fernwärme, die in Leipzig verbraucht wird. Würde in der kalten Jahreszeit der Schalter umgelegt, wären die Messestädter um ihre Behaglichkeit gebracht. "Wenn ein hoher Bedarf an Fernwärme besteht, dann können wir nur bedingt runterfahren", so Rosin. Er macht zudem darauf aufmerksam, dass die Kraftwerker mit dem Umspannwerk Pulgar eine besondere Verantwortung für die Stabilität auf einer lebenswichtigen 50-Hertz-Stromtrasse übernehmen, die von Norden über Ostdeutschland bis Nordbayern reicht. "Netzstabilität ist Voraussetzung für Versorgungssicherheit", erklärt Rosin, der in diesem Zusammenhang den Roman "Blackout" von Marc Elsberg empfiehlt.

 

 

Aber eine Endzeitstimmung will der in Wittenberg geborene Techniker, der seit Mai vorigen Jahres das Kraftwerk leitet, nicht aufkommen lassen. Denn Lippendorf sei gerüstet für die Härten des wachsenden Wettbewerbs auf dem Energiemarkt. Dabei vertraut er auf das 300-köpfige Team im Unternehmen und den Nachwuchs. 125 junge Menschen absolvieren derzeit eine Ausbildung, zum Teil für Service-Partner des Versorgers. Im jüngsten Jahrgang haben alle 16 Absolventen bestanden. "Mit guten und sehr guten Ergebnissen", sagt Rosin respektvoll. Sie sollen die Zukunft des Kraftwerks gestalten. Dazu zählt auch das Engagement in der Region. "Wir sind Diskussionspartner, wenn es um Energiethemen geht", sagt Rosin. Dabei sollen komplexe Zusammenhänge wie die Fahrweise des Netzes deutlich gemacht werden. In Kooperation mit Studenten der Uni Rostock sei ein Modell in Arbeit, an dem künftig Laien schwankende Einspeisungen erleben und das Netz ausregulieren können.

 

 

Die Profis von Lippendorf sind ein Stück weiter. Investitionen sollen dazu beitragen, die Flexibilität des Kraftwerkes künftig zu erhöhen, um wieder signifikante Gewinne zu realisieren. Im Gespräch sind Nachrüstungen, die das An- und Abfahren der Anlagen kostengünstiger gestalten. Dass es schwer wird, an frühere Rekordergebnisse anzuknüpfen, ist Rosin bewusst. 2009 hatte das Kraftwerk mehr als 13 000 Gigawattstunden Strom produziert und von den hohen Großhandelspreisen profitiert. Im vorigen Jahr waren es nur 12 500 Gigawattstunden, die Großhandelspreise an den Börsen befinden sich auf Rekordtief.

 

 

"Aber die Fernwärme hat dazu beigetragen, dass eine schwarze Null erwirtschaftet wurde", erklärt der Chef. Obwohl den konventionellen Kraftwerksbetreibern seitens des Marktes und der Politik ein rauer Wind entgegen weht, schaut Rosin optimistisch in die Zukunft. Wenn ab 1. Mai ein Kraftwerksblock vom Netz geht, dann ist kein Sturm im Anmarsch. In dieser Zeit findet eine Hauptrevision statt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.03.2015
Birgit Schöppenthau

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