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Borna Schwarz ist Lebenseinstellung: Deutzen ist Mekka der Gotiks
Region Borna Schwarz ist Lebenseinstellung: Deutzen ist Mekka der Gotiks
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11:06 10.09.2018
Schwarz, gewagt, ungewöhnlich: Gotik-Fans machen den Kulturpark zum düsteren Schauplatz. Quelle: Julia Tonne
Neukieritzsch

Schwarze Eiswaffeln am Eisstand, Kuchen mit viel dunkler Schokolade und Kaffee natürlich schwarz: Wenn die schwarze Szene anrückt, steht halb Deutzen Kopf. Auf dem Gelände des Nocturnal Culture Night Festivals tummeln sich dunkle Gestalten, in Neukieritzschs Ortsteil haben es sich zahlreiche Bewohner auf Terrassen und in Gärten gemütlich gemacht, „um einen Blick auf die Szene zu erhaschen“, wie Ursula Breunig sagt. Dabei ist die Deutzenerin mit Gotik-, Metal- und Mittelalter-Fans bestens vertraut und bei vielen Festivalbesuchern längst als „Mutti“ bekannt.

Impressionen aus dem Deutzener Kulturpark zur NCN

Sie hat extra gebacken, Grillzeug eingekauft, eine Kanne Kaffee mehr gekocht, denn Käpt’n Raik, Carina, Witti, Stephan, Particia und Slayer haben es sich bei Familie Breunig gemütlich gemacht. Seit Jahren kommt die Truppe aus Bayern ins beschauliche Deutzen – zum „super heimeligen, kleinen, aber feinen NCN“. Und da darf ein Besuch bei Mutti und ihrem Mann Horst-Ludwig nicht fehlen.

Deutzen – den Namen verbindet der Käpt’n, der nie ohne seine Quietsche-Ente unterwegs ist, mit unvergesslichen Wochenenden im Kulturpark, „denn schwarz“, sagt er, „ist eine Lebenseinstellung“. Für Ursula Breunig haben die Schwarzen so gar nichts Bedrohliches an sich. „Im Gegenteil: die Leute sind spitze.“ Selbst wenn bei Damen die Netzstrümpfe Löcher aufweisen, Hosen extra kurz sind, Männer Totenkopfbroschen tragen und Kunstblut auf Hemden zum guten Ton gehört.

Entspannte Atmosphäre – sympathische Besucher

Auch Dietmar aus Leipzig hat sich rausgeputzt. Er gilt beim NCN schon als Urgestein, ist seit dem ersten Festival dabei, kennt fast jeden. „So wie sich das für eine Familie gehört.“ Im echten Leben arbeitet er bei einer Baufirma, am Wochenende verwandelt er sich in einen eleganten Lebemann mit Lederfrack, Totenkopfkette, Zylinder und schwarz lackierten Fingernägeln. „Wir sehen vielleicht für den einen oder anderen Außenstehenden böse aus“, gibt er zu, „aber wenn dieser Hilfe braucht, stehen plötzlich fünf Helfer da und packen an“, erzählt er. Für Silvia Ketteniß aus Bremen sind die verschiedenen Szenen wie Gotik, Metal oder Mittelalter die tolerantesten, die sie je erlebt hat. Die Atmosphäre sei entspannt, die „Schwarzen“ einfach nur sympathisch. Die Lederdesignerin, die für Fans der dunklen, düsteren Schauplätze Maßanfertigungen anbietet, ist zwar längst Inventar beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, in Deutzen aber erstmals dabei. Auch hier will sie zukünftig zum Inventar gehören, „das NCN ist ja ein wunderbar familiäres Festival mitten im Park“.

Die 37-jährige Yvonne aus Bamberg tummelt sich seit 20 Jahren bei den verschiedensten Festivals – kennt allerdings als Veranstaltungsorte nur Felder und Flughafengelände. Da bietet Deutzen eine perfekte Abwechslung, „der Park ist wunderschön gelegen, hinzu kommt grandiose Musik – mal melancholisch, mal rockig, mal düster“, sagt sie. Dennoch: auf etwas Komfort will sie nicht verzichten und hat sich daher im Hotel eingemietet. Ganz anders Otto. Der Kölner zeltet für sein Leben gern, braucht aber wegen seiner ungewöhnlichen Frisur ein hohes Zelt. Auch sonst zieht der junge Mann viele Blicke auf sich. Zwar trägt er schwarz, davon allerdings recht wenig. Lediglich eine Art Lederschal, ein paar Ketten, Stiefel und einen breiten Lederstreifen, der die Männlichkeit verdeckt.

Rund 3000 Besucher und unzählige Bands mit Namen wie Heimataerde, Tanz Ohne Musik und Gothminister verwandelten den Kulturpark am Wochenende in einen dunklen Schauplatz. Das Festival veranlasste wiederum etliche Deutzener, mit den Schwarzen auf Tuchfühlung zu gehen. „Jede Veranstaltung trägt den Ort nach draußen“, sagt eine Bewohnerin.

Von Julia Tonne

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