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Borna Schweinepest: Landkreis Leipzig probt den Einsatz im Krisenfall
Region Borna Schweinepest: Landkreis Leipzig probt den Einsatz im Krisenfall
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22:04 07.03.2018
Das Wildschwein gilt als Hauptüberträger der Afrikanischen Schweinepest. Problematisch ist, dass derzeit die Wildschweinpopulation in der Region besonders hoch ist. Quelle: dpa
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Landkreis Leipzig

Der Landkreis Leipzig bereitet sich derzeit intensiv auf den möglichen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in der Region vor. „Alle rechnen damit, es ist nur eine Frage der Zeit“, sagte Amtstierärztin Dr. Asja Möller. Am Sonnabend startet in der Zwenkauer Agrarproduktion Elsteraue GmbH – der Betrieb hat 5000 Mastplätze für Schweine – eine Katastrophenschutzübung zum Thema. „Dabei sollen Probleme aufgezeigt werden, die wir noch angehen müssen“, so die Amtsleiterin.

Seit diese Schweinepest in Russland vor mehreren Jahren auftrat, habe der Landkreis die Sache im Blick. Nachdem es im Sommer Fälle im nahen Tschechien gab, arbeite man intensiv an Gegenmaßnahmen. Dies gestalte sich „extrem schwierig“, weil bei dieser Pest das Wildschwein als Überträger gilt. Bei Tieren, die in Ställen gehalten werden, bekomme man Seuchen generell besser und schneller in den Griff, so Möller.

Zahlen und Fakten zur Schweinepest

– Im Juni 2007 wurden die ersten Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aus Georgien gemeldet. Die Tierseuche breitete sich von dort westlich aus. Im Juni dieses Jahres wurden die ersten Fälle in der Tschechei gemeldet.

– Die ASP ist eine fieberhafte, hoch ansteckende Erkrankung für Haus- und Wildschweine und verläuft fast immer tödlich. Eine Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht nicht. Selbst der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch soll kein gesundheitliches Risiko darstellen.

– Durch Personen- und Fahrzeugverkehr aus betroffenen Gebieten ist eine Einschleppung der Seuche nach Deutschland möglich. Besonderes Augenmerk sei auf mitgebrachte Nahrungsmittel und auch Speisereste zu legen, die unter keinen Umständen an Haus- oder Wildschweine verfüttert werden dürfen, sondern sicher entsorgt werden müssen.

– Die ASP wurde erstmals 1921 in Kenia beschrieben und ist in Afrika südlich der Sahara weit verbreitet. In Europa wurden sporadische Ausbrüche berichtet – zum Beispiel 1974 in Frankreich, 1985 in Belgien, 1994 in Spanien – die alle erfolgreich bekämpft werden konnten, informierte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz. 1978 sei die Tierseuche nach Sardinien (Italien) eingeschleppt und bis heute nicht getilgt worden.

Sie erklärte, was passiert, wenn ein Wildschwein stirbt, gefunden und positiv getestet wird. Rund um den Fundort wird eine so genannte Restriktionszone gezogen. Die kann einen Radius von einem bis zu 50 Kilometern oder auch mehr haben. Im kleineren Kreis des Fundorts gilt absolutes Jagdverbot, „um die möglichen kranken Tiere nicht zu verscheuchen und die Seuche noch weiter zu verbreiten“. An den Grenzen der Zone kommen Jäger zum Einsatz, die „von außen nach innen“ Wildschweine schießen. In der Regel würden auf diese Weise 80 bis 90 Prozent der Tiere getötet, „aber eben nicht alle, ein Wildschwein rutscht immer durch“. Und genau das sei das Problem.

Mit Jägern werde derzeit über große Sammelplätze für totes Schwarzwild beraten. Bestimmte Voraussetzungen müssen dabei erfüllt sein: Der Platz muss in Waldnähe und von Autos erreichbar sein, Strom für Kühlzellen und Wasseranschluss sei notwendig.

Für Menschen ist die Afrikanische Schweinepest zwar ungefährlich – aber der Mensch trage dazu bei, dass sie weiter verbreitet wird. Vor allem in osteuropäischen Ländern komme es vor, dass erkrankte Schweine geschlachtet und zu Wurst verarbeitet werden. Der Erreger hält sich extrem lange in Wurst und Fleisch, so Möller. Werden solche verseuchten Speisereste von Wildschweinen zum Beispiel an Autobahnraststätten gefressen, könne die Pest schnell weiter wandern – auch nach Sachsen und in den hiesigen Landkreis.

Vor allem für Landwirte sei die Situation „belastend“. Liegt ihr Schweinestall in der Restriktionszone, dürfen sie keine Tiere mehr in den Schlachthof transportieren, so die Amtstierärztin. Da diese Zonen mindestens anderthalb Jahre aufrechterhalten werden müssen, könne dies das Aus für die Betriebe bedeuten.

Um den Ernstfall vorab zu proben, findet am Sonnabend in der Zwenkauer Agrarproduktion Elsteraue GmbH eine Katastrophenschutzübung statt. Der Betrieb mit Pflanzen- und Tierproduktion beschäftigt 16 Mitarbeiter und verkauft pro Jahr 15 000 Mastschweine an den Schlachthof, so Geschäftsführer Gerhard Landgraf.

Seit sich die Tierseuche Deutschland nähert, seien auch in seinem Unternehmen die Hygiene-Vorschriften verschärft worden. „Riesengroße Angst“ habe er vor dem Fall, dass ein verseuchtes Wildschwein in der Nähe des Betriebes gefunden wird.

Gern habe sich das Unternehmen dazu bereit erklärt, Ort der morgigen Katastrophenschutzübung zu sein. „Wir sind an einer effektiven Bekämpfung interessiert und unterstützen dies daher gern“, sagte Landgraf. Unter anderem gehe es um Fahrzeugdesinfektion und spezielle Ausstattung.

Die Übung findet von 7 bis 14 Uhr statt. Es gibt deswegen keine Straßensperrungen. Es kann allerdings zu leichten Behinderungen kommen, wenn Einsatzkräfte von Katastrophenschutz, Feuerwehren und Technischem Hilfswerk zu dem Landwirtschaftsbetrieb fahren, teilte die Landkreisbehörde mit.

Von Claudia Carell

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