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Borna See soll braune Pleiße säubern: Anrainer wehren sich gegen LMBV-Pläne
Region Borna See soll braune Pleiße säubern: Anrainer wehren sich gegen LMBV-Pläne
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07:00 22.03.2017
In diesem Bereich will die LMBV die rostbraune Pleiße (unten) durch den Kahnsdorfer See (oben) leiten. Links ist der Stausee Rötha zu sehen. Quelle: FOTO-RADKE/LMBV
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Neukieritzsch

Auf einer Informationsveranstaltung am 6. April will die LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft) in Neukieritzsch öffentlich ihre Pläne zur Reinigung der Pleiße vorstellen. Schon vorher schlägt dem Bergbausanierer heftiger Widerstand entgegen. Denn der lässt derzeit die Möglichkeit untersuchen, den Fluss durch den Kahnsdorfer See zu leiten, wo er sich der Eisenhydroxidschlämme (EHS) entledigen soll. Die sorgen nicht nur für rostbraunes Wasser, sie sind auch schädlich für Pflanzen und Tiere im Fluss.

Nachdem die LVZ die Pläne öffentlich gemacht hatte, bildete sich eine Bürgerinitiative (BI) „Kahnsdorfer See“, die die Interessen der Anwohner und Anlieger der Seen gegenüber der LMBV vertreten will. Einer ihrer Sprecher, Alexander Malios, wird deutlich: „Wir reden von einer Tonne Eisenhydroxid am Tag, die in den See gespült wird. Das ist wie eine Müllkippe.“

Hintergrund der Pläne ist eine Spätfolge des Braunkohlebergbaus. Ansteigendes Grundwasser spült aus den Kippen der ehemaligen Witznitzer Tagebaue eisenhaltiges Wasser in die Pleiße. Den größten Anteil dieser schädlichen Fracht nimmt der Fluss nach Berechnungen der LMBV zwischen der Mündung der Wyhra (bei Großzössen) und dem Trachenauer Wehr (vor dem Stausee Rötha) auf. Die heutigen 1000 Kilogramm EHS pro Tag reduzieren sich Studien zufolge nur sehr allmählich. In gut 80 Jahren würden es noch 750 Kilogramm Eisen am Tag sein, weitere 300 Jahre später immer noch 250 Kilogramm.

Weil der Kahnsdorfer See einen Überlauf zum Hainer See besitzt, befürchten vor allem die dortigen Anlieger auch Schäden für die Lagunenhäuser, deren Fundamente teils im Wasser stehen, sowie für Tourismus und Wassersport

Die Bürgerinitiative hat bisher schon gut 50 Vollmachten vorliegen. Auch private Klagen würden bereits vorbereitet, deutet Alexander Malios an. In einem Schreiben an die LMBV fordert die BI, dass auch andere Varianten zur Reinigung der Pleiße untersucht und weiter verfolgt werden. Das hatte der Bergbausanierer Ende November bei einer Veranstaltung mit Behörden und Interessensvertretern auch zugesagt. Damals hieß es, es werde ergebnisoffen nach Möglichkeiten zur Reinigung der Pleiße gesucht.

Auch jetzt vor der öffentlichen Veranstaltung in Neukieritzsch betont LMBV-sprecherin Jenny Findeisen, es liefen „weiterhin ergebnisoffene Untersuchungen“. Zugleich informiert sie darüber, dass ein Ingenieurbüro aus Dresden im Auftrag der LMBV an der „Vorplanung zur Minderung von bergbaubedingten Eisenfrachten in der Pleiße durch Einbeziehung des Kahnsdorfer Sees unter Berücksichtigung der Auswirkungen auf Anrainer und Umwelt“ arbeitet.

Auch in der Einladung für die Veranstaltung am 6. April wird der Widerspruch deutlich. Dort heißt es im Titel: „Maßnahmen zur Minderung der bergbaubedingten Eisenfrachten in der Pleiße“. Vier Zeilen später wird angekündigt, die LMBV wolle zur aktuellen Untersuchung über die „Umverlegung der Pleiße durch den Kahnsdorfer See zur Sedimentation von Eisenhydroxidschlämmen (EHS)“ informieren.

„Das ist nicht das, was uns im November versprochen wurde“, konstatiert spürbar genervt der Neukieritzscher Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU). Und Alexander Malios bringt jenseits aller befürchteten materiellen Schäden noch eine andere Sichtweise ins Spiel: „Hier soll Natur für Natur geopfert werden. In 20 Jahren zeigen uns unsere Kinder und Enkel dafür einen Vogel.“

Die Vollmachten für die Bürgerinitiative liegen in den Gemeindeverwaltungen der Anliegerorte und bei Ortschaftsräten aus. Die Informationsveranstaltung am 6. April beginnt 18 Uhr im Bürgerbegegnungszentrum am Schulplatz 3.

Kontakt zur Bürgerinitiative: info@malios.de

Von André Neumann

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