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Borna Seehaus-Bewohner erzählt in Borna über alternative Strafverbüßung
Region Borna Seehaus-Bewohner erzählt in Borna über alternative Strafverbüßung
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18:09 20.12.2009
Borna

Und auch eine Diskussion kam nicht in Gang.

Wie berichtet, treibt der Prisma-Verein im Auftrag des Justizministeriums ein sächsisches Pilotprojekt voran, das sich Jugendstrafvollzug in freien Formen nennt. Bei dieser Alternative zum geschlossenen und offenen Vollzug sollen junge Straftäter nicht hinter Gittern ihre Strafe absitzen, sondern in einer Ersatzfamilie und bei einem straffen Tagesablauf wieder auf den rechten Weg geführt werden. Nach erfolgloser Immobiliensuche will der Verein nun am Hainer See einen Neubau hinsetzen, „Hainer Seehaus“ genannt. Nachdem der Verein bislang Bürgermeister sowie Stadt- und Gemeinderäte der fünf Anrainerkommunen einbezogen hatte, lud er Freitag erstmals die breite Öffentlichkeit zu einer Informationsveranstaltung ein. Weitere Info-Abende sind geplant. „Jetzt wollen die mit einer Anstalt herkommen.“ Der ehemalige Kahnsdorfer Ortsvorsteher Horst Kühn formulierte, was wohl vielen Menschen durch den Kopf geht. „Wir sind enttäuscht von der Sache“, ergänzte er und befürchtet, dass das Seehaus andere Investoren am Tagebausee abschreckt. „Was schon geplant war, können wir dann wohl streichen.“ Kühn schlug vor, das Projekt besser am benachbarten Kahnsdorfer See zu etablieren. „Wir sind offen für andere Vorschläge zum Standort“, erwiderte Prisma-Chef Tobias Merckle, der mit Sachsens Projektleiter Michael Richter das Vorhaben erläuterte. Er glaube allerdings, das Projekt sei den Investoren eher zuträglich. Das untermauerte Christian Conrad, Geschäftsführer der Blauwasser Seemanagement GmbH, die am Hainer See als Entwickler und Betreiber fungiert. „Ich finde den Standort ausgezeichnet.“ Das Seehaus werde helfen, „das Nordufer zum Leben zu erwecken“. Er wolle auf dieser See-Seite selber als Investor auftreten, so Conrad, und könnte sich vorstellen, das Seehaus mit seinen touristischen Angeboten zu kombinieren. Die Straftäter zu integrieren, sei gut. Der Prisma-Verein betreibt in Baden-Württemberg seit 2003 mit dem „Seehaus Leonberg“ einen Strafvollzug in freien Formen für 14- bis 21-Jährige. Merckle und Richter hatten von dort den 18-jährigen Paul mit nach Borna gebracht, der über sein Leben im Seehaus sprach. „Es ist hart, es ist schwer, aber es ist was Gutes.“ Der Pforzheimer wurde wegen räuberischer Erpressung und Autoaufbrüchen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Jetzt lebt er seit mehr als einem Jahr im Seehaus, und wenn er im März entlassen wird, will er nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr Pferdewirt werden. Am meisten schätze er am Seehaus, „dass die Mitarbeiter für einen immer Zeit haben“. Paul berichtete vom Tagesablauf, von der „Karriereleiter“ im Haus, von der Übernahme von Verantwortung, vom Aufarbeiten der Straftat. In Sachsen werden die Straftäter aus Regis-Breitingen kommen, sie müssten sich für die Teilnahme schriftlich bewerben, erklärte Merckle. Ziel sei es, die Rückfallquote und damit die Zahl der Opfer zu verringern.

Frank Prenzel

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