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Seele für Momente baumeln lassen

Seele für Momente baumeln lassen

Eine erlebnisreiche Urlaubswoche hat die Geithainer Familie Fichtner mit ihren drei Kindern in den Herbstferien in Bad Driburg verlebt. Zehn Familien von Flutopfern und Helfern aus der Region Leipzig waren dorthin zu einem einwöchigen Aufenthalt eingeladen.

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Die Geithainer Familie besucht das Friedrich-Wilhelm-Weber-Museum - Bert Fichtner (li.) und seine Frau Ivonne mit den Kindern (v.l.) Leontine, Laurentine und Laurenz. Erläuterungen gibt Hermann Sömer (re.). Driburger Touristik GmbH

Quelle: Bad Driburger Touristik GmbH

Geithain. Entsprechend der Bitte aus Bad Driburg hatte unsere Zeitung Kontakt zu Betroffenen hergestellt, so auch zu Fichtners. Ihnen spielte das Hochwasser übel mit.

 

 

Der Besuch bei der Modellbundesbahn hat dem dreijährigen Laurenz gut gefallen. Die neunjährige Leontine fand die Salzgrotte am beeindruckendsten, wo alle bei leiser Musik in Liegestühlen Platz nahmen. "20 Tonnen Salz waren in dem Raum", hat sie sich gemerkt. Interessant fand die Neunjährige bei der Stadtrundfahrt auch den Besuch des Museums für Friedrich Wilhelm Weber, "er war Arzt, Dichter und Politiker", erzählte sie. Ihre Mutter Ivonne fand den Gräflichen Park schön. "Da konnte man die Seele baumeln lassen - vor allem bei dem herrlichen Wetter", so die 36-jährige Angestellte. Die Ferienwohnung der Familie, zu der auch die elfjährige Laurentine gehört, lag direkt gegenüber vom Park. Der gefiel auch Bert Fichtner am besten. "Man kann aus verschiedenen Richtungen hineingehen und hat immer einen anderen Blick", erzählte der 42-jährige Landwirt, der sich zudem um die Pension samt Landgasthof in Wickershain kümmert. Eine Führung durch den Park gehörte genauso zum Programm wie Besuche im Waldcafé sowie der "Sachsenklause" auf der Iburg.

 

 

"In Bad Driburg haben viele Menschen großen Anteil am Schicksal der Hochwasseropfer in Süd- und Ostdeutschland genommen", erzählte Sylvie Thormann von der Touristik GmbH des Moor- und Mineralheilbades in der Region Teutoburger Wald. Die Vermieterin einer Ferienwohnung hatte im Juni die Idee gehabt, Flutopfer und Helfer zu einem kostenlosen Aufenthalt einzuladen - das stieß auf breite Zustimmung. Nicht nur Quartiere wurden kostenlos zur Verfügung gestellt, sondern auch alle anderen Angebote. "Wir wollten, dass die Familien sich nach diesen schrecklichen Wochen bei uns richtig erholen und ablenken können", erklärte Thormann.

 

 

"Eine tolle Aktion und sehr gut organisiert", lobte Ivonne Fichtner. Eher schwer gefallen sei es ihnen, das alles anzunehmen, erzählte die dreifache Mutter. Doch man habe überall deutlich gespürt, dass alles von Herzen kam. "Das ist doch selbstverständlich, uns kann auch mal was passieren", habe ein alter Bauer gesagt, der die Gäste durch die Burg Dringenberg führte. Wenigstens für Momente abschalten und die Sorgen vergessen - das sei gelungen, bestätigte die Geithainerin.

 

 

Das Haus ihrer Eltern in Wickershain hatte das Hochwasser, wie berichtet, unbewohnbar gemacht. Noch ist nicht alles komplett fertig, doch Ende Oktober konnten Karin und Klaus Reimann, 74 und 69 Jahre alt, wieder dort einziehen. "Die beiden sind froh darüber", erzählte Ivonne Fichtner. Weitgehend aus eigener Kraft und mit Hilfe von Freunden haben Fichtners das geschafft - in ihrer Landwirtschaft ist dafür Einiges an Arbeit liegengeblieben.

Auf dem eigenen Grundstück stoppte das Hochwasser im Juni einen Zentimeter unter der Schwelle des Wohnhauses, im August machte sich die aufgesogene Feuchtigkeit der dicken Porphyrmauern dann bemerkbar. "Wir müssen das Haus nächstes Jahr ringsum trockenlegen und den Putz abhacken", erzählte die Geithainerin. Woher die Kraft dafür kommen soll - sie weiß es noch nicht.

 

 

Vor zwei Jahren war Fichtners Haus nach einem Brand unbewohnbar. Umfangreich saniert werden musste dann das Haus ihrer Eltern, die letztes Jahr eingezogen sind. Nachdem Klaus Reimann im Dezember einen Schlaganfall erlitt, hatte sein Schwiegersohn erst im Januar alles rollstuhlgerecht umgebaut. Im Juni hat die Flut das alles zunichte gemacht.

Doch auch bei Fichtners selber überflutete das Wasser am 8. Juni Hof und Nebengebäude, die dann vom Schlamm befreit werden mussten. Zusätzlich hatte Hagel den Schiefer des Scheunendachs glatt durchschlagen. "Die Fassade war wie sandgestrahlt", erzählte Bert Fichtner, erste Reparaturen sind unterdessen erfolgt.

"Dankeschön allen, die uns diesen Urlaub ermöglicht haben. Aber Danke auch noch einmal allen Helfern, die uns unterstützt haben", betonte seine Frau.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.11.2013
Inge Engelhardt

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