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Borna Seelsorger verlassen nach sechs Jahren die Lebensgemeinschaft „Arche Pegau“
Region Borna Seelsorger verlassen nach sechs Jahren die Lebensgemeinschaft „Arche Pegau“
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11:01 15.03.2016
Brigitte und Werner Goldschmid verlassen nach sechs Jahren die christliche Seelsorge- und Lebensgemeinschaft Arche Pegau. Quelle: Kathrin Haase
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Pegau

Nach sechs Jahren verlassen Brigitte (66) und Werner (63) Goldschmid die christliche Lebens- und Seelsorgegemeinschaft Arche Pegau, in der sie als Berater, Seelsorger und Hauswirtschafter tätig waren. Ihren bevorstehenden Umzug von Pegau ins oberfränkische Heiligenstadt hat das Paar auf einem originellen Faltblatt dargestellt, darauf stehen für Freunde und Bekannte ihre Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Zu sehen ist ein gelbes Ortsschild der kleinen Gemeinde im Landkreis Bamberg, während Pegau rot durchgestrichen ist. Im großen Abschiedsinterview sprechen die Goldschmids über ihren neuen Lebensabschnitt und die Zeit in Sachsen.

Wie leicht oder wie schwer fällt Ihnen der Abschied von Pegau?

Werner Goldschmid: Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Jetzt, wo es ans Verabschieden geht, merkt man, wie tief man hier verwurzelt ist und was einem das alles bedeutet.

Brigitte Goldschmid: Es ist schon ein bisschen Wehmut dabei, wenn man sagt: Das letzte Mal Altstadtfest in Pegau, das letzte Mal das und das letzte Mal das.

Warum ziehen Sie überhaupt weg?

Brigitte Goldschmid: Ich bin jetzt Rentnerin geworden und wir haben uns einen Ort für den Altersruhesitz gesucht. Unsere Überlegungen gingen erst in Richtung Berlin oder in das Rhein-Main-Gebiet, wo wir viele Jahre gelebt haben, aber dort haben wir nichts Geeignetes gefunden.

Werner Goldschmid: Eine gute Freundin hat uns auf das betreute Wohnprojekt Tabea in Heiligenstadt aufmerksam gemacht. Wir waren dort eine Woche zum Probewohnen, um die Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen, und es hat uns ganz wunderbar gefallen. Man hat einen einmaligen Blick über das Leinleitertal.

Brigitte Goldschmid: Wir möchten unseren Ruhestand genießen und nicht ackern bis zum Umfallen. Wichtig war uns auch, dass wir uns die Wohnung und die Umgebung selbst aussuchen und gestalten können, solange wir das gesundheitlich können. Wir haben uns ein halbes Jahr überlegt, was wir machen und wann wir es machen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen.

Gibt es irgendein Andenken oder Symbol, das Sie von Pegau mitnehmen werden?

Werner Goldschmid: Ja, Walter Zink (Mitbegründer der Arche Pegau d. R.) hat uns ein kleines Holzregal für unsere neue Wohnung gebaut. Darüber haben wir uns sehr gefreut.

Hatten Sie anfangs Schwierigkeiten mit dem sächsischen Dialekt?

Brigitte Goldschmid: Nein, das war schon in Ordnung. Eine Mitlebende hatte immer gesagt „Nu“ – und das habe ich mir mittlerweile auch angewöhnt. „Nu“, das klingt irgendwie lustig. Dann war uns mal aufgefallen, dass jemand am Telefon fragte: „Ist ihr Mann manchmal zu Hause?“ Oder im Supermarkt an der Kasse: „Haben Sie manchmal noch 20 Cent?“ Ja, manchmal habe ich 20 Cent. Über das „manchmal“ haben wir uns manchmal amüsiert. Wahrscheinlich ist das so eine Eigenart in Pegau.

Kennen Sie Modschegiebchen?

Werner Goldschmid: Nein, noch nie gehört.

Brigitte Goldschmid: Kenne ich auch nicht.

Das sind diese kleinen Käfer mit den schwarzen Punkten darauf.

Brigitte Goldschmid: Ach, Marienkäfer. Ja, die kenne ich.

In Sachsen sagt man Modschegiebchn dazu. Was werden Sie den Menschen in Ihrer neuen Heimat über Pegau und Ihre bisherige Arbeit erzählen?

Werner Goldschmid: Es war eine sehr intensive Zeit, herausfordernd, in der wir uns persönlich weiterentwickeln konnten. Vor sechs Jahren, als wir nach Pegau kamen, habe ich empfunden, dass Gott uns hierhergeschickt hat. Das denke ich auch heute noch. Wir haben uns mit Leib und Seele und Herz in der Arche eingebracht. Es gab natürlich auch Krisenzeiten, aber unterm Strich überwiegt das Gute.

Brigitte Goldschmid: Uns hat das Altstadtfest immer sehr gut gefallen. Als Arche hatten wir dort einen Stand betreut. Ansonsten haben wir die Kleinstadt und die Region sehr genossen und konnten von hier aus wunderbare Ausflüge und Urlaube in ganz Ostdeutschland unternehmen. Wir sind viel ins Erzgebirge gefahren, ins Elbstandsteingebirge, nach Rügen – das kannten wir noch gar nicht. Und Leipzig ist auch eine wunderbare Stadt, die hat uns sehr gefallen.

Wo sehen Sie Ihre Heimat?

Werner Goldschmid: Ich bin in Wernau bei Stuttgart geboren und aufgewachsen. Das Schwabenland ist schon ein starker Identifikationsfaktor für mich. Aber ansonsten bin ich eher heimatlos, habe viele Jahre in Berlin und im Rhein-Main-Gebiet gelebt. Heimat ist für mich da, wo Leute sind, die mich mögen.

Brigitte Goldschmid: Bei mir ist es ähnlich. Ich bin zwar in Erfurt geboren und habe dort auch ein paar Jahre gelebt. Aber meine Eltern sind noch vor dem Mauerbau mit mir nach München gezogen. Zu Erfurt habe ich leider keinen Bezug mehr, da fühle ich mich eher in München oder im Rhein-Main-Gebiet heimisch.

Werner Goldschmid: Die ersten Jahre in Pegau haben wir uns von Freunden und Bekannten immer eine Gelbwurst aus Hessen mitbringen lassen. Die gibt es hier nicht. Das ist so eine Art Brühwurst, die wir mit unserer alten Heimat verbinden.

Werden Sie weiter Kontakt mit der Arche in Pegau halten?

Werner Goldschmid: Ja, wir bleiben telefonisch und per E-Mail in Kontakt. Das ist ja heutzutage so einfach.

Arche Pegau

Die Arche Pegau ist eine christliche Seelsorge- und Lebensgemeinschaft mit Sitz in der Pegauer Bahnhofstraße 10. Sie ist dem Verein Burgarbeit in Grimma angegliedert und finanziert sich unter anderem durch eine eigene Holzwerkstatt, den Hofladen sowie durch Spenden und Benefizveranstaltungen, öffentliche Gelder fließen nicht. Gegründet wurde die Arche im Jahr 2003 von der Krankenschwester Hanna Zink und dem christlichen Psychologen Walter Zink, beide stammen aus Baden-Württemberg und sind bis heute in Pegau tätig. Unterstützt wurden sie zuletzt von dem Ehepaar Brigitte und Werner Goldschmid. Die Lebensgemeinschaft bietet Einzelpersonen, aber auch Familien seelsorgerische und überkonfessionelle Begleitung über einen längeren Zeitraum an. Ihre Hilfe richtet sich an Menschen in Lebenskrisen und Notsituationen (zum Beispiel bei Suchtproblemen, nach der Haftentlassung), mit seelischen Verletzungen oder psychischen Problemen. Mit Hilfe von festen Tagesabläufen, Gesprächen, Ruhezeiten, Andachten, gemeinsamem Arbeiten und gemeinsamer Freizeitgestaltung sollen sie wieder Halt im Leben finden.

Kontakt über Telefon 034296/49 98 58

Von Kathrin Haase

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