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Borna Seetaufe in Borna in Gedenken an Harald Krug
Region Borna Seetaufe in Borna in Gedenken an Harald Krug
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19:23 09.10.2018
Andreas Berkner von der Regionalen Planungsstelle Leipzig und Kathrin Ammermann, Vorsitzende der Naturförderungsgesellschaft Ökologische Station Borna-Birkenhain, enthüllen den Gedenkstein zu Ehren Harald Krugs. Dieser steht auf einem Aussichtspunkt mit Blick zum Harald-Krug-See. Quelle: Kathrin Haase
Borna/Bockwitz

Zwischen dem Bockwitzer See östlich von Borna und dem Harthsee bei Neukirchen liegt ein kleines Gewässer, dass auf Landkarten fast wie eine Nase aussieht: 33 Hektar groß, maximale Wassertiefe 5,90 Meter und ausschließlich durch den Grundwasserwiederanstieg geflutet, Brutgebiet von Drosselrohrsänger, Rohrweihe und Zwergtaucher sowie im Winter Rastplatz nordischer Gänse.

Den Namen von Harald Krug trägt nun ein Gewässer im Südosten der Bergbaufolgelandschaft Bockwitz – Eindrücke von der Namensgebung.

Ein 4,6 Kilometer langer Weg führt um das Gewässer mit seinen Röhrichtbeständen im Uferbereich, spärlich bewachsenen Sandflächen, Gras- und Krautfluren sowie Birken-Pionierwäldern. Eigentümer ist die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt mit Sitz in Dresden.

Dieser See trägt nun den Namen von Harald Krug. Quelle: Patrick Moye

Seit Dienstag trägt das Gewässer im Südosten der Bergbaufolgelandschaft Bockwitz den Namen Harald-Krug-See. Damit soll an den langjährigen Geschäftsführer der Ökologischen Station Borna-Birkenhain, Kreisnaturschutzbeauftragten und Vogelexperten erinnert werden, der im Oktober 2016 im Alter von 62 Jahren verstorben war.

Harald Krug mit gerade beringten Kiebitzen im Naturschaufenster Peres Quelle: Harald Lachmann

Der Groitzscher hatte sich zeitlebens für die Natur im Südraum Leipzig eingesetzt und bleibende Spuren hinterlassen, unter anderem mit dem Naturschutzzentrum Groitzsch, dem Natur- und Artenschutz im aktiven Tagebau und in der Bergbaufolgelandschaft, dem Naturschaufenster Peres oder den Beweidungsprojekten in Bockwitz und Deutzen.

Krug kannte das Restloch Südkippe genau

Das Restloch Südkippe, das nun seinen Namen trägt, kannte Harald Krug wie seine Westentasche. „Schon 1994 hat er hier Brutvögel erfasst“, erinnert sich seine Lebensgefährtin und Mitarbeiterin der Ökologischen Station, Annett Bellmann, „damals allerdings noch trockenen Fußes auf der Sohle des späteren Sees.“ Die darauf folgende Sanierung der Bergbaufolgelandschaft begleitete der Groitzscher aus naturschutzfachlicher Sicht und sorgte dafür, dass innerhalb der Böschungen geologische Fenster erhalten blieben, ebenso sandige Flächen als Lebensraum für seltene Tierarten.

Drängte auf Anlegen von Inseln und Beweidung von Flächen

Im nördlich liegenden Bockwitzer See drängte Harald Krug auf das Anlegen von Inseln – aus gutem Grund, denn seitdem brüten dort Möwen. Er knüpfte Kontakt zur Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, die mit dem Kauf des Restlochs und weiterer Flächen den langfristigen Erhalt sicherte, so Annett Bellmann weiter. Darüber hinaus lag ihm die Beweidung des Gebietes immer sehr am Herzen. Seit 1998 leben nun Schafe in der Bergbaufolgelandschaft Bockwitz, 2010 folgten Koniks (eine Ponyrasse) als tierische Landschaftspfleger und wenig später Taurusrinder.

Andreas Berkner hatte Idee für Namensgebung

Zur feierlichen Namensweihe versammelten sich am Dienstag mehr als zwei Dutzend ehemalige Kollegen und Weggefährten Harald Krugs am Nordufer des Sees. Die Idee dazu geht auf Andreas Berkner, Leiter der Regionalen Planungsstelle Leipzig, zurück. „Ich kannte Harald Krug seit 1992 und habe immer seinen Pragmatismus und sein unfassbares Wissen geschätzt.“ Jedoch sei es „nicht so einfach gewesen, in einem Land, in dem alles doppelt und dreifach geregelt ist, so eine Seetaufe durchzusetzen“, erläuterte Berkner. Doch der Planer stieß bei allen Beteiligten auf offene Ohren – von der Landesdirektion Leipzig über das Landratsamt bis zu den Anliegerkommunen Borna und Frohburg, den Flächeneigentümern sowie der LMBV.

Landesstiftung würdigt Krugs Wirken

„Wir haben es möglich gemacht, dass eines der Tagebaurestlöcher nun den Namen Harald-Krug-See erhält“, meldete sich auch Bernd Dietmar Kammerschen, Direktor der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, zu Wort. 470 Hektar sind seit 2001 in das Eigentum der Landesstiftung übergegangen. „Und dies ist vorrangig einem Mann zu verdanken: Harald Krug. Wir wissen nicht genau, welche Gestalt diese Flächen angenommen hätten, würden sie heute nicht dem Naturschutz zur Verfügung stehen.“

Auf einem Aussichtspunkt mit Blick zum Harald-Krug-See erinnert nun ein Findling mit einer Edelstahltafel an den Groitzscher Naturschützer.

Der Naturfreund Harald Krug

Wenn jemand das Attribut Naturbursche verdient, dann Harald Krug. Der gebürtige Groitzscher hatte immer die passende Jacke und Gummistiefel in seinem Jeep verstaut, das Fernglas um den Hals gehängt und die Kamera im Anschlag. Wind und Regen machten ihm offenbar nicht viel aus.

Auf seinen stundenlangen Touren auch stets griffbereit: das Beobachtungstagebuch. „Alles, was ich in der Natur sehe und höre, wird notiert, mit Ort, Uhrzeit und Datum und den Wetterverhältnissen“, sagte er in einem LVZ-Interview. „Ich kann damit eine lange Entwicklung darstellen und Aussagen über Bestandsentwicklungen machen.“

Die Verdienste des Groitzschers ziehen sich wie ein grünes Band durch den Südraum Leipzig. Seine Spuren hinterlässt er unter anderem mit dem Naturschutzzentrum Groitzsch, dem Natur- und Artenschutz im aktiven Tagebau und in der Bergbaufolgelandschaft. Mit der französischen Organisation Lo Parvi gelang Harald Krug Naturschutzarbeit sogar über Ländergrenzen hinweg. Und seit 1975 arbeitete er als Vogelwart auf der Insel Kirr, ein Naturschutzgebiet im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, wo seltene Vogelarten brüten.

Die Natur vor der eigenen Haustür war für ihn ein unermesslicher Schatz. Von Kindesbeinen an interessierte er sich für die Tiere und Pflanzen seiner Heimat und lauschte den Geschichten über seinen Urgroßvater Wilhelm, der als Vogelpräparator arbeitete.

Schon früh trat Krug in dessen Fußstapfen, wurde mit acht Jahren Mitglied der Schularbeitsgemeinschaft „Ornithologie und Naturschutz“ und gründete später die gleichnamige Fachgruppe in Groitzsch. „Mit unserem Biologielehrer sind wir oft in die Natur gegangen. Draußen hat er uns erklärt, warum das eine Eiche ist und keine Buche. Diese Erfahrungen bleiben für ein ganzes Leben. Man könnte mich mit verbundenen Augen in den Wald führen und ich wüsste genau, was da gerade für ein Vogel oder Froschlurch zu hören ist.“

Mit nur 62 Jahren starb der langjährige Geschäftsführer der Ökologischen Station Borna-Birkenhain, Kreisnaturschutzbeauftragte und Vogelexperte am 11. Oktober 2016 an Kreislaufversagen.

Von Kathrin Haase

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