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Seniorenzentrum Böhlen gibt Förderschülern eine Chance

Kooperation Seniorenzentrum Böhlen gibt Förderschülern eine Chance

Das Seniorenzentrum Böhlen kooperiert seit kurzem mit dem Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Leipziger Land, arbeitet eng mit dem Hort zusammen und trägt auch zur sogenannten Inklusion bei, indem es einer Förderschülerin ein Praktikum als Alltags- und Servicebegleiterin anbietet. Der Grund für diese besonderen Projekte: die Suche nach Fachkräften.

Mit dem Beruflichen Schulzentrum Leipziger Land hat das Seniorenzentrum Böhlen eine Kooperation geschlossen. Hintergrund: Fachkräftemangel. An deren Ausbildung ist auch Schulleiter Jörg Großkopf interessiert.

Quelle: Kempner

Böhlen. Das Seniorenzentrum Böhlen kooperiert seit kurzem mit dem Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Leipziger Land, arbeitet eng mit dem Hort zusammen und überrascht häufiger mit ungewöhnlichen Projekten wie mit dem Jahreskalender, für den einige Bewohner in andere Rollen geschlüpft sind. Nun trägt das Haus auch zur sogenannten Inklusion bei und bietet einer Förderschülerin ein Praktikum als Alltags- und Servicebegleiterin.

Die Förderschülerin Saskia Banas hat vom Seniorenzentrum Böhlen die Möglichkeit bekommen, ein Praktikum in der Einrichtung zu machen

Die Förderschülerin Saskia Banas hat vom Seniorenzentrum Böhlen die Möglichkeit bekommen, ein Praktikum in der Einrichtung zu machen.

Quelle: Sylvia Wohlfeld

Diese Anstrengungen haben einen ernsten Hintergrund: den Mangel an Nachwuchskräften. „Wir brauchen dringend Fachkräfte und sind immer auf der Suche. Deshalb muss das Haus zunehmend in Marketing investieren, um als Arbeitgeber attraktiv zu werden“, begründet der Einrichtungsleiter Thomas Niese. Derzeit absolvieren gerade einmal zwei Azubis ihre Ausbildung zum Altenpfleger. „Die Anzahl an Bewerbern für einen Ausbildungsplatz in den letzten zwei Jahren, seit dem ich hier arbeite, ist sehr gering“, sagt Niese. Vielmehr habe es sich mittlerweile bewährt, dass die Mitarbeiter im eigenen Freundeskreis für eine Ausbildung oder Anstellung in der von inter pares getragenen Einrichtung werben. Zukunftsträchtig sei der Beruf allemal, doch ein großes Manko sei die geringe Bezahlung.

Nun steht das Haus vor einer weiteren Herausforderung. Zum 1. Januar 2017 tritt das Pflegestärkungsgesetz in Kraft. Es sieht vor, dass die Pflegesituation von Menschen mit geistigen und seelischen Beeinträchtigungen – etwa bei demenziellen Erkrankungen – bei der Begutachtung künftig in gleicher Weise berücksichtigt wird wie die Pflegesituation der Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen. „Das ist an sich ein Schritt in die richtige Richtung, aber der Personalschlüssel wird nicht geändert“, macht Niese das Dilemma deutlich. „Für uns wird es nun noch wichtiger, ein umfangreiches Netzwerk aufzubauen, um Fachpersonal zu finden. Wir müssen unser Haus noch mehr im unmittelbarem Umfeld integrieren, vernetzen und auch mit Hilfe von Besonderheiten gut verkaufen“, erklärt der Einrichtungsleiter. Deshalb habe er zusammen mit dem BSZ eine Kooperation angestoßen. So kommen jeden Mittwoch zwei junge Männer, die im BSZ ein berufsvorbereitendes Jahr absolvieren, ins Seniorenzentrum, um im Hauswirtschaftsbereich berufspraktische Erfahrungen zu sammeln. Eine andere Praktikantin schaut über die Schultern der Mitarbeiter in der Küche und bei der Reinigung. Niese hofft, dass sich zukünftig Schüler auch für eine Ausbildung zum Altenpfleger entscheiden.

Trotz der stetigen Suche nach Fachkräften will die Einrichtung ein Thema umsetzen, das immer wieder gefordert wird: die Inklusion. So konnte die Förderschülerin Saskia Banas zwei Wochen lang die Betreuungskräfte unterstützen, indem sie mit den Bewohnern beispielsweise gesungen und gespielt hat. Die Inklusion ist in Anbetracht der fehlenden Fachkräfte eine zusätzliche Herausforderung. „Denn wir brauchen ja auch jemanden, der die Förderschüler anleitet und sie unterstützt“, sagt Sylvia Wohlfeld, Leiterin des Sozialen Dienstes im Seniorenzentrum. „Dennoch ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, Förderschülern diese Chance zu geben“, macht sie deutlich.

Das Praktikum von Banas kam auch den Bewohnern zugute. „Sie hatte viel Ruhe im Umgang mit den Senioren, war neugierig, was die Arbeitsabläufe betrifft, und war immer gut gelaunt“, sagt Wohlfeld. Die Werkstattarbeit sei für die Schülerin keine Option gewesen, sie wollte vielmehr mit Menschen arbeiten. „Und das hat sie so gut gemacht, dass wir sie auch jederzeit wieder nehmen“, betont Niese.

Von Julia Tonne

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