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Servicepauschale rund ums Essen treibt Regiser Kita-Eltern auf die Barrikaden

Stadtrat Servicepauschale rund ums Essen treibt Regiser Kita-Eltern auf die Barrikaden

Es gibt Ärger wegen des Essens in der neuen Kindertagesstätte „Regenbogenland“ in Regis-Breitingen. Dabei ist der Ersatzneubau noch nicht mal bezogen. Zahlreiche Eltern bestürmten Bürgermeister und Stadträte mit Fragen und Kritik zu einer Servicepauschale, die der Caterer einführt.

Arbeiten im Außenbereich der neuen Kindertagesstätte in Regis-Breitingen. Sie soll Ende November eingeweiht werden.

Quelle: Jens Paul Taubert

Regis-Breitingen. Die Bürgerfragestunde bei der Stadtratssitzung in Regis-Breitingen hatte am Donnerstagabend ihren Namen mehr als verdient – zeitlich gesehen. Inhaltlich kochte neben dem schon monatelang andauernden Thema Ausgleichsbeträge für das Sanierungsgebiet „Alt-Breitingen“ eine zweite Problematik hoch: die Servicepauschale fürs Essen in der neuen Kindertagesstätte, die Ende November eingeweiht wird. Zahlreiche Eltern protestierten gegen Mehrkosten für Dienstleistungen von 2,60 Euro am Tag und damit wohl 600 Euro im Monat. Sie verlangten dringend Aufklärung und Abhilfe.

Gut 50 Bürger bei der Stadtratssitzung

Der im Vorfeld ans Rathaus gerichtete Hinweis von Steffen Dorer, Sprecher der Bürgerinitiative Grundwasser und Kritiker der Sanierungsbeiträge, auf reichlich Besucher zur Sitzung hatte gefruchtet. Statt im schon beengten Schulungsraum tagte das Kommunalparlament gleich in der Sporthalle, sodass die reichlich 50 Bürger auf den Zuschauerbänken Platz nehmen konnten. Fast die Hälfte waren junge Mütter und Väter, die von Bürgermeister Wolfram Lenk (Die Linke) wissen wollten, warum sie und ihre Elternvertretung nicht einbezogen worden waren bei der Preisgestaltung rund ums Essen im „Regenbogenland“-Neubau. „So funktioniert das nicht“, betonte Rico Bergmann für die Entrüsteten.

Die Teuerung für die Eltern fällt sogar noch höher aus. Die nun drei Mahlzeiten am Tag kosten insgesamt 5,30 Euro statt der bisher 2,10 Euro fürs Mittagessen, so Bergmann, der Vater eines Jungen im Kindergarten und eines Mädchens in der Krippe ist. Der Bürgermeister entgegnete, dass dem Anstieg zwei Dinge zugrundeliegen, und verwies auf den Betreiber der Kita, den freien Träger Arbeiterwohlfahrt, als Ansprechpartner. „Zum einen ist es das neue Konzept der AWO zur gesunden Ernährung mit der Vollverpflegung bei Frühstück, Mittag und Vesper. Und dazu kommen die Dienstleistungen rund ums Essen.“ Der Caterer wollte im Neubau sein neues System „Cook & Chill“ einsetzen, das er in nächsten zwei Jahren überall einführen werde, so Lenk. „Deshalb haben wir uns gleich zur Übernahme entschlossen.“

Auf der Homepage des Unternehmens ist beschrieben, dass dabei am Vortag die Speisen in kleinen Mengen schonend und fast fertig gekocht und dann schockgekühlt (nicht gefrostet) werden; damit soll die Qualität bis zu 72 Stunden erhalten bleiben. Vor Ort werde dann in speziellen Öfen „endgegart“, ehe „frisch und hieß“ serviert werden kann.

Die Umstellung brachte mit sich, dass der Caterer Kücheneinrichtung, Geschirr und Besteck sowie Verbrauchsmittel selbst stellt – und eigenes Personal an der neuen Technik. Dafür werde eine Pauschale fällig, so Lenk, der Stadt gehöre nur der Raum. „Wir sind davon ausgegangen, dass die AWO das alles mit Ihnen abgestimmt hat. Beim großen Elternabend in der letzten Woche hat doch zudem ein Vertreter des Caterers das veränderte System vorgestellt.“ Und seien doch die Preise genannt worden. Was die Eltern vehement verneinten; zumindest hatten sie keine Gesamtsummen erfahren, lediglich einzelne Details, sagten sie jetzt.

Vorwurf: Elternrat bei Preisgestaltung übergangen

Immer neue Aspekte warfen die Mütter und Väter in die Debatte. Eine AWO-Mitarbeiterin gehe weg aus der Kita, und die Eltern müssten mehr für neue Kräfte zahlen. Der Elternrat sei bei der Preisgestaltung übergangen worden, obwohl im Gesetz seine Mitarbeit dabei gerade gefordert werde. Lenk: „Das trifft nicht für die Stadt zu, sondern die AWO.“ Aber, kam es aus dem Publikum zurück, die Kommune habe doch den großen Dienstleistungsvertrag mit dem Unternehmen abgeschlossen. Und die 1,60 Euro Servicepauschale fürs Mittagessen seien doch schon immer an das Unternehmen gezahlt worden, aber nicht von den Eltern. Wenn das bisher in den Elternanteilen bei den Betriebskosten drin war, warum steigen Letztere trotzdem, zumal die Stadt das Geld für die Kücheneinrichtung spart? Lenks Antwort, dass der Caterer die Preise kalkuliert habe und die Stadt sie nicht ändern könne, brachte nur höhnisches Gelächter. Immerhin sagte der Bürgermeister zu, dass er sich schnell um eine klärendes Gespräch mit Unternehmen, AWO und Elternvertretern bemüht.

Von Olaf Krenz

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