Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna So viele Angler wie noch nie – Würden Sie den Fischereischein bestehen?
Region Borna So viele Angler wie noch nie – Würden Sie den Fischereischein bestehen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:02 13.04.2018
Matthias Schmidt liebt Angeln seit Jahrzehnten. Hier steckt er Mais als Köder auf einen Haken. Quelle: Jens Paul Taubert
Anzeige
Groitzsch/Leipzig

 Die Groitzscher Anglerinsel ist ein schönes Fleckchen Erde. Frühlingsgrün sprießt, Buschwindröschen blühen, Vögel singen, Sonne lässt das Wasser des Flüsschens Schwennigke glitzern, in dem Karpfen, Hechte und Bleie leben. Am Ufer stehen Emma und Arthur mit zwei Angeln. „Guck mal, es hat einer angebissen, das Ding ist weg“, ruft Arthur und zeigt auf die Stelle, wo zuvor der Schwimmer war. Emma sucht mit den Augen die Wasseroberfläche ab und meint dann: „Nee, kein Fisch, da drüben ist jetzt dein Schwimmer!“

Arthur angelt zum ersten Mal, Emma ist schon ein kleiner Profi. Seit sie vier ist, nimmt ihr Vater Matthias Schmidt sie hin und wieder mit zum See oder Fluss. Die Sechsjährige hat zwei eigene Angeln, ist in der Nachwuchsgruppe des Vereins und gewann Bronze plus eine Tüte Gummibärchen, als sie bei einer Veranstaltung drei Fische fing.

Fünfzehn Steppkes begeistern sich in Groitzsch fürs Angeln

Fünfzehn Kinder sind seit kurzem beim Verein Elsteraue in Groitzsch. „Wir wollen uns intensiver um den Nachwuchs kümmern“, sagt Jugendwart Schmidt. Er warb in Schulen und Kindergärten und bringt den Steppkes einfache Grundlagen bei. Das läuft unter Schnupperangeln. „Wenn die Kinder etwas fangen, ist das schön, steht aber nicht im Vordergrund. Vor allem geht es um die Naturverbundenheit“, sagt der Jugendwart.

Jungangler Arthur und Emma auf der Anglerinsel in Groitzsch. Quelle: Jens Paul Taubert
Der 40-Jährige möchte die Faszination des Angelns an den Nachwuchs weiter geben. Er selbst liebt dieses Hobby. „Man kann dabei wunderbar abschalten, die Ruhe ist herrlich. Und mit jedem Wurf schmeißt man einen Sack Sorgen weg“, meint der Groitzscher. Er ist begeisterter Nachtangler, setzt sich oft und gern abends ans Wasser und packt erst morgens wieder seine Angel ein. Rund fünfzig Erwachsene gehören zum Verein Elsteraue, die Zahl sei seit Jahren stabil. Diesen Trend gibt es nicht nur in Groitzsch.

Sechzig Vereine im Landkreis Leipzig

Der Landkreis Leipzig hat rund sechzig Angelvereine, besonders viele in der Region Borna-Geithain, wo der Angelverband Leipzig 34 Vereine auflistet. Im Raum Grimma-Wurzen sind es 24. „Bei den Jugendlichen ist die Mitgliederzahl gestiegen, bei den Erwachsenen stabil geblieben“, sagt dessen Geschäftsführer Friedrich Richter. Seiner Meinung nach hängt das mit der guten Mischung aus Ruhe, Naturerlebnis und Fischfang zusammen. Auch habe die Entwicklung der Tagebauseen damit zu tun. Zudem sei Angeln im Verein bezahlbar. Bisher kostet es 100 Euro im Jahr, demnächst müsse auf 120 Euro erhöht werden.

Während es im ländlichen Raum auch kleine Vereine mit zehn Mitgliedern gibt, zählen einige Leipziger Vereine mehr als tausend. Es sei wichtig, Kinder dafür zu begeistern. Nach einer Pause im jungen Erwachsenenalter würden viele später zu diesem Hobby zurück finden. Gute Erfahrung habe man mit dem Schnupperangeln gemacht. Unkompliziert und ohne Mitgliedschaft können Mädchen und Jungen auf diese Weise den Angelsport kennen lernen. So sei die steigende Zahl in dieser Altersgruppe zu erklären.

Während viele Sport- und Kulturvereine über Mitgliederschwund klagen, haben Angler in Sachsen dieses Problem nicht. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie haben mehr als 72.000 Männer und Frauen einen Fischereischein, das seien so viele wie noch nie. Doch es gibt entschiedene Gegner dieses Trends.

Tierschutzaktivisten erstatten häufig Anzeigen

Die Tierrechtsorganisation Peta macht aktiv gegen Angler mobil. Auf ihrer Homepage gibt es dazu eine Themenseite mit den einleitenden Worten: „Wenn Sie das gelesen haben, werden Sie nie wieder angeln gehen“. Für die Tierschützer ist Angeln Tierquälerei. Sie verweisen auf den Schmerz, den die Fische empfinden. Kindern würde dieses Hobby schaden. Außerdem würden Fische Schadstoffe in sich tragen, sie zu essen sei gesundheitsschädigend. Die Organisation hat bereits Angler angezeigt, zum Beispiel einen Mann aus Ostfriesland, der bei Youtube viele Filme zum Thema hat.

Friedrich Richter reagiert darauf entspannt: „Das ist hohle Luft und eine Randerscheinung. Diese ganzen Anzeigen wurden wieder fallen gelassen.“ Angler würden im Gegensatz zu Katzen- und Hundehaltern ausgebildet. Überhaupt sei Angeln mehr als Fische aus dem Wasser zu holen. Er verweist auf die umfangreiche Pflege von Flüssen, Seen und Teichen. Um 8500 Hektar kümmere sich sein Verband, zu dem die Landkreise Leipzig und Nordsachsen sowie die Messestadt und der Altkreis Döbeln gehören.

Vermüllung der Gewässer ist ein Problem

Zudem sei Angeln ein jahrhundertealtes Kulturgut. Wichtig sei eine gute Öffentlichkeitsarbeit. Zum Beispiel mit dem Museum und Bildungszentrum Leipziger Fischwelt, das im September vergangenen Jahres öffnete und bisher 1200 Besucher hatte.

Die Vermüllung der Gewässer durch Badegäste machen dem 62-Jährigen viel mehr Sorgen als die Tierschutzaktivisten. Erst am vergangenen Sonnabend starteten die Angler einen Frühjahrsputz am Haselbacher See. „Da gab es wieder viel zu tun.“ Mehr Engagement fürs Ehrenamt sei ebenfalls immer wieder ein Thema.

Das kennen auch die Groitzscher, die mit ihrem Verein im nächsten Jahr 70. Jubiläum feiern. „Der harte Kern an Leuten, die regelmäßig was mit machen können, wird kleiner“, sagt Vereinschef Thomas Voigt. „Zur Wende waren das noch um die 30 Mitglieder, heute sind wir nur noch zehn.“

Bußgelder für Angler, die gegen Regeln verstoßen

Dabei gibt es auf der Anglerinsel viel zu tun. Bäume brechen in den Fluss. Vereinshaus, Bootssteg und Räucherofen müssen gewartet, Grünanlagen gepflegt werden. Bei all dem arbeitet man gut mit der Stadtverwaltung zusammen, lobt der 49-Jährige. Auch nach den zwei heftigen Hochwassern, als die Schwennigke durch die Vereinsbaude lief.

Ehrenamtliches Engagement ist nicht nur auf der Insel notwendig. Matthias Schmidt hat neben seinem Jugendwart-Posten auch den des Verbandsgewässeraufsehers. Das heißt: Er kontrolliert Angler. Damit sie zum Beispiel nicht in der Schonzeit Raubfische töten, „das wird hart geahndet“. Wer mit lebenden Köderfischen angelt, bekommt ein Bußgeld, „das ist Tierquälerei“. Generell würde er lieber ermahnen als Strafen durchzuziehen.

Der Groitzscher kennt noch längst nicht alle Angelstellen der Region. 43 Gewässer gibt es im Raum Borna, „darunter Dorfteiche, von denen ich noch nie gehört habe“. Ein Paradies für Angler, die Abwechslung mögen. In anderen Teilen Deutschlands sehe das ganz anders aus, „da können wir wirklich zufrieden sein“.

Von Claudia Carell

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Den Anwohnern im Böhlener Ortsteil Gaulis reicht es. Zunehmend wird die Dorfstraße in dem beschaulichen Ortsteil zur Rennpiste. Mit 70 durch eine 30er Zone ist keine Seltenheit. Doch Hilfe von Seiten der Stadtverwaltung lässt auf sich warten.

16.04.2018

Seit sechs Jahren bemühen sich Karen und Kay Poser um die Sanierung der alten Apotheke in der Helbigstraße 22 in Pegau. Doch die Denkmalbehörde hat an allen Vorschlägen etwas auszusetzen. Nun starten die Pegauer zusammen mit dem Architekturbüro Albus und der Stadtverwaltung einen letzten Versuch.

23.04.2018

Die meisten Leute steigen am Markt, in der Heinrich-Heine-Straße und am Bahnhof in die Busse des Bornaer Stadtverkehrs. Insgesamt zählt die Thüsac als Betreiber der Linien pro Jahr 360 000 Fahrgäste in der Stadt.

12.04.2018
Anzeige