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Borna Soko Leipzig: Filmemacher drehen auf dem Groitzscher Markt
Region Borna Soko Leipzig: Filmemacher drehen auf dem Groitzscher Markt
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00:21 29.10.2017
Wilde Fahrt in Groitzsch: Der Kameramann rollt mit seinem Aufnahmegerät auf einer Schiene dem Geschehen entgegen. Quelle: Mathias Bierende
Groitzsch

Ein junges Pärchen läuft eiligen Schrittes durch den herbstlich dekorierten Eingangsbereich. Der Herr und die Dame sind festlich gekleidet, vom Scheitel bis zur Sohle. In den Händen halten sie einen prall gefüllten Präsentkorb. Vor dem Hotel und Restaurant: mehrere Luxusautos sowie ein Schild mit der Aufschrift „Geschlossene Gesellschaft“.

In dieser Szene von „Soko Leipzig“ steuert das Paar auf das „Weiße Roß“ zu. Dort findet die Geburtstagsfeier statt, die mit einem tödlichen Unfall endet. Quelle: Mathias Bierende

Und doch ist es keine wirkliche Feier, die am Donnerstag im „Weißen Roß“ in Groitzsch veranstaltet wird. Vielmehr ertönen lautstarke Anweisungen: „Achtung, uuuund bitte!“, „Aus!“, „Noch einmal!“, „Zur nächsten Einstellung!“. Ein Kameramann rollt mit seinem Aufnahmegerät dem Pärchen entgegen. Scheinwerfer sorgen für die richtige Beleuchtung. Es herrscht rege Betriebsamkeit. Der Grund: Vor und im Gebäude werden Szenen für eine Episode der ZDF-Krimiserie „Soko Leipzig“ gedreht.

In dieser Szene von „Soko Leipzig“ steuert das Paar auf das „Weiße Roß“ zu. Dort findet die Geburtstagsfeier statt, die mit einem tödlichen Unfall endet. Quelle: Mathias Bierende

„Es geht um einen Unfall mit Todesfolge, der sich nach einer Geburtstagsfeier ereignet“, umreißt Toni Heye, Juniorproducer bei der zuständigen Produktionsfirma Ufa Fiction, beim Ortsbesuch den Plot. Einen Drehtag lang dient das „Weiße Roß“ als Kulisse für die besagte Feier. Warum? „Weil es ein rustikales, gemütliches Lokal außerhalb von Leipzig ist“, erläutert Heye. Genau danach habe das Filmteam intensiv gesucht. Übrigens: Der weiße Schriftzug mit dem Hotelnamen soll in der Endfassung zu sehen sein.

Rund 35 Personen sind für die Dreharbeiten vor und im „Weißen Roß“ in Groitzsch im Einsatz. Quelle: Mathias Bierende

„Das ist natürlich eine tolle Sache für uns und die Stadt“, freut sich Klaus-Jürgen Alexander über die Dreharbeiten, der zusammen mit seinem Sohn Michael die Geschäfte im „Weißen Roß“ führt. Es sei zwar schon einige Male in seinem Etablissement gefilmt worden – der gelernte Koch und Fleischer erinnert sich zum Beispiel an Aufnahmen für eine Sendereihe des MDR. „Aber jetzt ist der Aufwand viel größer.“

Gedreht wird hauptsächlich innerhalb des Gebäudes. Rund 35 Personen sind dafür vor und hinter der Kamera im Einsatz, kümmern sich um Licht, Ton, Maske und das Filmen. Andreas Penningh ist einer der Komparsen. Eine Tätigkeit, die er seit Jahren nebenbei ausübt, inzwischen etwas seltener. Bei der er stets neue Leute kennenlernt und die ihm deshalb viel Spaß bereitet, „obwohl man immer ordentlich Wartezeit mitbringen muss“.

Rund 35 Personen sind für die Dreharbeiten vor und im „Weißen Roß“ in Groitzsch im Einsatz. Quelle: Mathias Bierende

Schauspieler Hartmut Volle, in der Episode Chef einer Anwaltskanzlei, findet Gefallen an der Kleinstadt nahe dem Dreiländereck: „Der Markt ist wunderschön. Überhaupt macht mich Groitzsch sehr neugierig“, bekennt er mit einem Lächeln und spricht dann seinen Text wieder leise vor sich hin. Nicht anwesend ist der Hauptcast der Soko-Folge: Melanie Marschke, Steffen Schroeder und Marco Girnth. Letzterer hat dieses Mal sogar das Drehbuch selbst verfasst.

Wegen der Parkplatzsperrungen rund um den mit Lkws und Transportern gesäumten Marktplatz gibt es keinerlei Probleme. „Das läuft alles reibungslos“, weiß Constanze Koch von der Mitteldeutschen Filmdienst GmbH. Sie passt auf, dass jeder sein Auto richtig abstellt, erteilt zudem fragenden Passanten gut gelaunt Auskunft über das ungewöhnliche Geschehen. Ihr Fazit: „Die Groitzscher sind sehr freundliche Leute.“

Ein Kompliment, das die am Set erschienenen Bewohner gerne hören. Die tuscheln und diskutieren eifrig miteinander, machen Fotos, lachen, scherzen. „Komme ich jetzt dran?“, ruft ein Passant dem Regisseur entgegen. Christa Backofen findet, dass allerhand los ist. „Ich halte Ausschau nach bekannten Schauspielern“, sagt sie in einem flüchtigen Gespräch. Kurt Wirsig möchte sich ein bisschen umgucken, als Rentner habe er ja ausreichend Zeit. „In Groitzsch wurde schon oft gedreht“, erzählt er. „Wir haben schließlich viele altertümliche Orte und Gebäude – Wiprechtsburg, Wasserturm, Stadtmühle.“ Und das „Weiße Roß“, der älteste Gasthof der Schusterstadt, in dem seit dem 17. Jahrhundert das Wort Gastlichkeit groß geschrieben wird. Und der nun um ein Ereignis reicher ist.

Ein konkreter Sendetermin für die Episode „Zerbrochen“ steht noch nicht fest. Zu erwarten ist eine Ausstrahlung im Winter 2018/19.

Von Matthias Klöppel

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