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Borna Sommerfest mit Asylbewerbern in Borna
Region Borna Sommerfest mit Asylbewerbern in Borna
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20:33 22.07.2012
Vahida und Nager Amiri (re.) beim Fest am Witznitzer See: "Deutschland ist ein gutes Land, besonders für Frauen." Quelle: Franziska Herbst
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Seit Mai treffen sich alle zwei Wochen ausländische Interessenten und die Ehrenamtler im Jugendclub Borna-Ost, um Ideen zu entwickeln, wie die Situation vor Ort selbst verbessert werden kann.

Das meint allzu oft einen Heimalltag geprägt von unnötigen Erschwernissen. Es fehlen Informationen zu Anträgen, kompetente Betreuung, Möglichkeiten zur sozialen Interaktion und Mobilität. „Wir waren am Anfang völlig ohne Information", sagte Nager Amiri. „In den ersten Monaten hat uns niemand etwas über einen Sprachkursantrag gesagt." Die 23-jährige Afghanin lebt seit eineinhalb Jahren mit ihrer ganzen Familie in Hopfgarten in einer Vier-Zimmer-Wohnung, die sie sich mit einer anderen Familie teilt. Das heißt auch eine Toilette für neun Personen. „Wir haben viel miteinander gesprochen im Empowerment-Kurs und Spaß zusammen gehabt", sagt Nager in einem Mix aus Deutsch und Englisch. Für die schüchterne aber ambitionierte Afghanin sicherlich ein Schritt Richtung Integration. Die Familie Amiri hat eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, zieht bald in eine Wohnung in Leipzig und Nager wird dort den Realschulabschluss machen.

Der Verein Bon Courage arbeitet schon seit 2009 in den Asylbewerberheimen der Region. „Für viele Probleme sind wir die einzige Anlaufstelle", sagt Carolin Münch, die das Projekt mit ins Leben rief. „Uns ist aufgefallen, wie unselbstständig die Strukturen hier die Leute machen. Und wir wollten ihnen zeigen, welche Möglichkeiten sie haben, selbst etwas zu ändern." Im Workshop organisierte sich eine Gruppe, die eine gemeinsame Facebook-Seite erstellt, eine andere hilft bei Sprachkursanträgen. Von Asylbewerbern gestaltete Themenabende in einer Begegnungsstätte in Borna haben stattgefunden, eine Radioshow beim Leipziger Sender Radio Blau ist geplant.

„Die Selbstorganisation ist ein erster Schritt Richtung Partizipation", drückt es Valentina Campanella vom Interkulturellen Forum aus. Sie betreut als Psychologin die Workshops. „Wir haben glücklicherweise von Anfang an eine Kinderbetreuung eingeplant, deshalb sind auch viele Frauen gekommen." Vieles stehe für die kommende Workshop-Saison ab September noch auf dem Plan: Die dürftige Gesundheitsversorgung und Mobilität seien genauso Dauerthemen wie der häufig geäußerte Wunsch nach mehr sozialer Teilhabe.

Carolin Münch freut sich über die kleinen Veränderungen in der Zusammenarbeit mit den Behörden und in den Heimen, die sich in diesem Jahr – nach dem Heim-TÜV des Ausländerbeauftragten der Landesregierung Martin Gillo – ergeben haben. „Früher hat kaum jemand auf uns gehört, jetzt sucht man erstmals das Gespräch mit uns. Es geht insgesamt in eine positive Richtung", meint die Ehrenamtliche. Und natürlich freut sie das jüngste Urteil der Verfassungsrichter über das Asylbewerberleistungsgesetz.

Franziska Herbst

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