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Sorge um die Häuser an Baustelle in Böhlen

Sorge um die Häuser an Baustelle in Böhlen

Böhlen. Anwohner der Waldstraße in Böhlen sorgen sich um ihre Häuser. Als am Montag auf der Baustelle des Abwasserzweckverbandes Espenhain (AZV) die erste Spundwand in die Erde gerammt wurde, vibrierte der Boden.

"Keiner hat uns gesagt, was auf uns zukommt", kritisiert Stadtrat Peter Kratz (CDU), der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt. Um die Schwingungen um die Hälfte zu reduzieren, wird es nun Vorbohrungen geben. Die Spundwände werden nun nicht direkt in den Boden gerammt - ein Kompromiss, den die Stadt nach den Beschwerden vor Ort mit dem Bauherrn ausgehandelt hatte.

"So etwas erlebt man nicht alle Tage", sagt Mike Heyden. Der 47-Jährige wohnt mit seiner Familie seit September letzten Jahres in Böhlen - gleich gegenüber der Baustelle. "Die Gläser im Schrank haben sich nach vorn bewegt", erzählt der Selbstständige. Ein paar erschrockene Nachbarn seien sofort nach draußen gerannt. Die Lage entspannte sich erst, als die Arbeiten eingestellt wurden und es schlagartig ruhig wurde. Böhlens Bauamtsleiterin Katrin Aust hatte in der Bauberatung vor Ort auf eine Lösung gedrungen. "Es war nicht zumutbar für die Leute", erklärte die Rathaus-Mitarbeiterin gestern. Die Stadt bemühe sich, die Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Klar sei aber auch, dass eine sechs Meter tiefe Baugrube, die von Spundwänden begrenzt wird, nicht ohne Beeinträchtigungen entstehen kann. Eine andere Möglichkeit gibt es nach Aussagen des Geschäftsführers des AZV, Sven Lindstedt, nicht. "Ohne den Verbau von Spundwänden können wir nicht arbeiten", sagte er gestern auf Anfrage. Der sei in 14 Tagen beendet, dann werde es bei normalem Tiefbau ruhiger.

So könne mitten im Wohngebiet nicht gebaut werden, findet Kratz. Er erinnert sich an die Vorstellung des Projekts durch den AZV in einer Stadtratssitzung. Über die konkrete Umsetzung sei damals aber nicht gesprochen worden. Dann hätten wir anders diskutieren müssen, sagt der 53-Jährige. Es gebe genügend freie Flächen, die neue Anlage hätte auch woanders entstehen können. Er wolle der Stadtverwaltung keinen Vorwurf machen, aber bei Großprojekten sollte tiefer in die Materie eingedrungen werden. "Und die Bürger müssen von Anfang an mit einbezogen werden."

Er sorgt sich um neu gebauten Häuser. "Ich hatte Angst, dass Brüche entstehen." Ein älterer Herr aus der Siedlung habe sich bei dem Beben an Kriegszeiten erinnert. Vorsorglich zog Kratz seinen Anwalt zu Rate, der ihm versichert habe, dass die Firma bei Schäden in der Beweislast sei. Ein unabhängiger Gutachter müsse im Ernstfall tätig werden, sagt auch Heyden. Der Neu-Böhlener hat aber noch ein ganz anderes Problem auf seinem Grundstück: den Geruch. Bei Ostwind sei es besonders schlimm. Binnen weniger Sekunden sei der Gestank von der Abwasseranlage im Haus. Erst mit dem Einzug sei ihm klar geworden, dass er eine Investruine gebaut habe. "Der Wertverfall ist gigantisch", beklagt er. Der Verursacher müsse dafür haften. Mit der neuen Mischwasserbehandlungsanlage werde sich der Geruch deutlich minimieren, sagt Lindstedt. Dass es mal aus dem Schleusendeckel riecht, könne er aber nicht verhindern. Mit dem Vorwurf, nicht über alle Details vorab informiert zu haben, müsse er wohl leben. "Wir können es nicht allen recht machen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.03.2014
Saskia Grätz

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