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Borna Soziales Abseits ist der Nährboden
Region Borna Soziales Abseits ist der Nährboden
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21:41 28.09.2012
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Borna

Trägt die Arbeit mit den Heranwachsenden, die der Landkreis auf vielen Ebenen finanziert, demnach keine Früchte? Oberflächlichen Urteilen und verkürzten Sichten entgegentreten, das war das Ziel des Jugendhilfeausschusses, der sich erst vor dem Sommer und jetzt erneut mit der Jugendkriminalität befasste.

Die Draufsicht zuerst, einen Vergleich der Jahre 2002 und 2011 nämlich: In diesem Zeitraum sank die Zahl der 14- bis 21-Jährigen, die im Landkreis Leipzig leben, um 57 Prozent. Die Zahl der Straftaten, die dieser Altersgruppe zur Last gelegt wurden, reduzierte sich nur um 30 Prozent. Ein krasses Missverhältnis – oder?

Die reinen Zahlen spiegelten die Situation nur ungenügend wider, sagte Thomas Seiß, im Jugendamt für die Jugendgerichtshilfe zuständig. Dass die Entwicklungen derart auseinanderklafften, „liegt vor allem an Mehrfachtätern, an jenen, die Polizei und Staatsanwaltschaft als Intensivtäter bezeichnet". Dieses Klientel habe, das belege eine frühere Studie aus dem Landkreis Leipziger Land, zu 47 Prozent keinen Schulabschluss, zu 48 Prozent keinen Job. „Sie waren sozial extrem benachteiligt", so Seiß. Betrachte man diesen Aspekt heute bei jenen, die in der Jugendstrafanstalt Regis-Breitingen einsäßen, läge der Wert sogar bei um die 70 Prozent. Der Allgemeine Sozialdienst bestätige das aus seiner täglichen Arbeit, sagte Seiß: „Wir haben immer komplexere Problemlagen."

Das sei mitnichten eine Entschuldigung für kriminelles Tun, sondern vielmehr eine Handlungsaufforderung an die Gesellschaft: „Die müssen wir zurückholen, die müssen wir wieder einbinden und wieder teilhaben lassen. Das ist unser gesetzlicher Auftrag." Die Hilfen, die der Landkreis Jahr für Jahr finanziere, lohnten sich ohne Zweifel; abgesehen davon habe der Kreis den gesetzlichen Auftrag zu reagieren, bekräftigte der Mann für die Jugendgerichtshilfe.

Betrachtet man allein das vergangene Jahr, ist die Jugendkriminalität – gemessen an der Einwohnerzahl – in Kitzscher mit Abstand am höchsten: 18 Prozent der 14- bis 21-Jährigen wurden hier polizeibekannt, in Borna waren es 13,7 Prozent, in Grimma 11,7 Prozent. „Eine Momentaufnahme", so Seiß. Er warnt vor falschen Schlüssen: „Insgesamt bewegen wir uns im Rahmen dessen, was in Deutschland üblich ist." Die Frage nach aktuellen Zahlen für die sieben Sozialräume des Landkreises, die Jürgen Schmidt (CDU) aufwarf, konnte Seiß noch nicht beantworten: Für eine verlässliche Erhebung müsse man mindestens ein halbes Jahrzehnt betrachten können. Das starke Ansteigen der Mädchen-Kriminalität – binnen eines Jahrzehnts von 17,6 auf 27,3 Prozent – beunruhigte Christine Gerike (AG Freie Träger): „Warum ist das so?" Der Anstieg sei auffällig, bestätigte Seiß. Über die Ursachen sei man sich noch nicht im Klaren.

Nach der Effektivität der Angebote im Landkreis fragte Christian Kamprad (KAG der Wohlfahrtsverbände): „Reicht aus, was wir tun?" Jene, die auf geringem oder mittlerem Niveau kriminell seien, erreiche man, sagte Seiß: „Schwierig wird es bei den Intensivtätern." Zustände wie in Leipzig, wo eine Bande aus zum Teil strafunmündigen Kindern Geschäftsleute in Schrecken versetzte, sind nach Seiß’ Auffassung im Landkreis Leipzig nicht zu befürchten.

Ekkehard Schulreich

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