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Borna Sprengung: Letzter Teil des Kraftwerkes Thierbach fällt am Freitag
Region Borna Sprengung: Letzter Teil des Kraftwerkes Thierbach fällt am Freitag
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14:03 19.10.2016
Das Kraftwerksgebäude soll Freitagmittag auf einen vorbereiteten Wall aus Sand stürzen.  Quelle: Jens Paul Taubert
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Kitzscher/Thierbach

 Dreimal wird es am Freitag, 13 Uhr, kurz hintereinander laut knallen, dann wird die letzte jetzt noch weithin sichtbare Erinnerung an das Braunkohlekraftwerk Thierbach von der Bildfläche verschwunden sein. Der mächtige Zwischenbau, 207 Meter lang, 60 Meter hoch und zwölf Meter breit, wird gesprengt und soll umfallen wie ein übergroßes, dickes Brett. Während der Sprengung werden die Bundesstraße 95 und die Staatsstraße 48 bei Thierbach kurzzeitig gesperrt.

Der rund 60 Meter hohe und 200 Meter lange Mittelbau des ehemaligen Kraftwerkes Thierbach soll am 21. Oktober gesprengt werden. Schornsteine, Kühltürme und Kesselhaus sind bereits abgerissen worden.

Nachdem das Kraftwerk 1969 mit dem ersten von vier Kesseln in Betrieb gegangen war, lieferte es 30 Jahre lang Strom für die Region und gab Tausenden Menschen Arbeit. Nach der Stilllegung im September 1999 begann der schrittweise Abriss. Erst wurde im Jahre 2002 der 300 Meter hohe Schornstein gesprengt, vier Jahre später erfolgte der Abriss der vier Kühltürme. Der eigentliche Kraftwerkskomplex aus Maschinenhaus, Zwischenbau und Kesselhaus blieb bis 2014 unangetastet. Seitdem läuft der Abriss durch die eigens dafür gegründete Objekt Thierbach Gmbh.

300-Meter-Sicherheitsradius um das Gebäude

Während das flache Maschinenhaus von Baggern abgebrochen wurde, holte sich das Abbruchunternehmen Ruppert für die Kessel und den Zwischenbau Hilfe beim Sprengunternehmen Liesegang. Anfang 2013 machte Sprengmeister Michael Schneider erst aus einem, dann aus den drei restlichen Kesseln einen großen Haufen Schrott. Der wurde mittlerweile in der Firma Scholz in Espenhain aufbereitet. Die Fläche auf der Südseite des Kraftwerkes ist jetzt leer, Bagger und Raupen haben einen Wall aus Sand vorbereitet, auf den der Koloss stürzen soll.

Unvorstellbare 150.800 Tonnen ist der Stahlbetonbau nach Schneiders Berechnungen schwer. Weil so ein Bau nicht einfach wie ein gemauertes Gebäude in sich zusammenfällt, muss er auf die Seite gelegt werden. Neben dem Sandwall soll dabei noch ein Trick des Sprengmeisters die Wucht der Erschütterung, die umliegende Gebäude gefährden könnte, abmildern. Schneider wird nicht mit einer einzigen Detonation das gesamte Gebäude auf einmal zum Umsturz bringen, sondern mit drei um je zwei Sekunden versetzten Zündungen in drei Teilen.

Die Sprengung unterliegt wie schon im Januar und Februar vorigen Jahres einem strengen Sicherheitsregime. 16 Absperrposten sichern ab 11.30 Uhr einen Ring mit 300-Meter-Radius um das Gebäude. In dem Bereich darf sich während der Sprengung niemand aufhalten, weswegen auch die Großküche der Unternehmensgruppe Hänchen geräumt werden muss. Damit zuvor fertig gekocht und ausgeliefert werden kann, wird nicht eher gesprengt.

Sprengung gegen 13 Uhr geplant, B95 kurzzeitig gesperrt

Die B 95 ist zwar 900 Meter vom Kraftwerk entfernt und damit nicht direkt durch die Sprengung gefährdet. Die Polizei fürchtet aber, dass Kraftfahrer durch das Ereignis abgelenkt werden könnten, zumal über eine lange Strecke freie Sicht auf das Kraftwerk besteht. Deswegen soll der Verkehr gestoppt werden. Weil um die Zeit mit hohem Verkehrsaufkommen gerechnet wird, war die Polizei wegen des erwarteten Staus gegen den gewählten Termin. Allerdings braucht Sprengmeister Schneider mit seinen Leuten eine ganze Woche, um die 520 Bohrlöcher mit Sprengstoff zu bestücken. Deswegen blieb es bei Freitag, 13 Uhr.

Die Luftaufnahme vom 29.06.1999 zeigt die Kühltürme und den 300 Meter hohen Schornstein (l.) des sächsischen Kraftwerkes Thierbach südlich von Leipzig. Quelle: dpa

Die Sperrung der Bundesstraße geschieht mit Bauampeln. Sobald die gegen 12.50 Uhr auf Rot gestellt werden, wird die Polizei alle Fahrzeuge aus dem gesperrten Bereich herausdrängen. Halten dürfe hier niemand, sagt Einsatzleiter Detlef Hölzel von der Polizei in Borna. Kurz nach der Sprengung soll der Verkehr schnell wieder frei gegeben werden.

Am 6. Februar 2015 dauerte das länger als geplant, weil eine riesige Qualmwolke über die Straße zog. Das dürfte nach Ansicht des Sprengmeisters diesmal nicht der Fall sein. Das Gebäude stehe lange genug offen da, so dass der Wind viel Staub herausgeblasen haben sollte, so dessen Ansicht. Am Freitag kurz nach 13 Uhr wird man es wissen.

Von André Neumann

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