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Borna Stadtraben erzählen die Geschichte vom Kirchenschatz zu Rötha
Region Borna Stadtraben erzählen die Geschichte vom Kirchenschatz zu Rötha
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16:05 08.04.2018
Die Röthaer Stadtraben beim Dreh eines Trailers für das nächste Theaterstück mit Sirko Konrath von Regio TV Borna. Quelle: Gabriele Richter
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Rötha

Finanzielle Nöte kennt die Stadt Rötha nicht erst in der heutigen Zeit. Die gab es hier schon viel früher. Weswegen ein reicher Schatz eine tolle Sache wäre. Die Volkstheatergruppe „Röthaer Stadtraben“ taucht mit ihrem neuen Stück, das am 19. August aufgeführt wird, ganz tief ein in die Geschichte der Stadt. Sein Titel: „Die Ritter von Pflugk und der Kirchenschatz von Rötha“.

Vor vier Jahren widmeten sich die Theaterraben der Völkerschlacht im Jahre 1813. Zwei Jahre später entführten sie ihr zu hunderten zählendes Publikum ins Jahr 1883, als aus verdorbenem Apfelsaft Röthaer Apfelwein wurde. Diesmal, wieder zwei Jahre später, führt die Zeitreise noch viel weiter zurück, ins ausgehende Mittelalter. Damals spielte sich Spektakuläres in Rötha ab:

Es begann mit einem Ritterschlag. Heinrich der Beherzte machte 1473 den ersten Herren von Pflugk zum Ritter. Der übernahm daraufhin das Gut Rötha von einer Familie Birkigt, die offenbar verschuldet war. Doch auch den Herren von Pflugk brachten das Schloss und seine Ländereien keinen dauerhaften wirtschaftlichen Segen. Ihre Herrschaft endete mit einem Konkursverfahren und der Übernahme durch das Geschlecht derer von Friesen im Jahre 1592. „In diesen 119 Jahren ist in Rötha ganz viel passiert“, verkündet begeistert Gabriele Richter, die so etwas wie die Vordenkerin, Drehbuchschreiberin und Regisseurin bei den Stadtraben ist.

Als da wäre unter anderem der Bau der Marienkirche ab 1510, die eigentlich eine riesige Wallfahrtskirche werden sollte; die Bauernaufstände um 1525, die auch an Rötha und der Umgebung nicht spurlos vorbeigingen, weil ein Mölbiser Gastwirt hiesige Bauern zur Schlacht nach Frankenhausen führte; die Reformation, zu deren frühen Verfechtern wenigstens zwei aus dem Hause Pflugk wurden, die schon frühzeitig Martin Luthers Lehren verbreiteten. Außerdem geschahen in dieser Zeit zu Rötha Ränkespiele, Liebeleien, verbotene Schäferstündchen, Mord aus Liebe und eine Hinrichtung. Es wird auch darüber berichtet, dass die Pflugks keine guten Wirtschafter waren, und natürlich über den Schatz, der verschwand, durch Menschenhand verschwand.

Die Stadtraben Rötha bei einer Probe für ihr nächstes Stück. Mit dabei Bürgermeister Stephan Eichhorn (vorn, ganz in Weiß). Quelle: Gabriele rRchter

Das alles konnte Gabriele Richter in ein sechs Akte umfassendes Drehbuch schreiben, weil sie das Vertrauen des über 70 Jahre alten Hans-Jürgen Pflugk in Adelsleben (Niedersachsen) gewonnen hat. Der hatte 15 Jahre lang über die Geschichte seiner Vorfahren recherchiert und tausende Dokumente gesammelt. Die, die mit Rötha zu tun hatten, stellte er den Stadtraben zur Verfügung. Wofür allerdings mehrere Anrufe nötig waren und die Versicherung „dass wir hier etwas Ernsthaftes machen, auch wenn mal gelacht wird.“

Gelacht werden dürfte am 19. August sehr viel, wie auch schon während der Proben. Doch was kann es Ernsthafteres geben, als wenn ein echtes Volkstheater sich mit der Geschichte seiner Heimatstadt beschäftigt. Immerhin rund 50 Frauen, Männer und Kinder werden auf der Bühne stehen. Noch einmal so viele sorgen daneben und dahinter dafür, dass wieder hunderte Zuschauer ihren Spaß haben werden.

Und neben Angestellten, Arbeitern und Gewerbetreibenden werden auch ein paar Promis in Kostüme und Rollen schlüpfen. Voraussichtlich werden die Ex-Bürgermeister Jürgen Frisch (Espenhain) und Ditmar Haym (Rötha) wieder dabei sein. Auch das aktuelle Stadtoberhaupt Stephan Eichhorn wurde bei den Proben gesehen. Ganz besonders stolz sind die Stadtraben darüber, dass diesmal sogar Landrat Henry Graichen (CDU) mitspielt.

Wie es dazu kam, ist fast schon wieder eine eigene Geschichte. Graichen saß vor zwei Jahren als offizieller, geladener Gast im Publikum. Und war begeistert. So sehr, dass er, auch angesichts der mitspielenden (Ex-)Bürgermeister, die Bemerkung fallen ließ, er würde auch mal eine Rolle übernehmen. „So etwas darf man unserer Gabriele nicht sagen“, schmunzelt Achim Keil, ein Stadtrabe der ersten Stunde, noch heute. Denn die nahm den Landrat sogleich beim Wort und meldete sich bei dessen Sekretärin. Am nächsten Tag kam die Zusage, und der Chef des Landkreises wurde zu Georg von Sachsen (1471 bis 1539), auch Georg der Bärtige genannt.

„Die Ritter von Pflugk und der Kirchenschatz von Rötha“ – Theaterstück mit den Stadtraben, Sonnabend, 19. August, 16 Uhr, Schlosspark Rötha

Die Röthaer Stadtraben

Die Röthaer Stadtraben sind das, was man eine echte Volkstheatergruppe nennt. Die Laiendarsteller haben es sich zur Aufgabe gemacht Röthaer Geschichte und Geschichten auf die Bühne zu bringen. Gegründet hat sich die Interessengemeinschaft, zu der derzeit rund 40 Mitglieder zählen, nach dem ersten Stück, welches 2013 die Ereignisse in Rötha im Zusammenhang mit der Völkerschlacht zum Inhalt hatten. Alle zwei Jahre will die Truppe ein Geschichtsepos aufführen.

Im Jahr dazwischen produzierten die Stadtraben 2016 ein Singspiel mit rund 100 Kindern, das auf eben so viel Resonanz stieß, wie die beiden bisherigen Theaterstücke. Der Ort der Aufführungen ist so historisch wie der Inhalt der Stücke: der Schlosspark. Vor zwei Jahren sahen rund 500 Zuschauer die Aufführung.

Von André Neumann

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