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Borna Starke Schultern und offene Ohren für Jugendliche in Groitzsch und Pegau
Region Borna Starke Schultern und offene Ohren für Jugendliche in Groitzsch und Pegau
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05:02 11.04.2018
Pegaus Bürgermeister Frank Rösel gratuliert Jennifer Frischbier hier zur Eröffnung des Jugendbüros in der Breitstraße 23. Quelle: Andreas Döring
Groitzsch/Pegau

Hausaufgabenhilfe, Organisationstalent, beste Zuhörerin, Streitschlichterin und kreativer Geist – die Sozialarbeiterin Jennifer Frischbier hat in der offenen Jugendarbeit ein weites Betätigungsfeld gefunden. Seit Herbst 2015 betreut die 26-jährige Pegauerin das Jugendbüro Groitzsch-Pegau der Diakonie Leipziger Land. Mit unserer Zeitung sprach sie über ihre schönsten Momente, die zuverlässigsten Helfer und auch die größten Sorgen.

Jennifer Frischbier leitet die Jugendbüros in Pegau und Groitzsch. Quelle: Kathrin Haase

Sind Sie eine Art Jugendversteherin?

Viele vertrauen mir tatsächlich ihre Probleme an, die sie zu Hause mit den Eltern oder Geschwistern haben, in der Schule, mit Freunden, bei der Berufswahl oder bei Drogen- und Alkoholkonsum im Freundeskreis. Sie fragen mich dann um Rat, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen, ohne die Freunde zu verlieren.

Haben Sie immer eine Lösung parat?

Zunächst einmal ist Zuhören wichtig. Manchmal passiert das ganz nebenbei, während wir etwas anderes machen, basteln oder nähen zum Beispiel. Da kommt man unweigerlich miteinander ins Gespräch und findet oft auch gemeinsam Lösungen. Außerdem habe ich ein Netzwerk an Helfern an der Seite, wie Schulsozialarbeiter, Streitschlichter oder Berufsberater, an die ich die Jugendlichen bei Bedarf weiter vermitteln kann.

Seit 2015 beziehungsweise 2016 unterhalten sie die Jugendbüros in Groitzsch und Pegau. Wie kommen diese bei den Acht- bis 16-Jährigen an?

Viele Jugendliche aus den umliegenden Dörfern kommen gerne nach der Schule vorbei und verbringen hier ihre Nachmittage. Dann basteln wir zusammen, machen Hausaufgaben, kochen – erst vor kurzem hatten wir einen Sushi-Tag – nähen oder unternehmen Ferienausflüge ins Kino, zum Kanufahren oder zum LaserTag, ins Labyrinthehaus oder Belantis. Die Mädchen und Jungen äußern ihre Wünsche und ich versuche, sie möglich zu machen.

Als Alleinkämpfer ist das bestimmt nicht leicht...

Deshalb bin ich für Praktikanten immer sehr dankbar. Sie bringen frischen Wind rein und können mit anpacken. Erst kürzlich hatte ich eine angehende Erzieherin als Praktikantin, das war ein sehr schönes Zusammenarbeiten. Aber auch sonst kann ich auf die Hilfe der Städte Groitzsch und Pegau zurückgreifen, ich arbeite gut mit den Schulsozialarbeitern zusammen und tausche mich regelmäßig mit dem Arbeitskreis Offene Jugendarbeit im Landkreis und dem Jugendamt aus. Alleine gelassen wird man nicht.

Sie betreuen unter anderem die Jugendlichen vom Skatepark in Pegau. Wie ist hier die Stimmung, nachdem der Park mehrmals mutwillig zerstört wurde?

Gerade im vergangenen Jahr mussten wir einige Rückschläge verkraften und ich bin manchmal erstaunt, dass die Jugendlichen nicht einfach den Kopf in den Sand stecken. Während der Reparaturarbeiten an den Rampen waren Vandalen über das Gelände hergefallen und hatten für noch mehr Arbeit und Reparaturkosten als ohnehin schon gesorgt. Sie hatten Belegplatten und Baumaterial in den Mühlgraben geworfen, die danach natürlich unbrauchbar waren. Das hat die Jugendlichen ganz schön zurückgeworfen. Ich versuche dann, sie zu motivieren und zu ermutigen, weiterzuarbeiten.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Stadt Pegau hat Fördermittel über das europäische Leader-Programm für den Skatepark beantragt. Außerdem sind die Jugendlichen auf Spenden angewiesen und organisieren in diesem Jahr wieder ein kleines Musikfestival. Dabei berate ich sie.

Welche weiteren Projekte stehen auf Ihrem Zettel?

Ich plane jedes Jahr einen Graffiti-Workshop, nachdem die vergangenen so gut angekommen waren. Dieses Mal soll eine Wand an der Grundschule Groitzsch besprüht werden. Die Botschaft, die dahintersteht, lautet: Man kann auch legal sprühen, ohne Schaden anzurichten. Außerdem unterstütze ich den Jugendtreff in Kitzen, der perspektivisch einen ehrenamtlichen Betreuer sucht, sowie eine Streitschlichtergruppe am Hort Groitzsch. Zusammen mit den Schulsozialarbeitern in Pegau, Groitzsch und Elstertrebnitz wollen wir im Sommer wieder ein schulübergreifendes Fußballturnier ausrichten. Hier lernen sich die Jugendlichen auf ganz andere Art kennen.

Wie langfristig ist die Jugendarbeit angelegt?

Ich bin unbefristet angestellt bei der Diakonie, allerdings muss jedes Jahr beim Landkreis ein neuer Fachkräfteantrag für die Personalkosten gestellt werden. Ich bin sehr optimistisch, dass es immer weiter geht. Der Bedarf ist auf jeden Fall vorhanden.

Kontakt: Diakonie Leipziger Land, Jugendbüro Groitzsch-Pegau, Jennifer Frischbier, Telefon 0176/45911356, E-Mail jennifer.frischbier@diakonie-leipziger-land.de, Standort Groitzsch: Bahnhofstraße 47, Mittwoch und Donnerstag 13-17 Uhr, Standort Pegau: Breitstraße 23, Dienstag und Freitag 13-17 Uhr sowie nach Vereinbarung

Von Kathrin Haase

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