Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Sterbehilfe oder Ausschöpfung der Medizin: Ethikforum in Borna hilft bei Entscheidungen
Region Borna Sterbehilfe oder Ausschöpfung der Medizin: Ethikforum in Borna hilft bei Entscheidungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 14.02.2018
Jacqueline Lindner (li.) im Gespräch mit Besuchern des Ethik-Nachmittags. Quelle: Julia Tonne
Anzeige
Borna

Die Mutter lebt mit Alzheimer im Pflegeheim, Essen und Trinken verweigert sie, öffnet nicht den Mund, wenn sie etwas bekommen soll. Doch sollen die Angehören sie zwingen, wenigstens ein paar Schlucke zu trinken? Oder sollen sie der Mutter ihren Willen lassen? Ist es dann aber unterlassene Hilfeleistung? Und warum dürfen Ärzte und Schwestern selbst auf ausdrücklichen Wunsch eines Patienten keinen Cocktail verabreichen, der den ersehnten Tod bringt? Fragen wie diese stellen sich Angehörige und Patienten häufig, die Antworten jedoch sind schwierig. Aus dem Grund hat das Ethikforum der Bornaer Sana-Klinik erstmals einen Ethik-Nachmittag angeboten, bei dem diese Themen im Fokus standen.

Ethikforum will Ansprechpartner sein

„Wir wollen damit Türen öffnen, Ansprechpartner sein für diejenigen, die sich in einer Situation befinden, in der es keine Lösung Schwarz oder Weiß gibt“, sagt Jacqueline Lindner, Stationsleiterin der Neurologie und Mitglied im Ethikforum. Mögliche Themen könnten unter anderem Therapiebegrenzungen am Lebensende sein, die Aufklärung und Einwilligung bei nicht entscheidungsfähigen Patienten sowie ein Schwangerschaftsabbruch, wenn sich herausstellt, dass das ungeborene Kind mit Schädigungen auf die Welt kommen wird.

Seit 2011 bereits besteht das Ethikforum der Sana Klinik, zu ihm gehören Pflegekräfte und Ärzte genauso wie Therapeuten und Sozialarbeiter, Seelsorger, Juristen und Lehrer. „Aufgabe ist es, in ethischen Konfliktfällen im Klinik-Alltag Hilfe und Unterstützung in der Entscheidungsfindung zu geben“, macht Lindner deutlich. Die Premiere des Nachmittags wurde bereits rege genutzt, etwa zehn Interessierte waren am Dienstag gekommen – entweder mit konkreten Fragestellungen oder um sich über das Ethikforum zu informieren. Ein Thema bewegte sie alle: aktive Sterbehilfe. „So, wie Tierbesitzer ihre Tiere einschläfern lassen, wenn diese sich nur noch quälen, muss man doch auch Angehörige gehen lassen dürfen, wenn sie sich den Tod wünschen“, erklärte eine Besucherin. Warum also sei es nicht möglich, dass Ärzte und Schwestern entsprechende Medikamente verabreichen? Was ethisch vertretbar scheint, gilt jedoch juristisch als Tötung. „Diese Fragen hängen zudem stark mit der Geschichte Deutschlands zusammen – Stichwort Euthanasie“, betonte Andreas Neumert, Richter im Ruhestand und Mitglied des Ethikforums. „Ein Mensch kann heutzutage kaum noch ,normal’ sterben, rechtliche und medizinische Entwicklungen stehen dem entgegen.“

Ethik-Nachmittag künftig zweimal im Jahr

Wobei mit der Patientenverfügung schon ein richtiger Schritt gemacht worden sei. „Es war ein langer Weg, aber mit der Verfügung wird der Wille des Patienten respektiert“, so könnten schwerkranke Patienten beispielsweise festlegen, dass sie im Falle eines Herzinfarkts nicht wiederbelebt werden wollen. Wie sich die Medizin in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat, machte der Bornaer Arzt Dr. Rudolf Jakobi deutlich: „Vor 30 Jahren kamen 60-Jährige nicht mehr ins Dialyseprogramm, heute werden 108-Jährige am Oberschenkelhalsbruch operiert.“ Doch eben genau das stelle Angehörige und Patienten gleichermaßen vor die Herausforderung, „richtig“ zu entscheiden. Die Besucherin machte abschließend eines deutlich: „Will ich mein Leiden beenden, muss ich mir die Hilfe im Ausland suchen.“

Der Ethik-Nachmittag soll nach Aussage von Lindner künftig zweimal im Jahr stattfinden. Darüber hinaus ist das Ethikforum unter der Telefonnummer 03433/211481 erreichbar.

Von Julia Tonne

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Kids in der Wurzelbude von Narsdorf haben die Süßigkeiten ganz hoch gehangen. Der bekennende Christ Thomas Zittier enttarnt versteckten Zucker in Lebensmittel. Fastenzeit bedeutet für die Menschen im Landkreis Leipzig 40 Tage Verzicht. Dabei setzen sie unterschiedliche Prioritäten.

11.03.2018

Die wenigsten Bornaer wissen, wer Felix Heynig war. Dabei gilt der Künstler, der vor 130 Jahren geboren wurde, als bekannter Tierzeichner. Das Museum seiner Heimatstadt widmet ihm nun eine Ausstellung. Deutlich wird: Er malte nicht nur Tiere und war wohl an seinem Lebensende, fern der Heimat, ein trauriger Mann.

11.03.2018

Die ersten Störche sind zurück in der Region. Der Kamerahorst im Bornaer Ortsteil Thräna hat seit 30. Januar wieder einen Bewohner. Seit dem 31. Januar wartet ein Brutstorch auf dem Frohburger Horst auf die Rückkehr des Partners.

14.02.2018
Anzeige