Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -5 ° Schneeschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Sterbehilfe oder Ausschöpfung der Medizin: Ethikforum in Borna hilft bei Entscheidungen

Sana-Klinik Sterbehilfe oder Ausschöpfung der Medizin: Ethikforum in Borna hilft bei Entscheidungen

Wer hierzulande sterben will, darf es nicht. Kein Arzt, keine Schwester wird einen Cocktail hinstellen, schon gar nicht verabreichen, selbst wenn es ein Patient wünscht. Was aber ist möglich, wenn der Wunsch nach Sterben groß ist? Das Ethikforum der Sana-Klinik in Borna befasst sich genau mit diesen Fragen.

Aktive Sterbehilfe ist eines der Themen, mit denen sich das Ethikforum der Sana Klinik in Borna befasst.

Quelle: dpa

Borna. Die Mutter lebt mit Alzheimer im Pflegeheim, Essen und Trinken verweigert sie, öffnet nicht den Mund, wenn sie etwas bekommen soll. Doch sollen die Angehören sie zwingen, wenigstens ein paar Schlucke zu trinken? Oder sollen sie der Mutter ihren Willen lassen? Ist es dann aber unterlassene Hilfeleistung? Und warum dürfen Ärzte und Schwestern selbst auf ausdrücklichen Wunsch eines Patienten keinen Cocktail verabreichen, der den ersehnten Tod bringt? Fragen wie diese stellen sich Angehörige und Patienten häufig, die Antworten jedoch sind schwierig. Aus dem Grund hat das Ethikforum der Bornaer Sana-Klinik erstmals einen Ethik-Nachmittag angeboten, bei dem diese Themen im Fokus standen.

Ethikforum will Ansprechpartner sein

„Wir wollen damit Türen öffnen, Ansprechpartner sein für diejenigen, die sich in einer Situation befinden, in der es keine Lösung Schwarz oder Weiß gibt“, sagt Jacqueline Lindner, Stationsleiterin der Neurologie und Mitglied im Ethikforum. Mögliche Themen könnten unter anderem Therapiebegrenzungen am Lebensende sein, die Aufklärung und Einwilligung bei nicht entscheidungsfähigen Patienten sowie ein Schwangerschaftsabbruch, wenn sich herausstellt, dass das ungeborene Kind mit Schädigungen auf die Welt kommen wird.

Seit 2011 bereits besteht das Ethikforum der Sana Klinik, zu ihm gehören Pflegekräfte und Ärzte genauso wie Therapeuten und Sozialarbeiter, Seelsorger, Juristen und Lehrer. „Aufgabe ist es, in ethischen Konfliktfällen im Klinik-Alltag Hilfe und Unterstützung in der Entscheidungsfindung zu geben“, macht Lindner deutlich. Die Premiere des Nachmittags wurde bereits rege genutzt, etwa zehn Interessierte waren am Dienstag gekommen – entweder mit konkreten Fragestellungen oder um sich über das Ethikforum zu informieren. Ein Thema bewegte sie alle: aktive Sterbehilfe. „So, wie Tierbesitzer ihre Tiere einschläfern lassen, wenn diese sich nur noch quälen, muss man doch auch Angehörige gehen lassen dürfen, wenn sie sich den Tod wünschen“, erklärte eine Besucherin. Warum also sei es nicht möglich, dass Ärzte und Schwestern entsprechende Medikamente verabreichen? Was ethisch vertretbar scheint, gilt jedoch juristisch als Tötung. „Diese Fragen hängen zudem stark mit der Geschichte Deutschlands zusammen – Stichwort Euthanasie“, betonte Andreas Neumert, Richter im Ruhestand und Mitglied des Ethikforums. „Ein Mensch kann heutzutage kaum noch ,normal’ sterben, rechtliche und medizinische Entwicklungen stehen dem entgegen.“

Ethik-Nachmittag künftig zweimal im Jahr

Wobei mit der Patientenverfügung schon ein richtiger Schritt gemacht worden sei. „Es war ein langer Weg, aber mit der Verfügung wird der Wille des Patienten respektiert“, so könnten schwerkranke Patienten beispielsweise festlegen, dass sie im Falle eines Herzinfarkts nicht wiederbelebt werden wollen. Wie sich die Medizin in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat, machte der Bornaer Arzt Dr. Rudolf Jakobi deutlich: „Vor 30 Jahren kamen 60-Jährige nicht mehr ins Dialyseprogramm, heute werden 108-Jährige am Oberschenkelhalsbruch operiert.“ Doch eben genau das stelle Angehörige und Patienten gleichermaßen vor die Herausforderung, „richtig“ zu entscheiden. Die Besucherin machte abschließend eines deutlich: „Will ich mein Leiden beenden, muss ich mir die Hilfe im Ausland suchen.“

Der Ethik-Nachmittag soll nach Aussage von Lindner künftig zweimal im Jahr stattfinden. Darüber hinaus ist das Ethikforum unter der Telefonnummer 03433/211481 erreichbar.

Von Julia Tonne

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Borna
Borna in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 62,44km²

Einwohner: 20.382 Einwohner (Dezember 2016)

Bevölkerungsdichte: 326 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04552

Ortsvorwahlen: 03433

Stadtverwaltung: Markt 1, 04552 Borna

Ein Spaziergang durch die Region Borna
  • Sportlerwahl
    Aktionslogo Sportlerwahl Landkreis Leipzig 2017

    Der Kreissportbund Landkreis Leipzig und die Leipziger Volkszeitung suchten die besten Sportler 2017. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2018
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 14. LVZ-Fahrradfest lädt am 29. April 2018 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Alle Infos zum Event finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • VDE 8 - Alle Infos und Fakten

    Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8: Hier gibt es Infos, Hintergründe und Fotos zum Thema. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr