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Straßenfeger Geschichte - vom Steinzeithaus bis zur Brandbombe

Straßenfeger Geschichte - vom Steinzeithaus bis zur Brandbombe

Vorträge über Heimatgeschichte sind in Groitzsch wie gute Kinofilme: ein Straßenfeger. So auch am Montagabend, als sich fast 100 Besucher im Vereinshaus Stadtmühle mit Zahlen und Anekdoten über die Ausgrabungen im "Schiefen Weg", über Groitzscher Mundart, das Lebenswerk von Albin Jahn und mittelalterliche Sprichwörter füttern ließen.

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Quelle: Stadt Groitzsch

Groitzsch. Wie einst Netzer und Delling beim Fußball, spielten sich auch hier zwei Meister ihres Fachs - Dietmar Schäfer und Roland Meyer vom Naturfreunde- und Heimatverein - die Bälle zu, sehr humorvoll, sehr spitzfindig, neckend, ironisch und augenzwinkernd.

Im Mittelpunkt stand Albin Jahn (1876-1967), der langjährige Groitzscher Ortschronist, der vier Systeme miterlebte - Kaiserzeit, Weimarer Republik, Drittes Reich, DDR - und dem es offenbar zu verdanken ist, dass Groitzsch 1945 nicht bombardiert wurde. Jahn schrieb über "Gott und alle Welt", stellte sein Nach-Nachfolger Roland Meyer belustigt fest, "über Geologie und Wiprecht, die Burg, das Wetter, die Handwerker, Kneipen und so weiter." Hinterlassen ist eine etwa zehn Kilo schwere, über Tausend Seite starke, handschriftliche Chronik, in die Meyer gerne seine Nase steckt. "Wenn ich etwas nicht weiß, schlage ich nach bei Jahn."

So steht unter anderem geschrieben, dass es im 17. Jahrhundert in Groitzsch ein überaus reichhaltiges Handwerkerleben gab. Die Schneiderzunft war damals am häufigsten vertreten, aber auch Apotheker und Bader, Böttcher, Goldschmiede, Winzer, Korbmacher, Müller, Nadler, Schuster, Spielmänner, Sattler, Ziegler, Tabak- und Tuchmacher.

Spannend war genauso die Zeitreise mit dem Ur- und Frühgeschichtler Dirk Blaschta, der die Grabungen im "Schiefen Weg" leitet. Seit Mitte März arbeiten er und ein Dutzend Grabungshelfer im Auftrag des Landesamtes für Archäologie auf dem künftigen Wohnbaugebiet für die Pödelwitzer Familien, die das Team gerne mal mit selbstgebackenem Kuchen überraschen - und hat schon Tausende Funde und Befunde ans Tageslicht geholt. "Mit einem Bagger haben wir als erstes den Mutterboden abgetragen, dann den Boden gesäubert und Unebenheiten beseitigt. Das ist sehr mühevoll." Archäologische Befunde erkennt er an den dunklen Verfärbungen im gelben Lößboden. "Wir haben hier sehr reichhaltiges Fundmaterial, das ist typisch für Groitzsch."

Die Grabungsfläche befindet sich 500 Meter von der Schwennigke und 1000 Meter von der Weißen Elster entfernt und war bereits in der Steinzeit um 5500 v.Chr. besiedelt. Unzählige Funde (Werkzeuge, Gefäße, Schmuck, Grubenöfen) sowie ein etwa 30 mal 6 Meter langes Haus, typisch für die linienbandkeramische Kultur, zeugen davon. Darüber hinaus entdeckte das Grabungsteam viele Relikte jüngeren Datums, etwa einen Pferdeschädel aus dem beginnenden 19. Jahrhundert oder eine mit Zeitungen vollgestopfte Flasche aus den 1940er Jahren. "Offensichtlich war das eine Brandbombe, die nicht zum Einsatz kam", mutmaßt Blaschta.

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 14. September, können interessierte Gäste die Grabungsstätte besuchen und mit dem Team ins Gespräch kommen. Geöffnet ist von 14 bis 16 Uhr.

Manfred Gießler, Vorsitzender des Heimatvereins Teuchern, übernahm den dritten Part zum Heimatabend in der Stadtmühle. Er sprach über die Entstehung von Sprichwörtern, etwa "Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen, Spinne am Abend erquickend und labend." "Es geht hier nicht um das Tier, sondern um die Tätigkeit Spinnen", klärte er auf. "Wer am Morgen schon spinnen, also arbeiten muss, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, hatte es nicht so gut. Besser dran war derjenige, der am Abend aus Freude und in der geselligen Runde spinnen konnte." Weitere Sprichwörter waren "Hinz und Kunz", "etwas besitzen", "blau machen" oder "Das kann kein Schwein lesen".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.09.2014
Haase

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