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Streifzug durchs Asylheim Thräna

Streifzug durchs Asylheim Thräna

Der Kühlschrank brummt ohne Unterbrechung, draußen rauschen Autos und Lastwagen vorbei, ansonsten ist es still. Kein Ton, kein Geräusch sind in dem kleinen Raum zu hören.

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Samir (Name geändert) teilt sich zwei Zimmer mit vier anderen jungen Männern. Die Doppelstockbetten waren ursprünglich auf beide Zimmer verteilt.

Quelle: Julia Tonne

Thräna. Das Zimmer ist spartanisch eingerichtet: ein Schlafsofa, ein Sessel, Plastikstühle, ein Tisch und ein Kinderzimmerteppich sind das ganze Mobiliar. Samir (Name geändert) sitzt auf einem Drehstuhl, den er auf der Straße gefunden hat, und wartet. Tag für Tag wacht der 34-Jährige auf, ohne zu wissen, was er heute tun kann.

Denn das Asylbewerberheim in Thräna ist für ihn weit weg von der Stadt Borna, ringsherum gibt es nur Felder und Wald. Zwar fahren Busse in die Kernstadt, doch die Tickets kann sich der gebürtige Pakistaner trotz Taschengeld vom Landkreis nicht leisten. Ein Fahrrad hat er nicht. Eine Aufgabe hat er nicht. Er wird nicht gebraucht, weiß nicht, womit er sich den ganzen Tag beschäftigen kann. "Ich warte nur darauf, dass ich eine Antwort bekomme, ob ich in Deutschland bleiben kann", erzählt er in fließendem Englisch.

Platz für 85 Flüchtlinge

85 Asylsuchende können in den zwei Häusern am Rande von Thräna untergebracht werden. Zwei Küchen gibt es in jedem Haus. Zum Duschen müssen die Bewohner teilweise noch in den Keller. Doch im ersten Gebäude sind in den Badezimmern bereits die ersten Duschkabinen entstanden. "In den nächsten Wochen werden auch in den anderen Badezimmern noch Duschen eingebaut", sagt Betreiber Georg Rhein, der im Sommer auch den Spielplatz erneuert hat. Allerdings leben im Moment keine Kinder hier, die Familien haben in den vergangenen Wochen Wohnungen in den Ortsteilen bekommen.

Samir und die vier anderen jungen Männer, die ebenfalls vor den politischen Bedingungen in Pakistan geflohen sind, teilen sich ein ehemaliges Kinder- und ein Wohnzimmer. In dem kleinen Zimmer stehen zwei Doppelstockbetten, das fünfte Bett haben sie selbst ausgeräumt, sich dafür ein Klappsofa organisiert und das Zimmer nach eigenen Vorstellungen eingerichtet. Spints, wie man sie aus Turnhallen kennt, dienen als Schränke. Neben ein paar T-Shirts und Hosen steht Geschirr in den Fächern.

Fahrt zum Deutsch-Unterricht

Adeel hat mehr Abwechslung. Da er unter 27 Jahre alt ist, kann er von Montag bis Freitag zum Deutsch-Unterricht nach Borna fahren. Eine Monatskarte hilft ihm auch dabei, zweimal in der Woche zum Boxtraining zu kommen. Samir hingegen wartet. Seine einzige Abwechslung sind Volleyballspiele, die der Verein Bon Courage alle zwei Wochen in der Turnhalle veranstaltet.

Konflikte bleiben in Thräna nicht aus, auch wenn der Betreiber bei der Belegung darauf achtet, Menschen mit gleichen Religionen und aus den gleichen Regionen zusammen unterzubringen. Probleme bereiten dem Betreiber und den Mitarbeitern das bei manchen fehlende Verständnis für Ordnung und Sauberkeit in den Küchen und Wohnbereichen. Manchmal bleibt Müll tagelang liegen und ist so Brutstätte für Ungeziefer. Auch der Umgang mit den zur Verfügung gestellten Möbeln ist nicht immer so, wie es sich der Betreiber wünscht.

Ärger für den Betreiber

Andere hinterließen, als sie Wohnungen bekamen, ein verdrecktes Zimmer, "aus dem Geschirr und Bettwäsche verschwunden waren". Von dem Geld, das der Betreiber pro Bett und pro Tag vom Landkreis bekommt, müssen alle anfallenden Kosten vom Lohn über Betriebskosten bis hin zu Reparaturen, Renovierungen und Ersatzbeschaffungen für Möbel, Küchengeräte, Bettzeug und Geschirr bezahlt werden. Dazu gehört auch die regelmäßige Schädlingsbekämpfung. Denn oft wird Ungeziefer mit den Möbeln vom Sperrmüll ins Wohnheim geschleppt.

Missen möchte der Betreiber, der oft vor Ort ist, die Arbeit in Thräna nicht. "Wir haben hier auch immer wieder schöne gemeinsame Stunden", sagt er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.12.2013
Julia Tonne

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