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Streik geht vors Arbeitsgericht

Streik geht vors Arbeitsgericht

Borna. Die Mitarbeiter des Edeka-Lagers in der Stauffenbergstraße haben auch gestern ihren Arbeitskampf fortgesetzt. Wie in den Tagen zuvor waren die etwa 270 Mitarbeiter in den Ausstand getreten, um ihren Forderungen nach Lohnerhöhungen Nachdruck zu verleihen.

. Dagegen geht die Arbeitgeberseite nun juristisch vor. Vor dem Arbeitsgericht Leipzig wird heute über die Verhältnismäßigkeit des Streiks verhandelt.

„Die Wessis arbeiten nicht mehr als wir", bringt Torsten Hannig die Stimmung unter dem Kollegen auf den Punkt. Er ist Kraftfahrer, spricht von „einem Land", in dem Lohnunterschiede nicht mehr zu rechtfertigen seien. In Kern gehe es um drei Prozent mehr Lohn sowie 55 Euro, die die Gewerkschaft Verdi rückwirkend für die Mitarbeiter im sächsischen Groß- und Einzelhandel verlangt. Eine Forderung, die auch vom Linken-Bundestagsabgeordneten Axel Troost, der ehemaligen Bornaer Landrätin und jetzigen SPD-Landtagsabgeordneten Petra Köpping sowie ihren Landtagskollegen Heike Werner (Linke) und Miro Jennerjahn (Grüne) unterstützt wird. Mit einem Besuch bei den Streikenden wollten sie „Solidarität" zeigen, wie es Köpping sagte. Sie verwies auch darauf, dass das Vertrauen der Belegschaft in die Geschäftsführung nach den langen Auseinandersetzungen um die geplante Verlegung des Lagers an die A 4 nach Berbersdorf gestört sei.

Köpping und ihre Abgeordnetenkollegen kündigten an, Berichten nachzugehen, denen zufolge Edeka die Arbeit im Bornaer Lager nicht nur mit Filialleitern, sondern auch mit Schwarzarbeitern erledige. Werner: „Da werden wir Druck machen."

Druck machen wollen auch die Arbeitgeber. Karsten Zobel, Geschäftsführer des Landesverbandes der Arbeitgeber Groß- und Einzelhandel/Dienstleistungen in Sachsen, verwies auf eine Klage, über die das Arbeitsgericht in Leipzig heute zu befinden hat. Edeka habe einen Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt, weil der Streik „ein unzulässiges Ziel" habe. Zudem erfülle der Ausstand den Tatbestand des Übermaßes, weil mit der Edeka Nordbayern/Sachsen/Thüringen ein Grundversorger bestreikt werde. Es handle sich nach vier Tagen zudem nicht mehr um eine Warnstreik, verlautbarte die Edeka-Geschäftsführung. In Sachsen sei der Gewerkschaft bereits am Montag schriftlich die Wiederaufnahme von Verhandlungen angeboten worden.

Von den sechs Lagern des Unternehmens wird nach Angaben von Zobel in zweien gearbeitet, während zwei weitere geschlossen wurden. Von dort würden die Arbeitskräfte zum Teil ins Lager nach Borna gebracht. Von heute an soll die Versorgung der Edeka-Märkte über das Lager Osterweddingen in Sachsen-Anhalt erfolgen.

Zobel kündigte auch an, dass die Arbeitgeber zu einem neuen Tarifangebot bereit seien. „Aber das unterbreiten wir natürlich nicht auf der Straße", sondern am Verhandlungstisch.

Für Verdi-Mann Thomas Schneider von der Bornaer Streikleitung sind das lediglich „Gerüchte". Es liege nichts schriftlich vor. Die Gewerkschaft entscheide derzeit von Tag zu Tag, ob der Streik fortgesetzt werde, „auch am Wochenende". Davor liegt heute allerdings die Entscheidung der Leipziger Arbeitsrichter.

Nikos Natsidis

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