Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Streit: Stadt will Röthas Heimatmuseum verkleinern
Region Borna Streit: Stadt will Röthas Heimatmuseum verkleinern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:02 04.05.2018
Die Stadtverwaltung Rötha will das Heimatmuseum entrümpeln und verkleinern. Hier ein Ausstellungsraum, der an das Schloss erinnert. Quelle: Jens Paul Taubert
Anzeige
Rötha

Bei ihren Bemühungen, Ordnung in städtische Angelegenheiten zu bringen, hat die Stadtverwaltung Rötha jetzt das Heimatmuseum ins Visier genommen. Dabei werden schwere Vorwürfe gegen dessen Betreiber, den Stadt- und Heimatverein, erhoben.

Kämmerin spricht von „Riesenchaos“

Die neue Kämmerin Heike Herzig spricht nach einem ersten Besuch im Museum öffentlich von einem „Riesenchaos“, das dort herrsche. Stadtratsmitglied Timo Müller (Fraktion Linke) hält dagegen und fragt: „Warum wird Vereinsarbeit mit Füßen getreten?“

Bürgermeister Stephan Eichhorn (parteilos) und seiner Kämmerin war es sichtlich unangenehm, dass Müller die Angelegenheit öffentlich machte. „Kein Mensch will das Museum oder den Verein in Frage stellen“, beeilte sich Eichhorn zu versichern.

Kunze: All zu harsches Vorgehen

Was ihm und vor allem Herzig offenbar nicht alle glauben. Dieter Kunze (SPD-Fraktion) warf der Kämmerin ein all zu harsches Vorgehen vor. Sie sei ins Museum reingeplatzt und wolle dort aufräumen, ohne die Arbeit des Vereins zu kennen.

Wie der erste Besuch der Kämmerin im Museum sich wirklich abspielte, wissen nur sie selbst, der Bürgermeister und ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Vereins, der dort die Öffnungszeiten mit absichert. Dass ihr das, was sie gesehen hat, nicht gefällt, daraus macht Herzig keinen Hehl.

Müller kontert Vorwurf Konzeptlosigkeit

Auf dem Dachboden, so steht es in einem Gesprächsvermerk, den mittlerweile alle Vereinsmitglieder kennen, würden überwiegend verstaubte wertlose Gegenstände lagern. Es fehle an einem Museumskonzept und es würden zu viele Räume belegt, mehr, als dem Museum zustünden.

Den Vorwurf der Konzeptionslosigkeit kontert Timo Müller ganz energisch: Das Museum sei „aufgeräumt und ordentlich“, sagt er. Außerdem habe der Chemiekonzern Dow die Einrichtung aus seinem Spendenprogramm heraus gefördert. Das wäre ohne Konzept gar nicht gegangen, ist er überzeugt.

Vereinschefin zeigt sich fassungslos

Heimatvereinsvorsitzende Bettina Wallasch erfuhr vom Besuch der Verwaltungsspitze im Museum erst, als der schon vorüber war. Danach wurde sie ins Rathaus geladen, wo sie sich gemeinsam mit Vorstandskollegin Ina Heise „ziemlich fassungslos“, wie sie sagt, die Vorwürfe und die Pläne der Verwaltung anhören musste.

Die Stadt, so viel ist sicher, will das Museum radikal verkleinern, und zwar „auf ein der Größe der Stadt angemessenes Maß“. Vermutlich sind damit ein Büro und zwei Lagerräume gemeint, die dem Verein in einem Mietvertrag von 2001 zugesprochen worden sein sollen. Eine noch ältere Vereinbarung über den Betrieb des Museums geht möglicherweise darüber hinaus.

Verwaltung handelt schon vor nächsten Gesprächen

Tatsächlich belegt das stetig gewachsene, 2001 gegründete Heimatmuseum einschließlich seines Fundus’ mittlerweile das gesamte einstige Gefängnis der Stadt hinter dem Mehrgenerationenhaus. Auf zwei Etagen sind Ausstellungsräume öffentlich zugänglich, im Keller und im Dachboden lagert gesammeltes Material.

Bettina Wallasch gibt sogar zu, dass der Boden ziemlich vollgeräumt ist. Doch einerseits ist es für einen ehrenamtlich tätigen Verein äußerst schwer, das über die Jahre zusammengekommene Material zu sichten und zu ordnen. Andererseits, sagt die Vereinschefin, brauche ein Museum auch „Räume außerhalb der Ausstellung“.

Schon vor den nächsten Gesprächen über die Zukunft des Museums beginnt die Verwaltung zu handeln. Was weggeschmissen werden kann, werde weggeschmissen, machte Heike Herzig auf der jüngsten Stadtratssitzung klar. Womit zunächst offenbar Akten gemeint sind, die die gesetzliche Aufbewahrungsfrist überschritten haben. „Mir tut das in der Seele weh“, sagt Bettina Wallasch, denn mit den Akten würde auch Wissen vernichtet über frühere Vorgänge in der Stadt.

Stadträtin fordert Dialog

Vermutlich macht die städtisch verordnete Entrümpelung bei den Akten nicht halt. Jedenfalls soll der Verein das Dachgeschoss und mehrere Räume leeren. Dafür bietet die Stadt „logistische Unterstützung“ an. Gemeint sind Schuttcontainer.

Alle Beteiligten sollten sich jetzt hinsetzen und miteinander reden, fordert Stadträtin Ursula Reich (SPD-Fraktion). Bettina Wallasch kann das nur unterstützen, denn: „Jedes Vereinsmitglied hat natürlich ein paar Fragen.“ Ob man sich so schnell findet, ist fraglich.

Suche nach Termin läuft

Bürgermeister Eichhorn verkündete im Stadtrat, er und die Kämmerin seien zu einer Vorstandssitzung eingeladen worden. Der Verein hatte aber eine Versammlung aller Mitglieder gemeint.

An den beiden vorgeschlagenen Terminen Mitte Mai hat Eichhorn Urlaub. Jetzt hat er seinerseits Termine angeboten.

Von André Neumann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Antidrogenzug Revolution Train stoppt am 18. und 19. Juni in Borna. Das Innenleben des silbernen Riesen hat es in sich: Jugendliche erleben darin Abteil für Abteil, wie eine Drogenkarriere enden kann. Der Zug stammt aus Tschechien und rollte bislang vor allem im Grenzgebiet gegen die zunehmende Ausbreitung der synthetischen Droge Crystal Meth.

04.05.2018

Zwei Wochen das Klassenzimmer gegen ein Büro oder eine Werkshalle tauschen: Für die Geithainer Gymnasiasten war Praktikumszeit. Johannes Stein, der als Nachwuchsreporter für die Bornaer Redaktion der LVZ unterwegs war, hat sich bei Mitschülern umgehört, was sie erlebt haben.

03.05.2018

Trotz Anbindung an das Leipziger Neuseenland, trotz stetigen Zuzugs in den Böhlener Stadtteil: Der Großdeubener Haltepunkt wird nicht barrierefrei umgebaut. Da konnte bislang keine Petition helfen.

06.05.2018
Anzeige