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Borna Studie zur Lebensqualität im Landkreis Leipzig: Bewohner haben Lust aufs Land
Region Borna Studie zur Lebensqualität im Landkreis Leipzig: Bewohner haben Lust aufs Land
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00:19 02.09.2017
Gesine Sommer vom Landratsamt im Landkreis Leipzig erläutert die Ergebnisse einer Befragung in kleinen Dörfern. Quelle: Olaf Krenz
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Pegau/Kitzen/Groitzsch

Das Landleben bereitet eher Lust als Frust. In der Elsterregion zumindest leben die Menschen gern in ihren sogenannten Kleinstdörfern. Mehr als 80 Prozent sind zufrieden mit ihrer Wohnsituation und haben eine große Bindung an den Ort. In Michelwitz (Stadt Groitzsch) und Scheidens (Stadt Pegau) gaben das sogar alle Haushalte in einer Befragung an. Die Studie im Auftrag des Landkreises wurde zudem in Nöthnitz (Groitzsch), Peißen (Pegau) und Kleindalzig (Stadt Zwenkau) durchgeführt. Allerdings haben die Bewohner trotz der positiven Sichtweise viele Anregungen für Verbesserungen, vor allem bei der Verkehrssituation, sowie die weitere Entwicklung insgesamt, hieß es am Dienstagabend in der Kitzener Nikolaikirche, wo die Ergebnisse der Studie vor 25 Besuchern vorgestellt wurden.

Drei Ansprüche hat der Landkreis für sein gesellschaftliches Le­ben, sagte Gesine Sommer, Leiterin der Stabsstelle des Landrats für Wirtschaftsförderung/Kreisentwicklung: unternehmerfreundlich, gastfreundlich und familienfreundlich, zu dem das aktuelle Projekt gehört. Gerade für Orte mit weniger als 100 Einwohnern, die Kleinstdörfer, gebe es einen besonderen Handlungsdruck. „Wir müssen uns mit ihnen beschäftigen, wenn wir sie erhalten wollen. Oder sollen wir abwarten, bis nur noch eine alte Oma da ist?“ 60 solche Dörfer gibt es im Landkreis. Für die Untersuchung wurden die drei Kerngebiete Pegau/Groitzsch, Thallwitz/Lossatal (im Norden des Kreises) und Colditz. „Das Projekt soll Ende September vorliegen und Handlungsmöglichkeiten für die Kommunen aufzeigen, ein Anschub für sein“, so Sommer. „Umsetzen müssen das dann die Städte und Gemeinden.“

Zunächst wurden statistische Angaben für vergleichbare Dorfprofile erstellt, erklärte Mandy Landmann. Nach dieser Sicht von außen hatte sie mit ihrem Planungsbüro Landmann aus Groitzsch für die Innensicht im April/Mai die Befragung in den fünf Orten durchgeführt. „Von 134 beteiligten Haushalten haben 60 geantwortet. Die Rücklaufquote von 45 Prozent richtig gut.“ Gab es in Michelwitz mehr ältere Teilnehmer, waren sie in Peißen und Scheidens eher jünger, in Kleindalzig waren mehrere Selbstständige darunter. Zudem hatten insgesamt etwas mehr Zugezogene als Gebürtige geantwortet, in Nöthnitz und Kleindalzig betrug der Anteil der „Neuen“ sogar 80 Prozent. „Wobei diese meist auch schon 20 Jahre im Ort leben“, so Landmann.

Mehr als 80 Prozent würden sich immer wieder für ihr Dorf entscheiden. Sollte das nicht möglich sein, dann aber auf jeden Falls für die ländliche Region. Als Gründe wurden Naturnähe, Ruhe und Platz zum Leben, dörfliche Wurzeln, die Möglichkeit des eigenen gärtnerischen und landwirtschaftlichen Anbaus, aber auch das eigene Grundstück sowie Heimatverbundenheit genannt. Einen Wegzug könnten sich die meisten höchstens aus Altersgründen vorstellen.

Sogar die Erreichbarkeit und die Möglichkeiten zur Versorgung, speziell in den benachbarten Städten, wurden als unproblematisch eingeschätzt – wenn ein Auto im Haushalt vorhanden ist. Ohne ein solches aber werde es schwierig. Und so gehört ein besserer Nahverkehr zu den nahezu überall genannten Erfordernissen. Bei Internet-Anbindung, Ausbau von Straßen und ihrer Beleuchtung, Bushaltestellen, Wasser- und Abwasser-Infrastruktur müsse auch mehr getan werden. Immer wieder, so Landmann, wurden auch Radwege gefordert. Hinzu kamen lokale Probleme, wie der Lärm der Stallanlagen in Nöthnitz, Raserei in Michelwitz, Grünpflege und Teichsanierung in Scheidens sowie die fehlende Bushaltestelle mit Sitzgelegenheit in Peißen.

Überschneidungen mit dem Projekt Kleinstdörfer hat das Modellvorhaben, auf dem Land langfristig Versorgung und Mobilität zu sichern. Annedore Bergfeld vom Institut für Wirtschafts- und Regionalentwicklung, Leipzig, sagte, dass über alternative Möglichkeiten nachgedacht wird: multiples Haus (Nutzungen von Arzt, Physiotherapeut bis Vereinstreff), Tante-Emma-Automat (etwa für Mehl, Zucker) und Einkaufsbus. Verkehrsplaner Arnd Bärsch vom Büro VKT Dresden sprach über den Entwurf „Leipziger Neuseenland“, der ähnlich wie „Muldental in Fahrt“ den öffentlichen Nahverkehr attraktiver gestalten soll.

Nach einer halbstündigen engagierten Diskussion in zwei Gruppen zog Mandy Landmann für alle das Fazit: „Kleinstdörfer sind kein Auslaufmodell.“

Von Olaf Krenz

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