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Süffiges auf der Schlossparkwiese - Rötha lädt zum Theaterspektakel

Süffiges auf der Schlossparkwiese - Rötha lädt zum Theaterspektakel

Manchmal wache sie nachts auf - mit Herzklopfen, erzählt Gabriele Richter. Dann kommen der Autorin Zweifel, ob alles gut gehen wird. Am 8. August ab 16 Uhr werden die "Röthaer Stadtraben" - eine im März vorigen Jahres gegründete Interessengemeinschaft - auf der Schlossparkwiese ihr neues Theaterstück präsentieren.

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Mit Leidenschaft dabei: Uwe Hermann verkörpert Karl Leber, Sandra Baldeweg seine Frau. Fotos (2): Andreas Döring

Quelle: Andreas Doering

. 40 Akteure, alles Laien vom Kind bis zum Rentner, wachsen dann bei einem Open-Air-Spektakel über sich hinaus. Das Stück möchte unterhaltsam und vor allem eins sein: authentisch. Denn die Röthaer spielen nicht irgendwas, sondern erzählen ihre Stadtgeschichte. Der 1127 erstmals erwähnte Ort hat davon reichlich zu bieten. Nach der 1813-Darstellung vor zwei Jahren geht es diesmal um ein recht süffiges Thema: die Geschichte des Röthaer Apfelweins anno 1882/1883. Fakt ist: Der Tropfen war dereinst über die Stadtgrenzen hinaus beliebt. Er soll recht herb gewesen, was dem Genuss des selbigen in 16 Gaststätten keinen Abbruch tat. Gebechert wurde halt schon immer.

Vor den Preis haben die Götter den Schweiß gesetzt. Im November begannen die Proben, die Termine stehen. Dienstagabend finden sich die Akteure im Volkshaus ein - ohne Wenn und Aber. Auch wenn es manchmal gar nicht passt. Bürgermeister Ditmar Haym kommt an diesem Abend gerade von einer Beratung des Zweckverbandes Trinkwasser. Binnen weniger Minuten muss er die Gefühle wechseln und in die Rolle des Bürgermeisters Günzel schlüpfen - der Amtskollege um 1880. "Es ist nicht immer einfach bei den vielen Abendterminen", sagt er und ist sofort wieder in der Gegenwart. Die Fusion mit Espenhain bringe viele zusätzliche Abendtermine mit sich. Dennoch habe er es sich nach der Premiere vor zwei Jahren nicht nehmen lassen, wieder mitzumachen. Urlaub? "Erst nach dem 8. August", sagt der zum Jahresende scheidende Stadtchef.

Hans-Joachim Keil brennt für das Projekt. Er wird Heinrich Freiherr von Friesen verkörpern - "eine sehr schöne Rolle". Er habe viel gelesen, um sich in das Leben des Freiherrn hinein zu denken. Bücher, Dokumente beim Heimatverein und im Kirchenarchiv stimmten ihn auf das Thema ein. Einige Probleme, etwa der Fachkräftemangel, seien wie heute, hat er bei seiner Lektüre festgestellt. Gleichwohl: Vieles sei für ihn neu gewesen. Zum Beispiel, dass Rötha Weltmarktführer bei der Haltbarkeit des gedörrten Obstes war. Garteninspektor Laemmerhirt hatte damals ein entsprechendes Verfahren entwickelt. Keil werde diesen Stoff verinnerlichen und umsetzen. Anders als die Rolle des russischen Zaren, in die er seit etlichen Jahren schlüpft, wenn Auftritte zur Erinnerung an die Völkerschlacht anstehen. In die Rolle sei er hineingewachsen. "Wenn ich die Uniform angezogen habe, bin ich Zar." Nun also Freiherr. Er nutzt die Zeit in der Truppe, um von der stressigen Arbeit abzuschalten.

Spaß steht auch für Susann (15) und Marleen (16) im Vordergrund. Sie spielen zwei Lehrlinge in der Gärtnerlehranstalt. Geschichte in der Schule sei leider nicht so interessant, bedauern die beiden Mädchen. Normalerweise sei auch "gärtnern nicht ihr Ding", aber für die Bühne schon. Selbst das Text lernen sei okay.

Auch Rolf Körner ist Wiederholungstäter und mit 90 Jahren der älteste Darsteller. Er mimt einen Kammerdiener, muss nicht sprechen, was ihm entgegenkommt. "Es ist ganz toll, zum zweiten Mal dabei zu sein", sagt der Senior, der am Tag vor der Premiere 91 Jahre alt wird. Mit 100 spiele er den Alterspräsidenten-

Regelrecht ins Schwärmen gerät Pedro Dannenberg. Die Rolle des kleinen Mönchs sei wunderbar. "Ich bin nur verliebt und ganz verrückt nach der (verheirateten) Rosenwirtin". Er habe nur einen kurzen Text, sonst hätte er nicht mitgemacht. Aber: Das Stück bietet auch Raum für den Sänger Dannenberg, er wird ein Liebeslied singen. Titel: "Dir gehört mein Herz" - Schlagerfreunde werden begeistert sein-

Wie auf den Leib geschrieben scheint die Rolle von Uwe Hermann. Der Architekt spielt Karl Leber, einen Zimmermann, der auf Drängen seiner Frau beim Freiherrn vorspricht und die Stelle des 1. Kellermeisters bekommt. Bar jeder Ahnung von der Herstellung des Obstweins scheitert er kläglich, gießt die stinkende "Plörre" schließlich heimlich in die Pleiße- "Ich kann das ausleben", sagt Hermann, allmählich sitze der Text. Den lerne er am Wochenende, bevor ihn die Kinder fordern-

Schon in der Probe sorgt er im Zusammenspiel mit seiner Frau für Momente zum Schmunzeln. Immer wenn es menschelt, wird es recht vergnüglich. Auch Frau Leber (Sandra Baldeweg), im wahren Leben übrigens eine angehende Oberumweltinspektorin, lebt ihre Rolle. Das sie ihrem Mann zum Umweltfrevel rät, ist fast schon ein Treppenwitz dieser Geschichte-

Gabriele Richter ist hochkonzentriert bei der Sache, mit dem 64 Seiten starken Manuskript in der Hand gibt sie Re­gieanweisungen, lässt bei Bedarf wiederholen, ermuntert "ihre Truppe, die spitze ist. Die Arbeit im Verein ist mein Motor", sagt die Röthaerin. Am Ende gibt es viel Lob, aber auch Kritik. "Die Einsätze gehen noch nicht", resümiert die Inhaberin eines Reisebüros. Auch die nächsten Wochen werden vom Theaterprojekt diktiert. Damit es noch besser wird. Sie hat die ganze Familie mit eingespannt. Gemeinsames Motto: "In Rötha theatert es eigentlich immer. Aber einmal aller zwei Jahre machen wir es öffentlich."

Durch eine Spende der Dow Olefinverbund GmbH von 15 000 Euro nahm das Projekt konkrete Formen an. Weitere Zuwendungen von der Kultur- und Um­weltstiftung der ­Sparkasse, der Kulturförderung des Landkreises und kleine private Spenden sichern die ­Finanzierung ab. Der Kostümverleih Nostalgie Gera wird mit "herrlichen Kostümen" für das passende Outfit der Darsteller sorgen. Benjamin Heyne übernimmt in bewährter Weise die Tontechnik .

Und dann braucht es eigentlich nur noch schönes Wetter. Der Draht zu Petrus ist hergestellt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.07.2015
Saskia Grätz

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