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Supermarkt bringt Lärm - begrünte Mauer soll neue Krippe schützen

Supermarkt bringt Lärm - begrünte Mauer soll neue Krippe schützen

Die Akteure rund um den Krippenneubau in Borna-Nord ringen um einen Kompromiss. Weil der kurz vor der Eröffnung stehende Discounter des Filialisten Netto die Lärm- und Emissionspegel verändert, muss jetzt nachgebessert werden.

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Mitarbeiter der Bornaer Maler GmbH bei Restarbeiten an der neuen Krippe in Borna, vorn Gerd Kschischan.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Das bestätigte das Kultusministerium des Freistaates Sachsen. Seitens der Behörde wird darauf verwiesen, dass das Landesjugendamt im Mai 2014 in das Verfahren zur Baugenehmigung zwar eingebunden war. Damals spielte jedoch der Einkaufsmarkt in unmittelbarer Nähe der Kinderkrippe noch keine Rolle. "Mit dem Bau des Netto-Verbrauchermarktes haben sich die örtlichen Gegebenheiten offenbar verändert", sagte Susanne Meerheim, Sprecherin im Ministerium. Deshalb werde in einem Betriebserlaubnisverfahren geprüft, ob die Bedingungen für die Betreuung der Kinder gegeben sind.

 

 

Auch das Landratsamt im Landkreis Leipzig sieht die Konstellation von Supermarkt und Kindereinrichtung kritisch. "Durch den in unmittelbarer Nähe errichteten Nettomarkt - genehmigt durch das Bauamt der Stadt Borna - haben sich die Bedingungen für die Krippe nicht verbessert", sagte Sprecherin Brigitte Laux. Problematisch seien unter anderem Lärmschutz, Schadstoffbelastungen und Belastungen durch anliegende Straßen und Parkplätze. Laux bestätigte einen Vor-Ort-Termin mit allen Beteiligten mit dem Ergebnis, ein sogenanntes Betriebserlaubnisverfahren einzuleiten. "Dabei sollten alle Beteiligten - so auch der Landkreis und die Stadt Borna - darauf hinwirken, dass im Spätherbst die Einrichtung eröffnet werden kann", so die Sprecherin.

 

 

"Derzeit gibt es Differenzen zum vorliegenden Lärmgutachten", umriss Daniel Lori, Geschäftsführer des Kreisverbandes der Volkssolidarität Borna und späterer Betreiber der Krippe, die derzeitige Situation. Er sei dennoch zuversichtlich, dass die Betriebserlaubnis erteilt werde. Seinen Angaben zufolge ist eine 1,80 Meter hohe Mauer zwischen Netto und Kinderkrippe geplant, die begrünt wird. Das Bollwerk soll die Kinder vor dem Schallpegel und Emissionen durch Anliefer- und Kundenfahrzeuge schützen. Auch der Freisitz vor dem Bäcker im Eingangsbereich des Marktes soll aus dem Sichtbereich der Kindereinrichtung verbannt werden. Obwohl hier kein Alkohol ausgeschenkt wird, ist das offensichtlich als Vorsichtsmaßnahme zur Wahrung des Kinder- und Jugendschutzes vorgesehen. Nach der Eröffnung von Netto soll es eine aktuelle Lärmmessung geben.

 

 

"Das sind alles keine großen Sachen", kommentierte Thomas Krüger das Vorgehen. Der Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft Espenhain hält als Projektsteuerer des Neubaus die Fäden in der Hand. Parallel zur Lärmschutzwand gebe es die Überlegung, jenen Teil der Pawlowstraße, der um die Krippe herum zur Robinienhofschule führt, in eine Anliegerstraße mit Tempolimit umzugestalten. "Die Zusammenarbeit mit den Ämtern ist angestoßen", sagte Krüger.

 

 

Seit Ende März wird auf einem privaten Grundstück an der Pawlowstraße eine neue Kindertagesstätte gebaut. Das Vorhaben hatte vor allem wegen der bislang selten praktizierten Eigentumsverhältnisse für Diskussionen in Borna gesorgt. So wird der Neubau auf privatem Grund und Boden, jedoch mit Fördermitteln von Bund, Freistaat und Landkreis errichtet. Bauherr ist die Bornaer Haus- und Grundstücksservice-Gesellschaft (BHG). Wie berichtet hat sich Inhaber Michael Niessen lange schwer damit getan, konkrete Auskünfte über die Wirtschaftlichkeit seines Unternehmens und den Eigenanteil an der 1,7 Millionen Euro schweren Investition zu geben. Die Stadt Borna unterstützt mit 700 000 Euro das Vorhaben. Zur momentanen Debatte um die Vereinbarkeit von Supermarkt und Kindereinrichtung an einem Standort wollte sich Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) trotz Anfrage nicht äußern.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.07.2015
Birgit Schöppenthau

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