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Borna Susanne Töpfer plaudert über ihre Karriere als Volkskorrespondent
Region Borna Susanne Töpfer plaudert über ihre Karriere als Volkskorrespondent
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20:02 07.05.2018
Susanne Töpfer aus Meuselwitz, ehemalige Volkskorrespondentin der Leipziger Volkszeitung, erinnert sich an ihre Karriere. Quelle: Jens Paul Taubert
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Regis-Breitingen/Meuselwitz

Förster wollte sie ursprünglich werden oder Tierärztin. Doch dann ging Susanne Töpfer, in Thräna aufgewachsen und lange zu Hause, in die Kohle, qualifizierte sich in Regis-Breitingen vom Industriekaufmann zum Ingenieurökonom.

Mehr noch als Zahlen aber lag ihr das Schreiben. Als 18-Jährige veröffentlichten die „Bornaer Nachrichten“ ein Gedicht von ihr, das dann auch in einer Anthologie erschien. Schon im Brotberuf und mit beiden Beinen im Leben stehend, wendete sich Töpfer nebenher schließlich dem Schreiben für Zeitungen zu, für die Betriebszeitung „Unser Weg“ ihres Braunkohlenwerkes (BKW) Regis, für die Leipziger Volkszeitung. Dort wurde sie eine von einem guten Tausend Vk. Ein Kürzel, das für Volkskorrespondent stand.

Berichte aus der Lebenswirklichkeit

Aus dem Betrieb und wenig geschönt aus der Lebenswirklichkeit zu berichten – Töpfer verstand das als Basisarbeit. Sie entdeckte Freiräume für sich, die die hauptberuflichen Parteijournalisten – die LVZ firmierte als Organ der SED-Bezirksleitung – so nicht hatten. Über Menschen schreiben, sei ihr immer ein Bedürfnis gewesen, sagt die 81-Jährige in der Rückschau. Als freie LVZ-Mitarbeiterin habe sie das nach der Wende noch deutlicher ausleben können: „Da ging es nicht mehr um die Sache.“

Vor ein paar Jahren legte sie Stift und Notizheft endgültig aus der Hand. Auf ihren Frühstückstisch in Meuselwitz gehört die Zeitung noch immer: „Das Lokale interessiert mich noch heute. Vieles andere ist Tratsch und nicht so mein Ding.“ Ein Aphorismus Georg Christoph Lichtenbergs hat Susanne Töpfer durch die Zeiten begleitet: „Wahrheiten, mäßig entstellt, sind oft die gefährlichsten Lügen.“ Aufgeschnappt hatte sie den kessen Spruch in den Siebzigern, als sie in der Wirtschaftsredaktion der LVZ einsprang. Das versucht sie zu beherzigen im Kreise des ehrenamtlichen Stadtredaktion Regis-Breitingen unter Arthur Skur, die der offiziellen Bornaer Lokalredaktion zuarbeitete.

Alle Veröffentlichungen aufgeleistet

Einmal sollte sie über ein Haus schreiben, das nur bis über die Schaufenster des Gemüseladens einen frischen Anstrich verpasst bekommen hatte. Ein Text, der den Fortschritt preisen sollte. „Das habe ich abgelehnt. Schönreden wollte ich nicht. Die Leute hätten mich ja ausgelacht.“ Zeitgleich zu ihrem Gedicht – eine Jugendepisode, die keine Folgen hatte - druckte die LVZ 1965 Töpfers ersten Beitrag - über eine Kulturkonferenz. Was sie schrieb, weiß sie nicht mehr; allerdings listete sie jegliche Veröffentlichung in einer Kladde auf bis zum Schluss: „Ich bin doch Buchhalterin.“

Gern hätte sie später Journalismus studiert. „Ich hatte aber Verwandte im Westen. Unterschreiben, dass ich alle Kontakte abbreche, das wollte ich nicht.“ Sie blieb Vk. „Wie Vergaserkraftstoff“ – das DDR-Wort für Benzin mit „Schmalspur-Ausbildung“, wie sie die Weiterbildungen ihres Standes nennt. Im BKW Regis hatte sie die Betriebszeitung mitgestaltet. Haupt- und Nebenberuf mit Familie und Kindern zu vereinbaren, war ein Kunststück, das in der DDR Aufgewachsenen allerdings durchaus geläufig war.

Freie Mitarbeit nach der Wende

Die Wende brachte 1992 das Ende für das BKW, in dem sie zuletzt Öffentlichkeitsarbeit machte. Altersübergangsgeld ließ sie nicht ins Bodenlose fallen. „Und eines Tages rief der Prenzel aus der Bornaer Redaktion an und fragte mich: Wie lange willst du dich noch ausruhen?“ Fortan war Susanne Töpfer vor allem an den Wochenenden unterwegs, schrieb über Feste, Vereine, das Freudbetonte. Sie genoss die Resonanz, die sie mit ihren Texten fand, die Unmittelbarkeit, die Teilhabe, den Austausch. In Wintersdorf, inzwischen Thüringen, saß sie während einer Ministerpräsidents-Visite mit Bernhard Vogel (CDU), Bürgermeister Thomas Reimann, einem alten Regiser, und dem freien Fotografen Erhard Franke in derselben Kutsche, um den Wandel des Dorfes zu besichtigen. Eine kleine Unaufmerksamkeit bei einem Stopp – und einer der Haflinger hatte Töpfers Notizen verspeist.

Über dem Küchentisch im Meuselwitzer Haus der Tochter, wo Susanne Töpfer heute lebt, markieren blaue und rote Stecknadel-Kuppen auf einer Weltkarte all jene Orte, die die umtriebige Frau in den neunziger Jahren und nach der Jahrtausendwende sich erschloss. Kein Kontinent ist ausgespart, selbst das unter Eis liegende Grönland ist markiert. Inzwischen schätzt sie – erneut – das Naheliegende, hält sich gern auf dem Grundstück einer befreundeten Familie im Nachbarort auf. „Alaska hätte ich gern noch gesehen. Aber hier bin ich wieder in der Kindheit angekommen. Ich fühle mich pudelwohl, wenn ich im Garten rummutteln kann.“ Gespräche über den Gartenzaun inklusive.

Von Ekkehard Schulreich

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