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Borna Tagebau vor einer Zäsur: Bagger greifen nach Peres
Region Borna Tagebau vor einer Zäsur: Bagger greifen nach Peres
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18:29 16.10.2013
Blick über den Tagebau Vereinigtes Schleenhain, der das Kraftwerk Lippendorf mit Braunkohle versorgt. Quelle: Thomas Kube
Neukieritzsch/Groitzsch

Wer regelmäßig zwischen Borna und Groitzsch pendelt, kann die Zeichen für das baldige Weiterrücken der Förderstätte schon geraume Zeit beobachten. Gehölze fielen der Motorsäge zum Opfer, Archäologen rückten an, Arbeiter verlegten Leitungen und auch die Bundesstraße 176, deren neues, sieben Kilometer langes Teilstück morgen für den Verkehr freigegeben wird.

Ursprünglich plante die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag), schon Ende 2013 in das Abbaufeld Peres einzugreifen. "Wir rutschen jetzt aber auf Anfang 2014", sagt Andreas Günther, Direktor Bergbau. Der Grund dafür liegt in der Nähe von Deutzen, wo die Mibrag den Tagebau erweitern durfte und Bagger zur Altkippe schickte. "In den schwierigen Böden haben wir länger gebaggert als geplant", gibt Günther zu verstehen. "Da haben wir ein Vierteljahr Zeit verloren", ergänzt der Leiter Bergbauplanung, Berthold Hofmann.

Fließender Übergang

Der Übergang vom Abbaufeld Schleenhain zum Abbaufeld Peres geschieht fließend. "Der Prozess, Schleenhain zu verlassen und dann nur noch in Peres zu arbeiten, dauert sieben Jahre", verdeutlicht Günther.

Nach einer mehrjährigen Umrüstung des alten Tagebaus Schleenhain befördern die Kohlebänder seit 1999 das braune Gold zum nahen Kraftwerk. "Derzeit bewegen wir uns jenseits der ehemaligen Ortslage Heuersdorf in den früheren Tagesanlagen", erklärt Hofmann. Das dortige Gebiet werde bis 2016 überbaggert. Voraussichtlich erst 2020/21 wird Schleenhain komplett ausgekohlt sein. Dann muss ausschließlich Peres das Kraftwerk Lippendorf, das mit seinen gefräßigen Öfen jährlich zwischen zehn und zwölf Millionen Tonnen Braunkohle verschlingt und in Strom und Wärme umwandelt, versorgen.

Bundesstraße mit Radweg, Hochspannungsleitung, Wasser- und Telefonleitungen - die Verlegungen sind mittlerweile abgeschlossen, so dass dem Weiterrücken des Tagebaus aus diesem Blickwinkel nichts mehr im Wege steht. "Anfang 2014 wird der erste Bagger von Schleenhain nach Peres umgesetzt", erklärt Hofmann. Bis dahin seien die Bandanlagen zu errichten, die den Abraum von Peres in den ausgekohlten Teil Schleenhains transportieren. Denn ehe an der alten B 176 zwischen Neukieritzsch und Pödelwitz die erste Pereser Kohle gewonnen werden kann, müssen die riesigen Baggerschaufeln den Abraum beiseite räumen. In Peres ist das Verhältnis von Abraum und Kohle mit 4:1 etwas schlechter als im Schleenhainer Feld (3:1), laut Günther ist das aber immer noch ein Spitzenwert ("Vattenfall und RWE haben ein Verhältnis von 6 bis 8, teilweise fast 10:1."). Anders ausgedrückt: In Peres müssen vier Kubikmeter Erdreich weg, ehe eine Tonne Kohle gefördert werden kann. Hofmann: "Wir beginnen von 2014 bis 2015, den ersten Schnitt in Peres zu entwickeln", danach werde dieser zuerst umgesetzte Bagger den zweiten Schnitt vorantreiben. So werde Baufreiheit für den sogenannten Massenverteiler geschaffen, ein Bauwerk, das die Kohle vom Abraum trennt und 2016/17 in Peres in Betrieb gehen soll. Erst damit kann die Kohleförderung beginnen. "So richtig geht die Kohlegewinnung in Peres aber erst ab 2020 los", verdeutlicht Hofmann.

Große Investition

So ein Wechsel des Abbaufeldes ist auch für die gestandenen Tagebau-Profis eine Herausforderung. Und eine nicht zu unterschätzende Investition. "Ein Baufeld-Umbau kostet richtig Geld, sagt Günther. Bagger sind umzusetzen, Bandanlagen und Masseverteiler umzubauen, Infrastruktur zu schaffen, Natur- und Artenschutz zu beachten, Wasserhebung zu organisieren-

Während derzeit fünf Tage rund um die Uhr die Lichter im Tagebau an sind, wird im Abbaufeld Peres sieben Tage die Woche gearbeitet. Grund sei das ungünstigere Abraumverhältnis, erklärt Hofmann. Alles in allem lagern 120 Millionen Tonnen Rohbraunkohle im Pereser Abbaufeld, in dem der erste Schnitt aus heutiger Sicht zwischen 2028 bis 2030 seine Entwicklungsgrenze erreichen wird. Zwischen 2034 bis 2036 wird das Abbaufeld dann ausgekohlt sein.

Zu diesem Zeitpunkt hat der Tagebau Vereinigtes Schleenhain schon seine nächste Zäsur hinter sich, denn dann wird das Abbaufeld Groitzscher Dreieck ausgebeutet. Etwa 70 Millionen Tonnen Kohle liegen zwischen Groitzsch und dem ehemaligen Tagebau Groitzscher Dreieck. Ein Sammelpunkt für die Massen wird Anfang der 2030er Jahre nördlich von Lucka im Tagebau entstehen. Mittels noch zu errichtender Bandanlagen, die die Schnauder bei Berndorf queren, werden dann Abraum auf die Kippe Peres und Kohle nach Lippendorf transportiert. Bis 2040.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.10.2013
Prenzel, Frank

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