Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Tagespflege in Borna betreut demenzerkrankte Senioren
Region Borna Tagespflege in Borna betreut demenzerkrankte Senioren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:03 09.05.2018
Advita Tagespflege in der Brauhausstrasse in Borna - hier selbstgebastelte Deko Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Wenn Reinhard (Name von der Redaktion geändert) morgens in die Räume der Tagespflege von Advita kommt, betritt er häufig Neuland. Mal weiß er, wo er ist, mal ist alles neu für ihn. Der 67-Jährige hat Demenz und wird an drei Tagen in der Woche in der Tagespflege betreut. Hier gibt es Sportstunden, Bastelnachmittage, Ausflüge, gemeinsames Kochen, Besuche von Therapie-Tieren. Für seine Frau Daniela ist die Einrichtung in der Brauhausstraße eine ungeheure Entlastung, sie hat Zeit für sich, kann in Ruhe einkaufen, zum Friseur gehen. „Ich kann schlicht mal durchatmen“, sagt sie. Zumal die Tagesgäste von zuhause abgeholt und nachmittags wieder zurückgebracht werden.

Einrichtung ist gewachsen

Seit mittlerweile 18 Jahren betreibt Advita die Tagespflege in Borna, zunächst bot der Pflegedienst 14 Plätze an, heute sind es in zwei Einrichtungen insgesamt mehr als 40. Tendenz steigend. „Die Nachfrage ist groß“, macht Niederlassungsleiterin Marion Kaube deutlich. Täglich erreichen sie zwei bis drei Anrufer, die sich nach freien Plätzen erkundigen. Entsprechend lang ist die Warteliste. Das betrifft auch die Wohngruppe der Demenzkranken, die hier rund um die Uhr zusammenleben. Auch sie sind Gäste der Tagespflege.

Die Gäste in der Bornaer Tagespflege helfen beim Streichen einzelner Teile des Brunnens in den Aussenanlagen- dabei hilft Praktikant Julian Berger Quelle: Jens Paul Taubert

Von 8 bis 16 Uhr sind die Mitarbeiter von Advita für ihre Tagesgäste da. Während Betreuungskräfte vorrangig für die Beschäftigung verantwortlich sind, kümmern sich Sozialassistenten und Altenpfleger um die Versorgung, duschen beispielsweise die Patienten und helfen beim An- und Umziehen. Weil die meisten Tagesgäste unter Demenz leiden, gibt es von Montag bis Freitag einen strukturierten Tagesablauf. Der Vormittag beginnt, wenn alle eingetroffen sind, mit einem gemeinsamen Frühstück, anschließend stehen verschiedene Beschäftigungen auf dem Programm, seien es Spaziergänge, die Vorbereitung von Festen, das Basteln von Dekorationen. Gemeinsames Kochen und Backen gehören ebenso dazu. Die Tagespflege hilft den Angehörigen noch in anderer Hinsicht, denn Hausärzte, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Friseure kommen in die Einrichtungen. „Die Organisation hier entsprecht der einer Großfamilie“, sagt die Pflegedienstleiterin Annett Augustin.

Strukturierter Tag hilft Patienten

Adam Stier wollte ursprünglich gar nicht in die Tagespflege, er hielt seiner Frau Gisela vor, ihn loswerden zu wollen. Doch nach gutem Zureden und einem ersten Versuch ging er gerne, „kam immer zufrieden am Nachmittag nach Hause“, sagt seine Frau. Dem Ehepaar taten die Auszeiten gut, „wir haben wieder viel gelacht, Gemeinsamkeiten aufleben lassen“, erzählt sie. Denn durch den Krankheitsverlauf sei doch vieles in Schieflage geraten, habe es immer wieder Streit gegeben. Ein halbes Jahr besuchte Stier die Einrichtung in der Brauhausstraße, dann starb er. „Aber die letzten Monate haben uns noch unglaublich viel gegeben, sind wir wieder eng aneinander herangerückt.“

Für viele Patienten ist die Tagespflege ein Gewinn

Auch die Zubereitung einzelner Speisen sind Programm in der Tagespflege. Quelle: Jens Paul Taubert

Auch für Daniela Z. ist es eine Erleichterung, ihren Mann in guten Händen zu wissen. Denn das Zusammenleben mit ihm sei mittlerweile eine Herausforderung. „Er ist oft mürrisch, läuft beim Einkaufen weg, vergisst unheimlich viel“, erzählt sie. Dass sich die Tagesgäste in der Einrichtung ganz anders geben als bei sich zuhause, wissen die Mitarbeiter. „Sie haben in gewisser Weise zwei Gesichter“, erklärt die stellvertretende Pflegedienstleiterin Jana Witt. Um so wichtiger sei es, mit den Angehörigen im Gespräch zu bleiben. Deshalb gebe es beispielsweise einmal im Monat eine überregionale Selbsthilfegruppe, die sich in Borna treffe.

Voraussetzung ist eine Pflegestufe

Die Tagespflege ist ein Angebot für Menschen, die einen Pflegegrad haben. Finanziert werde der Platz nach Aussage von Kaube sowohl über die Pflegekasse als auch über einen Eigenanteil. „Die Bedeutung der Tagespflege nimmt immer weiter zu“, sagt Doris Krumbholz, die in Groitzsch seit mehreren Jahren eine solche Einrichtung neben Seniorenresidenz und Pflegedienst betreibt. Dort gebe es derzeit zwölf Plätze pro Tag, wenige freie gibt es ab Mitte Mai. „Immer mehr Menschen wollen ihre Angehörigen solange wie möglich noch selbst betreuen, brauchen aber auch Auszeiten für sich“, sagt Krumbholz. Und genau da springe die Tagespflege ein. Wie oft in der Woche ein Tagesgast komme, hänge von den Wünschen der Angehörigen ab. „Manche wollen nur mal einen Tag in der Woche verschnaufen, andere wiederum brauchen mehr Zeit für sich, weil auch deren Gesundheit angegriffen ist.“

Bedarf lässt Unternehmen weiter wachsen

Eine Eingewöhnung, wie sie vorrangig Eltern aus Kitas kennen, gibt es in der Tagespflege nicht, „bei Demenz ist für die Betroffenen an jedem Tag wieder alles neu“, betont Kaube, „erst nach etwa zwei bis drei Monaten haben sie sich eingewöhnt, wissen sie, wo sie sind.“

Wegen der stetig wachsenden Nachfrage will Advita in den kommenden Monaten sowohl eine weitere Tagespflege als auch eine Demenz-Wohngruppe eröffnen. Derzeit würden passende Räumlichkeiten gesucht. Dann sei auch zusätzliches Personal erforderlich. Kaube geht davon aus, dass immer mehr Menschen versuchen werden, für ihre demenzkranken Ehepartner, Eltern oder Großeltern zunächst einen Platz in der Tagespflege zu bekommen. „Das Pflegeheim ist für die meisten noch keine Option – erst wenn es zuhause gar nicht mehr geht.“

Das nächste Treffen der Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz gibt es am Freitag, 18. Mai, um 15.30 Uhr in den Räumen des Advita Pflegedienstes, Brauhausstraße 1.

Von Julia Tonne

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Gotteshaus in Neukieritzschs Ortsteil Deutzen soll zur Ökokirche avancieren und sich dem Thema Umweltschutz widmen. Konkrete Projekte stehen Pfingstmontag im Fokus, eine Podiumsdiskussion ist geplant.

09.05.2018

Vier neue Drehleitern rollen in den nächsten Tagen in den Gerätehäusern von Borna, Grimma, Groitzsch und Wurzen ein. Voraussetzung für die Förderung ist, dass die Vorgängermodelle stillgelegt werden – selbst wenn sie andernorts noch gute Dienste leisten könnten.

09.05.2018

Der Alpakahof von Günter Bollbuck in Altengroitzsch lädt am 26. Mai zum ersten Hoffest ein. Interessenten können die Tiere füttern und durch einen Parcours führen. Jetzt bekamen sie einen Sommerschnitt.

08.05.2018