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Tanzgruppe Böhlen probt neues Zuckerwatten-Stück

Musik- und Kunstschule Ottmar Gerster Tanzgruppe Böhlen probt neues Zuckerwatten-Stück

Tanz wird seit Jahren in der Musik- und Kunstschule Ottmar Gerster groß geschrieben. Mehrere hundert Kinder und Jugendliche proben Woche für Woche. Mit Erfolg: Sie nehmen an Landes- und Bundeswettbewerben teil und fahren Jahr für Jahr zum Tag der Sachsen. Aber vor allem lieben sie das Tanzen und sind so froh, dass vor Ort Unterricht angeboten wird. Ein Besuch im Kulturhaus Böhlen.

Die sieben- bis neunjährigen Mädchen proben für den Zuckerwatte-Tanz.
 

Quelle: Andreas Döring

Böhlen.  „Husch, Zuckerwatte, zurück in die Startlöcher!“ ruft Tanzlehrerin Simone Viereder. „Wir üben das gleich noch mal!“ Die sieben Mädchen flitzen flink in die hintere Ecke des Raumes und tanzen erneut ihre schöne, süße und klebrige Geschichte. Luca springt begeistert über einen imaginären Jahrmarkt, sie kann sich gar nicht satt sehen an all den schönen Dingen. Da entdeckt sie einen Luftballon, welche Freude! Nun möchte sie etwas naschen und streicht sich behaglich über den Bauch. Schon kommt die Zuckerwatte heran geschwebt. Die kleinen Tänzerinnen bilden einen Topf, in dem bald das Zuckerwerk wirbelt – und klebt. Luca kommt kaum los davon. Und es schmeckt so gut...

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„Zuckerwatte“ heißt das aktuelle Stück der Tanzgruppe Böhlen der Musikschule Ottmar Gerster. Bei der Probe im Kulturhaus geben die kleinen Mädchen alles.

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Verbeugung. Die Tanzpädagogin applaudiert und lobt, hat aber Verbesserungsvorschläge. „Wie komme ich denn bei der Drehung nach unten, ohne den Rücken zu beugen?“, fragt sie. Die Mädchen grübeln eine Weile, dann meint Lilly: „In die Knie gehen vielleicht?“ – „Genau!“ Auf lustige Weise zeigt Simone Viereder, wie es nicht aussehen darf: krummer Rücken und Hintern heraus strecken. Die Tänzerinnen biegen sich vor Lachen. Beim nächsten Durchlauf klappt es besser.

Sieben bis neun Jahre alt sind die Kinder dieser Gruppe. Eine von elf Gruppen, die Woche für Woche im Kulturhaus proben. Tanz hat in Böhlen eine lange Tradition. Carla Schimmel, heute Chefin des Kulturvereins, engagierte sich dafür über Jahrzehnte. Nach der Wende nahm die Musik- und Kunstschule Ottmar Gerster die Tänzer unter ihre Fittiche. Mehr als hundert Begeisterte, die Jüngsten sind gerade mal vier, sind es allein in Böhlen. Hauptsächlich Kinder und Jugendliche, eine Erwachsenengruppe gibt es, sie nennt sich „Spätlese“. Dort trainieren vor allem Mütter von Tänzerinnen, die dieses Hobby so schön finden.

Traumberuf Tanztrainerin

Für Simone Viereder ist es ein Traumberuf. Mit elf Jahren entdeckte die Münchnerin für sich den Tanz, war hoch motiviert und trainierte jahrelang hart. Mit der staatlichen Ballettschule klappte es nicht, doch die junge Frau blieb bei ihrem Ziel, Tanz zum Beruf zu machen. Ihre Eltern waren davon gar nicht begeistert, die Tochter sollte einen „ordentlichen Beruf“ lernen. Also suchte sie sich etwas mit einer kurzen Lehrzeit aus, Bibliotheksassistentin, „das gibt es heute gar nicht mehr“, und studierte danach Tanzpädagogik. Mitte der 1990er Jahre kam sie nach Leipzig, seit 2002 unterrichtet sie in Böhlen. Man merkt der 39-Jährigen an, wie gern sie das bis heute tut.

„Ich möchte Freude an der Bewegung vermitteln“, sagt sie, „aber auch Teamgeist und Disziplin“. In der Schule gehe es ihrer Meinung nach zu oft um Einzelkämpfer. „Was passiert in einer Gruppe, wenn der eine den anderen nicht mag? Wenn der eine dicker oder dünner als die anderen ist? Die Kinder lernen beim Tanzen sich auszudrücken, ohne sprechen zu müssen.“ Zu Beginn war sie oft traurig, wenn eine Tänzerin nach einer gewissen Zeit aufhörte. Nach ein oder zwei oder fünf Jahren. „Doch heute sage ich mir: Die Kinder haben auf jeden Fall etwas mitgenommen“, so Viereder. Über Nachfrage kann sie sich nicht beklagen, sie braucht sogar eine Warteliste.

Jedes Jahr beim Tag der Sachsen mit dabei

Jahr für Jahr fährt sie mit Gruppen zum Tag der Sachsen. Das sei eine Tradition, die Carla Schimmel ins Leben rief. „Den Kindern und Jugendlichen macht das einen Riesenspaß dort zu tanzen und in Turnhallen und Klassenzimmern zu übernachten“, erzählt lachend die Pädagogin. Hinzu kommen Auftritte bei kleinen und großen Veranstaltungen. Höhepunkt im Tanzjahr ist „Let’s dance“ im Kulturhaus. Schon mal den 15. April vormerken! Jetzt am Sonnabend sind die Tänzer bei der Weihnachtsgala der Musik- und Kunstschule im Großen Saal zu erleben.

Luca Reckling

Luca Reckling.

Quelle: Andreas Döring

Lilly, Kim und Lisa – die drei sind in der dritten Klasse und tanzen schon seit einigen Jahren – finden das alles „ganz schön“. Mit unterschiedlichen Erklärungen. Kim: „Wir lernen immer neue Tanzschritte!“ Lisa: „Beim Auftritt haben wir tolle Kostüme!“ Lilly: „Unsere Erwärmung macht so viel Spaß!“ Das ist ein kleiner Tanz in Reihe, bei dem die Kinder mehrere Schritte kombinieren und zwischendurch improvisieren dürfen: Sie mimen eine Stellung, die der Partner nachahmen muss. Vornehmer Knicks, Standwaage, wütende oder coole Pose. Am Ende der Erwärmung springen Kinder und Simone Viereder gemeinsam in die Luft und rufen „Hurra!“.

Auftritt zur Weihnachtsgala im Kulturhaus

Vorm Tanzsaal wartet währenddessen Christian Meigen geduldig auf eines der Mädchen, die siebenjährige Romy ist seine Enkelin. Der Zwenkauer arbeitete früher als Musikerzieher, leitete Chöre und Fanfarenzüge. Er freut sich über dieses Angebot in Böhlen: „Die Tanzpädagogin macht das sehr schön, nicht nur fachlich, auch menschlich. Die Kinder sind begeistert. Da tanzen über hundert Leute bei einer Veranstaltung auf der Bühne, toll!“ Manchmal, wenn er zu Hause auf dem Klavier spielt, steht seine kleine Romy auf und tanzt, einfach so.

Tipp: Festliche Weihnachtsgala am Sonnabend im großen Saal des Kulturhauses Böhlen, 15 und 18 Uhr.

www.musikschule-leipzigerland.de

Von Claudia Carell

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