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Tatort in Lobstädt: Sechseinhalb Jahre Haft für Sexualstraftäter

Tatort in Lobstädt: Sechseinhalb Jahre Haft für Sexualstraftäter

Leipzig/Lobstädt. Er nahm den Schuldspruch ohne sichtbare Regung zur Kenntnis: Der 48-jährige Frank N. wurde am Donnerstag am Landgericht Leipzig zu einer Gefängnisstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt.

. Nach Ansicht des Gerichts habe er sich des sexuellen Missbrauchs an seinen beiden Stieftöchtern schuldig gemacht. Passiert war das alles in Lobstädt, später zog der Mann nach Borna um.

Dieses Verfahren habe berührt und schlaflose Nächte bereitet, sagte der Vorsitzende Richter Michael Dahms bei der Urteilsbegründung. Zum einen wegen der „unglaublichen Vorwürfe" – die Anklage war von jahrelangem sexuellen Missbrauch von Kindern in 776 Fällen ausgegangen –, zum anderen wegen der Zeuginnen und der alles entscheidenden Frage, ob deren Aussagen glaubhaft sind. Ihre Traumata allein seien kein Beweis für die Schuld ihres Stiefvaters. Zumal dessen Rechtsanwalt im Plädoyer erhebliche Zweifel vorgebracht hatte – nach Ansicht des Gerichts „beachtliche Argumente". Der Anwalt hatte angezweifelt, dass ein solches Geschehen über Jahre unbemerkt und ohne Gegenwehr der Kinder passieren könne.

Obwohl die Aussagen der inzwischen erwachsenen Frauen „gleichförmige Details" und „so gut wie keine Schildungen eigenen psychischen Erlebens" enthielten, ist die Kammer von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Andere Indizien sprechen gegen den ehemaligen Maschinisten für Tagebaugroßgeräte: Dass er pädophile Neigungen hat, wurde mit dem rechtskräftigen Urteil des Amtsgerichts Borna wegen der Verbreitung kinderpornografischer Schriften belegt. Ein früherer Arbeitskollege hatte geschildert, dass er sich auf Geheiß des Angeklagten von einem der Mädchen befriedigen ließ – ein glaubhafter Zeuge. Schließlich eine SMS des Angeklagten an eines der Mädchen mit der Bitte, ihn nicht anzuzeigen. „Ich habe große Scheiße gemacht. Es tut mir schrecklich leid", heißt es darin. Weitere Zeugen, die frühzeitig mit dem Missbrauch in Kindertagen konfrontiert wurden. Schließlich die „perfide Einlassung" des Angeklagten, einmal mit der Stieftochter geschlafen zu haben, weil sie es habe ausprobieren wollen.

Insgesamt hielt das Gericht 91 Fälle des sexuellen Missbrauchs für erwiesen. Ein Teil der angeklagten Taten ist verjährt, andere nicht mehr nachweisbar. Im Ergebnis sei das Urteil in Ordnung, sagte Anne Prestrich, Anwältin eines Opfers. Sie hatte für sieben Jahre Haft plädiert. Er werde in den nächsten Tagen über eine Revision entscheiden, sagte hingegen Pflichtverteidiger Karl-Heinz Linke. Sein Mandant hatte die Vorwürfe bis zu letzt bestritten und sich als Opfer eines Rachefeldzuges der Familie dargestellt.

Saskia Grätz

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