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Tauchaer Modellbahner retten Stefan Kreißlers Modellbahnwelt in Rötha

Modelleisenbahn Tauchaer Modellbahner retten Stefan Kreißlers Modellbahnwelt in Rötha

Für Stefan Kreißlers Modellbahnanlage in der Röthaer Schule ist jetzt endgültig Schluss. Ende März muss er raus. Die Modellbaufreunde Taucha übernehmen die Anlage, die gerade in mehrere Teile zerlegt wird, und retten sie damit.

Axel Köhler von den Modellbahnfreunden Taucha bereitet die Anlage für den Abtransport vor.

Quelle: privat

Rötha. Modellbahnlandschaften sind in der Regel nicht dafür gebaut, auf Reisen zu gehen. Das trifft besonders dann zu, wenn sie sehr groß sind. Die des Röthaers Stefan Kreißler ist sehr groß. Sie misst neun Meter mal fünf Meter in der Form eines begehbaren G und nimmt damit einen kompletten Raum im Obergeschoss der Grundschule Rötha ein. Dort muss sie raus. Und deswegen tun zwei Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Modellbahnfreunde Taucha dieser Tage das, was sie einer über mehr als zehn Jahre gewachsenen Modellbahnanlage eigentlich lieber ersparen würden: Sie nehmen sie auseinander.

Dass Kreißler aus dem von der Stadt gemieteten Raum raus muss, weiß er schon seit dem vorigen Jahr. Die Schule braucht den Platz. Ursprünglich war der Mietvertrag zum Jahresende gekündigt worden. Zuletzt gewährte die Stadt noch einmal Aufschub bis zum 31. März. Der Röthaer hat abgewartet, die Sache wohl auch einige Zeit verdrängt. Zwar wusste er, dass er einen Schnitt machen muss, doch zögerte er immer noch, mit dem Abbau zu beginnen.

Was sich im Nachhinein als richtig erwies. Den förmlich in letzter Minute fand er Kontakt zu den Modellbahnfreunden aus Taucha, die er vor ungefähr drei Wochen auf einer Ausstellung besuchte. Die zögerten nicht lange, waren schnell entschlossen, Stefan Kreißler zu helfen. „Wir tun das aus Wertschätzung für ihn, und es ist zugleich eine Freude für uns, ihm helfen zu können“, sagt Roberto Haufe, der Kopf der IG.

Viel schwieriger als der Entschluss zu helfen, ist dessen Umsetzung. Denn während die Tauchaer sich der modernen Modulbauweise verschrieben haben, bei der die Anlagen aus transportablen Segmenten zusammengesetzt werden, ist Stefan Kreißlers Anlage eine kompakte Platte, die man höchstens durchs geöffnete Dach als Ganzes aus der Schule bekäme.

Also muss sie getrennt werden, ganz profan gesagt: zersägt. In möglichst wenige Stücke, die klein genug sind, sie durchs Fenster nach draußen zu bekommen, und die sich später wieder gut zusammenfügen lassen. Drei Tage haben Haufe und Axel Köhler von der IG allein mit der Planung verbracht. Seit einer guten Woche sind sie bei der Arbeit. Erst wurden an den Schnittkanten dutzende Kabel und Drähte getrennt und für den späteren Wiederaufbau gekennzeichnet. Kleinteile wurden abmontiert, Fahrleitungen abgebaut. Danach wird gesägt. Für die fest auf die Platte geklebten Gleise kommt eine Spezialsäge zum Einsatz. „Das sind Profis“, sagt der Röthaer anerkennend, der natürlich auch selbst mit anfasst.

Die eigentliche Herausforderung steht noch bevor: Der Transport nach Taucha. Dabei kommt den Modellbahnfreunden zugute, dass der Chef eine eigene Spedition und einen geeigneten Lkw hat und dass ein Vereinsmitglied bei einem Schwerlastunternehmen angestellt ist, welches einen Kran und eine Hebebühne zur Verfügung stellt. So ausgerüstet wollen die Tauchaer die Anlage am 25. März in Rötha abholen. Sechs der acht Teile sollen den Raum durch das Fenster verlassen. Zwei sind dafür zu groß, müssen durchs Haus getragen werden. Eine Schwierigkeit gilt es noch zu meistern: Kran, Hebebühne und Lkw müssen über die Baustelle in der August-Bebel-Straße an die Schule herankommen. „Diese Hürde werden wir auch noch nehmen“, sagt ein optimistischer Roberto Haufe. Stefan Kreißler ist dazu mit der Baufirma Reif in Kontakt.

Für den Röthaer wird das Kapitel Modelleisenbahn damit weitgehend beendet sein. Auch wenn er Lokomotiven und Waggons als Sammlung behält. „Eine Platte werde ich mir zu Hause nicht wieder bauen“, sagt Stefan Kreißler. Der seine Modellbahnanlage zwar viel lieber in Rötha behalten hätte, aber immerhin froh ist, dass sie in gute Hände kommt, wie er sagt. Die Modellbahnfreunde Taucha wollen sie original wieder aufbauen und dafür extra ihr gemietetes Domizil in einer ehemaligen Einkaufspassage erweitern.

Von André Neumann

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