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Borna Moped mit 15: Teenager im Landkreis Leipzig wollen mobil sein
Region Borna Moped mit 15: Teenager im Landkreis Leipzig wollen mobil sein
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00:37 24.02.2018
Bereits mit 15 in die Fahrschule. Im Landkreis Leipzig ist das möglich. Quelle: dpa
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Grimma/Wurzen

Die Hängepartie ist vorbei. Teenager, die mit 15 aufs Moped steigen wollen, haben jetzt wieder freie Fahrt. Nachdem kurz vor Auslaufen des Modellversuches in Sachsen jetzt grünes Licht aus Berlin kam, atmet nicht nur die junge Generation auf. „Bei uns wird das stark nachgefragt“, sagte Marlies Schuster von der gleichnamigen Fahrschule in Wurzen. Sie sei erleichtert, dass jetzt Planungssicherheit für die kommenden Kurse existiert.

Fahrlehrer verspüren große Nachfragen

Nicht nur in Wurzen, auch in der Dahlener Zweigstelle werde von den Fahrlehrern die Generation geschult. „Junge Menschen müssen heute mobil sein“, sagt Schuster. Gerade in ländlichen Gegenden, die nicht so eng an den öffentlichen Nahverkehr angebunden seien, würden Jugendliche die Option des frühen Führerscheins ziehen, um in die Schule und zur Lehrausbildung zu gelangen.

In der Ausbildung hätten sich die jugendlichen Fahrschüler durchaus als kompetent erwiesen. „Die meisten bestehen im ersten Anlauf die theoretische Prüfung“, so Schuster. Auch in der Praxis gebe es keine Probleme. „Die, die zu uns kommen, wollen unbedingt den Führerschein bestehen“, ist Schuster überzeugt. Mobilität bedeute für sie Freiheit, das treibe sie an.

Teenager in Fahrschulen gut vorbereitet

Mit den Leistungen seiner jüngsten Fahrschüler hat Kurt Janosch in Wurzen etwas differenzierte Erfahrungen gemacht. Die Theorie liege nicht jedermann, lenkte er ein. „Aber ich bin froh, dass das Pilotprojekt verlängert worden ist“, sagte er. Im Jahr nimmt er zwischen 10 und 15 Teenagern die Prüfung ab. Janosch ist überzeugt, dass sich die jungen Mopedfahrer ihrer Verantwortung im Straßenverkehr bewusst sind. „Auch darauf bereiten wir sie in der Fahrschule vor“, so Janosch.

Dass Jugendliche in dem Alter durchaus in der Lage sind, ein Moped zu fahren, davon ist Michael Tusche überzeugt. „Die machen ihre Prüfung souverän“, so der Bad Lausicker Fahrlehrer. Er räumt jedoch ein, dass er während der Ausbildung auf die „Küken“, wie er sie nennt, besonders eingeht. „Denn es geht nicht nur darum, ein Moped zu fahren, sondern auch die riesengroße Verantwortung im Straßenverkehr zu übernehmen“, sagt er. Der Alltag belege, dass dies gelinge. Von seinen Fahrschülern sei ihm nur ein Fall bekannt, dass ein Mopedfahrer aus der Kurve gerutscht sei. „Da lag Sand auf der Fahrbahn.“

Vor dem nahenden Frühjahr verzeichnet auch René Schwarze wieder eine anziehende Nachfrage. Seinen Angaben zufolge habe sich der Trend zum frühen Mopedfahren durchgesetzt. „Die Verlängerung ist vernünftig“, sagte der Fahrlehrer, der Teenagern zwischen Grimma und Bad Lausick sowie Leißnig zu mehr Mobilität verhilft. Gerade im ländlichen Raum, wo Busse und Bahnen selten oder gar nicht verkehren, habe sich die Möglichkeit herumgesprochen. „Wenn die Kumpels mit dem Moped unterwegs sind, dann ziehen andere nach“, so Schwarze.

Mehr Vertrauen in die Jugend

Gerald Lehne, 1. Beigeordneter im Landkreis Leipzig, befürwortet die Verlängerung des Modellversuchs der Mopedfahrerlaubnis mit 15 Jahren. „Seit dem Start im Mai 2015 bis Ende 2017 haben wir dazu 1081 Fahrerlaubnisse erteilt“, so seine Bilanz. Der Modellversuch werde gut angenommen, er passe in unsere ländliche Region und ermöglicht den Jugendlichen größere Mobilität. Ein weiterer Pluspunkt sei, dass die jungen Menschen schon früh lernen, sich verantwortungsvoll im Verkehr zu bewegen, so Lehne, der wie viele seiner Freunde selbst schon als 15-Jähriger mit dem Moped unterwegs war. Er plädiert dafür, wieder mehr Vertrauen in die Jugend zu zeigen. Von daher sei es gut zu sehen, „dass viele Eltern Zutrauen zu ihren Kindern gezeigt und ihnen den Schritt ermöglicht haben.“

Seit 2013 gibt es in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Ausnahme für Jugendliche, bereits im alter von 15 Moped zu fahren. Den Angaben von Fahrlehrern zufolge könnte die Ausbildung bereits mit 14 Jahren beginnen, die theoretische Prüfung drei Monate, die praktische Prüfung einen Monat für dem 15. Geburtstag abgelegt werden. Für den Osten eigentlich kein Novum. Bereits zu DDR-Zeiten bestand die Möglichkeit, im Alter von 15 ein Moped mit einer Leistung bis zu 50 Kubikcentimeter zu fahren. Bundesweit gilt ein Mindestalter von 16, bevor man aufs motorisierte Zweirad steigen darf.

Von Birgit Schöppenthau

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