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Theaterprojekt gegen sexuelle Gewalt

Theaterprojekt gegen sexuelle Gewalt

Ein deutschlandweites Theaterprojekt gegen sexuelle Gewalt war zum ersten Mal in der hiesigen Region zu Gast - in der Lernförderschule Elstertrebnitz. Das Mädchen Lilli sitzt im Bus.

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Mit Theater und Musik bearbeiten die Schauspieler Katrin Büchner und Markus Marx ein schwieriges Thema.

Quelle: C. CarellDomröse

Elstertrebnitz. s. Da kommt ein Jugendlicher, der ihr unsympathisch ist. Er setzt sich auch noch neben sie, schaut sie so komisch an und legt den Arm um ihre Schulter. Lilli fühlt sich unwohl, traut sich aber nichts zu sagen. Diese Geschichte könnte auch anders laufen, nämlich so: Lilli sieht überhaupt nicht ein, dass dieser wildfremde Typ sich ihr nähert. Sie will das nicht und brüllt aus voller Kehle "Neeeiiin!!!". Der junge Mann ist von dieser Reaktion so geschockt, dass er rücklings vom Sitz fällt.

Oft spielen Katrin Büchner und Markus Marx Situationen zweimal. Es könnte so sein, aber auch anders. Die Leipziger Schauspieler kommen aus dem Improvisationstheater und arbeiten seit vier Jahren für die "theaterpädagogische werkstatt", die ihren Sitz in Osnabrück hat und mit sechzig Spielteams deutschlandweit Theaterprojekte gegen sexuelle Gewalt anbietet. Kürzlich waren die beiden Leipziger in der Lernförderschule Elstertrebnitz.

"Das Thema ist schwer zu bearbeiten", weiß Büchner. Ihr Projekt ist überschrieben "Mein Körper gehört mir". Die Quintessenz sei, ein gutes Gefühl für sich zu haben und zu vermitteln: Wenn du kein gutes Gefühl hast, dann sage das auch. Kinder brauchen jemanden, dem sie sich anvertrauen können. Nach Studien müssen sexuell missbrauchte Kinder neun Menschen fragen, bis sie zu jemandem kommen, der ihnen hilft.

Auch dazu gibt es eine Szene. Der Junge Leo ist mit seiner Familie in eine neue Stadt gezogen. Er hat mit seinem Bruder ein gemeinsames Zimmer, aber dieser fasst ihn an, macht "komische Spiele" mit ihm. Leo geht mit dem Problem zu seiner Mutter, doch die sagt, dass er spinnt. Er will mit seinem Vater reden, aber der hat keine Zeit, weil er immer arbeitet. Sein Fußballtrainer meint nur: "Das wird schon. Konzentriere dich auf andere Sachen." Der Freund des Vaters sagt sogar, das sei Leos Schuld. Nur seine Lehrerin wiegelt nicht ab, sie hört ihm zu und sagt klar: "Leo, du machst gar nichts falsch. Dein Bruder macht was falsch und das müssen wir klären. Und du bist auch nicht der einzige, der solche Probleme hat."

All dies wird szenisch vor der Klasse gespielt. Zwischendurch reden die Schauspieler mit den Kindern, um zu sehen, wie es ankommt. "Wichtig ist, bei diesem Thema mit Hilfe des Theaters möglichst wenig Traurigkeit rüber zu bringen und auch mit Humor und Spaß zu arbeiten", sagt Markus Marx. Es soll gezeigt werden, dass es aus jeder Situation einen Ausweg gibt. Als Lilli den Typen im Bus anbrüllt, würden die Kinder immer lachen. Begeistert seien sie auch stets von dem Lied "Körpersong", dessen Refrain heißt: "Mein Körper, der gehört mir allein! Du bestimmst über dein' und ich über mein'!"

Bisher arbeiteten die beiden Schauspieler vor allem in Leipzig. Jetzt möchten sie auch verstärkt ins Umland. "Wenn wir da sind, ernten wir Begeisterungsstürme. Das Problem ist nur die Finanzierung", meint Markus Marx. In Elstertrebnitz entstand der Kontakt über die Schulsozialarbeiterin Anja Hauschild. "Wir haben das Projekt aus unterschiedlichen Töpfen finanziert", sagt sie. Geld kam von der Diakonie, dem Landkreis und dem Verein Menschen gegen sexuellen Missbrauch. "Es ist immer wieder ein Thema", meint die Sozialarbeiterin. "Wir haben wenige Fälle, aber die sind da." Das Projekt beinhaltete einen Elternabend zur Vorbereitung und jeweils drei Veranstaltungen in den dritten und vierten Klassen.

Katrin Büchner erinnert sich an eine Aufführung in einer Schule, an der ein Mädchen teilnahm, das früher sexuell missbraucht wurde. Die Schauspieler zeigten eine Szene, in der ein Onkel ein Mädchen nackt fotografiert und das Kind nun darüber nachdenkt, ob es das jemandem erzählen sollte. Da sagte das betroffene Mädchen laut zu der Schauspielerin: "Ja, mach das unbedingt! Das hilft dir wirklich!" Dieser Moment hat die Leipzigerin sehr berührt: "Mir ist es kalt den Rücken runter gelaufen."

Infos: www.tpw-osnabrueck.de. Kontakt: sachsen@tpw-osnabrueck.de.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.06.2013

Carell-Domröse, Claudia

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