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"Thema weder versickern lassen noch zerreden"

"Thema weder versickern lassen noch zerreden"

Katharina Landgraf bemüht sich seit dem Juni-Hochwasser in ihrer Position als Bundestagsabgeordnete um Hilfe für Betroffene und eine Verbesserung des Hochwasserschutzes in der Region.

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Katharina Landgraf

Quelle: CDU

Pegau/Groitzsch. Die LVZ spricht mit der CDU-Frau darüber.

Frage: Warum ist das Thema für Sie wichtig?

Katharina Landgraf: Auf der einen Seite war ich persönlich betroffen, mein Heimatdorf Großstorkwitz wurde evakuiert, ich kenne viele Schicksale aus nächster Nähe. Auf der anderen Seite hatte ich Kontakte, zum Beispiel zum Staatssekretär Dr. Fritz Jaeckel, Chef des Wiederaufbaustabes in Dresden. Daher lag es nahe, Bürgern, die mich ansprachen, konkret zu helfen. Es gab sogar jemanden aus dem Bundeskanzleramt, der zu mir gesagt hat, ich soll ihn regelmäßig anrufen und berichten, was bei uns los ist. Generell halte ich das Thema Hochwasser für sehr wichtig. Wir müssen hier was tun und dürfen die Sache weder versickern lassen noch zerreden.

Was haben Sie konkret unternommen?

Der Hochwasserschutz ist ja bekanntlich Ländersache, aber Flüsse richten sich nun mal nicht nach Bundeslandgrenzen. Daher habe ich alle meine Kollegen aus Wahlkreisen, wo diese Thematik ansteht, im Januar eingeladen. Ich möchte gern eine Vernetzung der Betroffenen. Im Mai ist die nächste Zusammenkunft, da soll ein Kollege aus dem Umweltausschuss dabei sein. Wichtig wären auch Ansprechpartner aus dem Innenministerium. Denn dorthin gehören die Privatschäden der Bürger und auch die Ausstattung der Helfer. Das THW zum Beispiel hat beim Juni-Hochwasser viel Material eingebüßt, so was muss ja ersetzt werden.

Wo sehen Sie die Hauptprobleme?

Erst mal ärgert mich, dass in der aktuellen Haushaltdiskussion im Bund noch kein Geld für Hochwasserschutz eingeplant ist. Das sehe ich ausgesprochen kritisch. Weiterhin ist die länderübergreifende Zusammenarbeit ein großes Problem. Was die Weiße Elster betrifft, müssen drei Bundesländer gemeinsam an einem Strang ziehen. Wir brauchen am Oberlauf möglicherweise Rückhaltebecken, damit wir hier unten in Pegau trockene Füße haben. Aber je mehr ich mich mit der Materie beschäftige, desto klarer wird mir: Mit Kurzfristigkeit geht hier gar nichts, das ist zum Teil hochkompliziert. Für Laien ist die Kompetenzfrage beim Hochwasserschutz fast nicht zu durchschauen.

Beispiel Pegau. In vielen Gesprächsrunden wurde mehrfach betont, wie schwierig, aufwendig und teuer ein umfassender Hochwasserschutz für Pegau ist. Wie geht das aus Ihrer Sicht nun weiter?

Man sollte hier mit Augenmaß agieren. Es greifen verschiedene Dinge ineinander. Wie schon gesagt, könnte Pegau ein Rückhaltebecken weiter oben durchaus helfen. Dazu müssen aber die Länder besser miteinander reden und es muss Geld zur Verfügung stehen. Zum anderen können auch private Maßnahmen, die viele Bürger schon realisiert haben, sehr wirksam sein. Weiterhin sind die Stadtverwaltungen und Zweckverbände in der Pflicht. Beim Juni-Hochwasser in Pegau erzählten die Leute, das Wasser kommt aus den Gullis zurück, so was darf nicht sein. Man muss aber auch sagen, dass die Landestalsperrenverwaltung sehr zügig reagiert hat, was den Edeldamm bei Wiederau betrifft. Die Bauarbeiten sind fast abgeschlossen, dort wurde mit Spundwänden sehr teuer und aufwendig der Damm ertüchtigt. Und das ging auch schnell.

Für Ärger sorgt nach wie vor die B 2 bei Audigast...

Ja, dazu möchte ich noch vor dem Sommer eine Informationsveranstaltung organisieren, ähnlich wie die zum Elstertrebnitzer Wehr Anfang dieses Jahres. Es geht darum, dass dort Vertreter der Landestalsperrenverwaltung und des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr mit Bürgern ins Gespräch kommen. Durch die stetige Erhöhung der B 2 ist es dort zu einem ungewollten Hochwasser-Rückstaudamm gekommen. Da spricht das eine Amt nicht mit dem anderen, da wird nicht nach rechts und links geguckt, das ist ärgerlich. In das Thema spielt auch die künftige Umgehungsstraße für Audigast hinein. Das Projekt ist zwar im Bundesverkehrswegeplan, aber es fehlt noch das wichtige Kürzel "VB", was vordringlicher Bedarf heißt. Erst dann wird die Sache konkret.

In welcher Rolle sehen Sie sich bei diesen Themen als Bundestagsabgeordnete?

Ich führe viele Gespräche mit den Bürgern und trage das an die Behörden heran. Die wiederum planen und setzen die Dinge um, müssen sich an viele Vorgaben halten. Ich stehe so dazwischen und höre von beiden Seiten, was alles kompliziert ist, aber das ist mein Job, dafür bin ich da. Wir als Bundestagsabgeordnete stehen in besonderer Weise in der Pflicht, ohne weiteren Zeitverzug politisch die erforderlichen Schritte einzuleiten. Beispiel Landwirtschaft: Wenn es darum geht, Überschwemmungsgebiete auszuweisen, müssen die Landwirte von Anfang an einbezogen werden. Die Planungen dürfen nicht im stillen Kämmerlein laufen. Es muss geregelt werden, welche Ausgleichszahlungen der Landwirt erhält, wenn diese Flächen unter Wasser stehen und so weiter. Das sind Themen, die uns in der AG Landwirtschaft beschäftigen und die ich mitgestalten will.Interview: Claudia Carell-Domröse

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.04.2014
Claudia Carell-Domröse

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